Was ist gut? Philosophische Ethik von Aristoteles bis Kant

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Was ist Ethik? Philosophische Antworten

Ethik ist die Reflexion über die Moral, also das Nachdenken darüber, was wir als gut und schlecht betrachten. Wir alle kennen bestimmte moralische Normen, auch wenn diese nicht Teil eines geschriebenen Gesetzes sind. Wir alle bewerten Handlungen – unsere eigenen und die anderer – moralisch. Jeder von uns hat eine ethische Haltung, auch wenn wir uns dessen oft nicht bewusst sind. In unseren Entscheidungen und Ansichten darüber, was wir für richtig oder falsch halten, zeigt sich unsere jeweilige ethische Position.

Aristoteles: Das Gute ist das Glück

Nach Aristoteles hat jede menschliche Handlung ein Ziel. Was auch immer wir tun, wir tun es, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, das unserem Handeln einen Sinn gibt. Unser Leben ist wie eine Kette von Zielen: Wir handeln, um ein Ziel zu erreichen, doch dieses Ziel ist oft nur ein Mittel für ein weiteres Ziel. Es muss jedoch ein oberstes Ziel geben, einen Zweck, der nicht wiederum Mittel für etwas anderes ist. Gäbe es dieses letzte Ziel nicht, wäre die Kette der Ziele endlos und unser Leben sinnlos. Dieses ultimative Ziel, das um seiner selbst willen erstrebt wird, ist laut Aristoteles das Glück (Eudaimonia).

Glück kann jedoch nur derjenige erreichen, der ein von der Vernunft geleitetes Leben führt, sich nicht von Leidenschaften mitreißen lässt und in der Lage ist, seine Wünsche und Ängste zu beherrschen.

Ein guter Mensch ist der weise Mensch, der den Mittelweg zwischen den Extremen sucht. Dieser Mittelweg kann je nach den Umständen und der Person variieren.

Allerdings können bestimmte Voraussetzungen für das Erreichen des Glücks notwendig sein:

  • Körperliche Gesundheit
  • Emotionale Stabilität
  • Materielle Sicherheit

John Stuart Mill: Das Gute ist das Nützliche

Der Philosoph John Stuart Mill erarbeitete die ethische Theorie, die als Utilitarismus bekannt ist. Für Utilitaristen ist das Gute das, was nützlich ist, und das Nützliche ist das, was angenehm ist oder Freude bereitet. Mill geht davon aus, dass alle Menschen nach Glück streben und Glück mit Freude gleichsetzen. Wir begehren Dinge, weil sie uns Freude bereiten. Jedoch ist nicht jede Freude gleichermaßen wünschenswert, da es flüchtige Freuden gibt, die letztendlich zu Schmerz führen können.

Stuart Mill unterscheidet zwischen niederen und höheren Freuden:

  • Niedere Freuden: Dies sind die leiblichen Genüsse.
  • Höhere Freuden: Diese beziehen sich auf unsere kreativen und intellektuellen Fähigkeiten.

Mill argumentiert, dass Glück erreichbar ist, wenn man es nicht als ein Leben in kontinuierlicher Ekstase versteht, sondern als ein Leben mit vielen Momenten der Freude, wenigen und vorübergehenden Schmerzen und vielfältigen Genüssen.

Nach der utilitaristischen Theorie sollen wir so handeln, dass wir das größtmögliche Glück für die größtmögliche Anzahl von Menschen erreichen.

Kant: Das Gute ist, was aus Pflicht getan wird

Für Immanuel Kant sind Menschen sowohl natürliche als auch vernünftige Wesen. Als natürliche Wesen unterliegen wir den Naturgesetzen (z. B. essen, schlafen). Als vernünftige Wesen unterliegen wir jedoch dem moralischen Gesetz, das in unserer Vernunft begründet und für alle Menschen gleich ist. Dieses moralische Gesetz ist der Kategorische Imperativ: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Wenn wir gut handeln, haben wir kein Problem damit, uns vorzustellen, dass unsere Handlungsweise ein allgemeines Gesetz wird. Wenn wir jedoch schlecht handeln, wollen wir nicht, dass unsere Maxime verallgemeinert wird – wir wollen für uns eine Ausnahme machen. Der Lügner will lügen, aber er will nicht, dass Lügen zur allgemeinen Regel wird, denn dann würde ihm niemand mehr glauben.

Für Kant ist die Absicht einer Handlung entscheidend, nicht deren Ergebnis oder Zweck. Eine gute Tat ist eine, die aus Pflicht und Pflichtgefühl getan wird.

Kant unterscheidet zwischen Legalität und Moralität:

  • Eine Handlung ist legal, wenn sie äußerlich der Pflicht entspricht.
  • Sie ist jedoch nur dann moralisch, wenn sie aus reiner Achtung vor dem moralischen Gesetz geschieht und nicht aus Eigennutz, Bequemlichkeit oder Angst.

Der Mensch, so Kant, hat eine Würde, keinen Preis. Er kann nicht durch etwas Gleichwertiges ersetzt werden. Menschen haben einen inneren, nicht nur einen relativen Wert, und sind deshalb unersetzlich.

Glück und Leid aus religiöser Perspektive

Menschen sind sich ihres Lebens und ihres unausweichlichen Todes bewusst. Wir feiern das Wunder einer Geburt und trauern bei einem Todesfall.

Gedanken von Sergio Bergman

Ein Zitat, das oft in diesem Zusammenhang genannt wird, lautet sinngemäß: „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen; der Name des Herrn sei gelobt.“ Wenn eine Handlung zu Schmerz, Leid und Verlust führt, fragen wir uns nach Gottes Rolle und wo er in all dem zu finden ist.

Wir alle werden ständig auf die Probe gestellt. Das Wichtigste ist, wie wir auf diese Prüfungen reagieren, die nicht immer schmerzhaft sein müssen. Ein Teil des Lebens besteht darin, zu akzeptieren, dass bestimmte Dinge unwiederbringlich verloren sind, wie der Tod eines geliebten Menschen.

Gedanken von Primo Corbelli

Primo Corbelli stellt fest, dass die gegenwärtige Situation Menschen dazu bringt, noch stärker religiös zu leiden. Sie fühlen sich dem Schweigen Gottes ausgesetzt, besonders wenn es scheint, dass die Bösen straflos erfolgreich sind.

Aus dieser Sicht hat das Leiden an sich keinen Wert; es ist etwas, das bekämpft werden muss. Wahres Glück, so eine Schlussfolgerung, liegt darin, sich für andere nützlich zu fühlen.

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