Philosophie vs. Religion & Literatur: Grundlagen und Griechische Moderne
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Philosophie und ihre Abgrenzung
Philosophie ist keine Religion
Die Philosophie unterscheidet sich fundamental von der philosophischen Religion. In der Philosophie gibt es keinen Platz für offenbarte Erkenntnis. Philosophische Erkenntnis erobert die Menschheit durch rationale Reflexion über die gesamte Geschichte hinweg. Durch die Vernunft wissen wir, was wir wissen können. Die Philosophie ist, wie wir gesehen haben, ein fundiertes Wissen, das auf Vernunft beruht. Die Religion hingegen basiert auf Glaube, da sie sich auf das stützt, was die Vernunft nicht verstehen kann – das Wort dessen, dem man vertraut, der sich offenbart hat.
Wissen in der Philosophie ist eine komprimierte Realität, in der der Mensch verstehbar ist. Die Religion präsentiert Heil als Erkenntnis der Wirklichkeit, aber auch als Wissen von etwas, das über das rein rationale hinausgeht. Religion entsteht durch:
- Dogma: Eine Reihe von Grundüberzeugungen, die eine religiöse Entscheidung definieren.
- Ritual: Ein zeremonielles Repertoire, mit dem der Mensch seine Verbindung zum Heiligen ausdrückt.
- Moral: Gegründet auf der Verehrung des Heiligsten, das die Anforderungen an den Menschen stellt.
Philosophie ist keine Literatur
Es gibt zwei Arten von Unterschieden, die die Literatur von der Philosophie trennen: Unterschiede in der Form und im Inhalt.
Formale Unterschiede
Es ist offensichtlich, dass literarische Werke Handlungen und Charaktere (im Roman und Drama) oder Bilder und Erinnerungen (in der Poesie) nutzen. Die Philosophie hingegen zielt darauf ab, Argumente und Texte zu formulieren, die wahre Konzepte darstellen. Diese formalen Unterschiede ergeben sich aus unterschiedlichen Grundanliegen:
- Die Philosophie ist primär erkenntnistheoretisch (Wahrheit des Gesagten).
- Die Literatur ist primär ästhetisch (Schönheit des geschriebenen Wortes).
Inhaltliche Unterschiede
Die Philosophie neigt dazu, individuelle Erfahrungen in eine systematische Theorie des gesamten Seienden zu integrieren. Die Literatur hingegen neigt dazu, das Besondere, das Individuelle und Einzigartige zu verankern.
Historische Perspektiven der Philosophie
Griechische Philosophie
Die grundlegende Erfahrung der griechischen Philosophie sah die Realität als ein Feld, das in eine göttliche Natur und eine von den Göttern geordnete, relativ autonome Macht aufgeteilt war, der die Menschen unterworfen waren. Ihre zwei wichtigsten Fragen waren:
- Was ist die Ordnung der Natur?
- Warum gibt es Ordnung in der Natur statt Chaos?
Der zentrale Begriff ist die Art und Weise der Erklärung: Naturgeschichte bedeutet, etwas zu verstehen, indem man den natürlichen Prozess beschreibt, der es erzeugt hat. Dies entsprach der Stimmung des griechischen Philosophen des Erstaunens.
Moderne Philosophie
Die Philosophie der Gegenwart setzt nach der Arbeit von Friedrich Hegel ein und durchläuft zwei verschiedene Phasen:
Erste Phase: Optimismus und Fortschritt
In dieser Phase herrschte Vertrauen in den Fortschritt der Menschheit, verstanden als die Verwirklichung der Vernunft in der Geschichte. Dies sollte uns von Aberglauben und Vorurteilen befreien, sodass wir endlich eine kluge Kompression der natürlichen Welt und die soziale Kontrolle der Natur durch Technik erreichen könnten – unterstützt durch neue politische Institutionen, die eine gerechte und friedliche Gesellschaft schaffen sollten.
Zweite Phase: Erschütterung des Vertrauens
Dieses Vertrauen wurde durch zwei tragische Erfahrungen erschüttert: die beiden Weltkriege und, in jüngster Zeit, die drohende ökologische Katastrophe. Die zeitgenössische Philosophie ist daher, zumindest vorerst, weniger systematisch als die der Vorperiode. In ihrer aktuellen Form existieren Versionen alter philosophischer Ansätze neben neu entwickelten Ideen.