Die Philosophie und Anthropologie des Augustinus von Hippo

Eingeordnet in Philosophie und Ethik

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 4,95 KB

Der Mensch und die Seele

Die menschliche Seele teilt mit allen anderen Lebewesen die Eigenschaft, eine Quelle des Lebens und der Lebensenergie zu sein. Was die Seele jedoch vom Rest unterscheidet, ist, dass sie über den bloßen Lebensanfang hinaus ein rationales und spirituelles Prinzip darstellt, dessen ultimatives Ziel es ist, Gott kennenzulernen. Augustinus von Hippo hatte Schwierigkeiten zu erklären, wie die menschliche Seele in den Körper gelangt. Seine ursprüngliche Idee war der Traduzianismus (hier als „Übersetzung“ bezeichnet), wonach die Seele durch den Samen der Väter an die Kinder weitergegeben wird. Dies sollte die Idee der Erbsünde erklären. Um jedoch die Häresie zu vermeiden, dass die Seele eine rein elterliche Schöpfung sei, entschied sich Augustinus später für den Kreationismus, die Lehre, nach der alle Seelen direkt von Gott erschaffen werden. Diese Lehre löst das vorherige Problem, bietet jedoch keine einfache Erklärung dafür, wie die Erbsünde von den Eltern auf die Kinder übertragen werden kann, ohne dass die Erbsünde selbst als göttliche Schöpfung erscheint, was wiederum eine andere Häresie wäre.

Verhältnis von Seele und Leib

Bezüglich des Verhältnisses von Seele und Leib folgt Augustinus dem dualistischen Denken Platons: Seele und Körper sind zwei verschiedene Subsysteme. Der Mensch ist kein einfaches Kompositum aus beiden; es ist vielmehr notwendig, diese zwei Einheiten miteinander zu verbinden.

Gesellschaft und die Zwei-Staaten-Lehre

Das politische Denken des Augustinus von Hippo geht davon aus, dass die irdische Stadt nur eine Kopie der himmlischen Stadt ist. Aus dieser Lehre der „zwei Städte“ ergeben sich zwei wichtige Konsequenzen:

  • 1. Die Kirche sollte die Führung des Staates übernehmen. Der Staat muss die Bedürfnisse all seiner Mitglieder erfüllen.
  • 2. Die einzige wirklich perfekte Gesellschaft ist die Kirche; in diesem Sinne ist und sollte sie dem Staat überlegen sein.

Der Staat und die Zivilgesellschaft sollten der Kirche unterstehen, da sie von ihren Anfängen an von ihr inspiriert wurden. Diese Grundsätze sind ein Abbild der Prinzipien, die den himmlischen Staat regieren; jeder Aufstand gegen diese Ordnung richtet sich auch gegen Gott. Obwohl Augustinus die Kirche über den Staat stellt, liefert seine politische Theorie eine Begründung für dessen Existenz. Ein Staat verkörpert keine wahre Gerechtigkeit, wenn er kein christlicher Staat ist: „Was Menschen zu guten Bürgern macht, ist das Christentum.“ Der Staat selbst, als Monopol für Macht und Stärke, hat seine Wurzeln in der Erbsünde. Aufgrund der Folgen der Erbsünde ist er eine notwendige Institution, kann aber nur dann „richtig“ sein, wenn er christlich geprägt ist.

Realität und Schöpfung

Um die Welt zu erschaffen, nutzt Gott die Ideen in seinem Verstand. Die Ideen Gottes wandeln sich nicht: Sie sind ewig und existieren im göttlichen Geist. Gott nutzt diese als Modelle für die Schöpfung (Exemplarismus). Alle Wesen sind somit ein Spiegelbild der im göttlichen Verstand enthaltenen Ideen. Da die gesamte Schöpfung ewig in Gott enthalten ist, müssten eigentlich alle Geschöpfe zur gleichen Zeit entstanden sein. Augustinus entwickelte hierzu die Lehre der Keimgründe (rationes seminales): Die Ideen aller Geschöpfe sind wie Samen, die implizit in ihrem Wesen vorhanden sind, bis die Zeit ihrer tatsächlichen Entstehung in der Schöpfung gekommen ist.

Wissen und göttliche Erleuchtung

Der Verstand kann durch Wissen zu Gott gelangen. Augustinus erkennt der Welt der Sinne eine gewisse Legitimität an, doch dieses Wissen reicht nicht aus, um die absolute Wahrheit zu finden. Es gibt zwei verschiedene Arten des geistigen Wissens, die den Menschen zum Glück führen können:

  • Eine niedere Vernunft (Ratio): Diese wird mit der Wissenschaft identifiziert und befasst sich mit den rationalen Anforderungen, die Menschen normalerweise in ihrem Leben bewältigen müssen.
  • Eine höhere Vernunft (Weisheit): Durch sie kann der Mensch die ewigen Wahrheiten erkennen, da sein Endziel Gott ist.

Um das Wissen der ewigen Wahrheiten zu erreichen, bedarf es der göttlichen Erleuchtung, da die menschliche Vernunft endlich und unvollständig ist und die Wahrheit nicht aus eigener Kraft erreichen könnte. Wenn dieses erleuchtete Verständnis vonseiten Gottes erfolgt, erlangt der Mensch Weisheit. Diese Erleuchtung umfasst Folgendes: Gott ist die Quelle der Wahrheit, die das Verständnis erleuchtet. Diese Erleuchtung kommt auf natürliche Weise, da sie in der menschlichen Natur verankert ist. Im Inneren der menschlichen Seele existiert der tiefe Wunsch, die Weisheit zu erreichen, die Gott zusammen mit der Seele erschaffen hat.

Verwandte Einträge: