Philosophische Strömungen: Von Vorsokratikern bis Existenzialismus
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Einflüsse in der Philosophiegeschichte
Die Vorsokratiker
- Heraklit: Alles ist im Fluss (panta rhei) – bezogen auf die sinnlich erfahrbare Welt.
- Parmenides: Die Bedeutung des Grundes; Identifizierung zwischen dem Sein und dem Denken. Die Welt ist in zwei Bereiche geteilt. Misstrauen gegenüber den Sinnen zur Erfassung der Wahrheit; Ideen sind Einheit.
- Zenon: Die dialektische Bedeutung der rationalen Diskussion.
- Pythagoreer: Starkes Interesse an mathematischem Wissen und die Unsterblichkeitstheorie der Seele.
- Anaxagoras: Der Nous (Geist) als Demiurg, ordnende Intelligenz.
Die Sophisten
- Fokus auf das menschliche Interesse und die politische sowie ethische Dimension.
- Bedeutung der Bildung und der Sprache als kritische Waffe.
- Relativistische und skeptische Haltung.
Sokrates
- Der einflussreichste Denker.
- Interesse an universellen Konzepten (Moral).
- Wissen und Definition sind wichtig für den Dialog.
- Sokratische Methode: Ironie, Mäeutik (Hebammenkunst) und das Streben nach universellen Konzepten.
Auswirkungen und Nachwirkungen
Platon und die Akademie
- Der Fall der Akademie (impliziert: die Weiterentwicklung der Lehre).
- Platons Lehre: Die Welt der Ideen (intelligibel) und die sinnliche Welt (Doxa).
- Aristoteles: Kritisiert seinen Lehrer, teilt die Zwei-Welten-Lehre nicht und versucht, die Welt durch die Realität selbst zu erklären.
Neuplatonismus und Mittelalter
- Neuplatoniker: Emanatistisches Design, Erben der mystischen Aspekte von Platons Ideen. Hierarchisierung der Ideen, wobei die Idee des Guten (Das Eine) an der Spitze steht.
- Augustinus: Synthese von Platons Theorie (nicht nur Neuplatonismus) mit dem Christentum.
- Thomas von Aquin: Ableitung von Augustinus; einflussreiche neuplatonische Zeichnung seiner 5 Wege und einige ethische sowie politische Konzepte.
Renaissance und Rationalismus
- Utopien der Renaissance (Thomas More): Politische Zustände, die nicht erreicht werden können, regeln das Gerechte und Ungerechte.
- Rationalisten (Descartes): Design eines mathematischen Universums; Trennung der Welt in res extensa (ausgedehnte Dinge) und res cogitans (denkende Dinge).
Aufklärung und Moderne
- Transzendentaler Idealismus (Kant): Die drei Bereiche der Noumena (transzendentale Ideen), Erbe der Klassifizierung von Platons Ideen; Kants Ethik.
- Marx und Nietzsche im Gegensatz zu Platon und Sokrates: Sie sehen den Zerfall des westlichen Lebenssinns und die Notwendigkeit, diesen neu zu schaffen.
- Kritik am Leib-Seele-Dualismus.
- Ortega y Gasset: Die Gesellschaft sollte intellektuell auf die Sterne vorbereitet sein (platonische Anklänge).
- Existenzialismus (Sartre): Kritisiert die Rede von einer menschlichen Natur; der Mensch wird ohne festes Wesen geboren.
- Karl Popper: Erholt die platonische Ideenwelt in der Ontologie. Dies führt zur aktuellen Situation, in der eine platonische Vorstellung von Vernunft und die Suche nach universellen Werten in Frage gestellt wird.
Platons Erkenntnistheorie und Staatstheorie
Die Höhle und das Wissen
Der denkende Teil des Menschen ist für die Aufnahme von Wissen zuständig. Nur wer Gerechtigkeit kennt, kann Gesetze fair anwenden. Die Philosophie muss ein politisches Ziel haben, um den Staat gerechtfertigt zu erhalten. Platon kritisiert die Sophisten wegen ihres Relativismus und ihrer Dekadenz (Mythos der Höhle).
Die Ideenlehre
- Aufstieg: Handeln aus Liebe und Freundschaft.
- Ideen: Immateriell, ewig, unveränderlich, unabhängig, dem denkenden Menschen zugänglich.
- Die Idee des Guten steht hierarchisch über allen anderen Ideen.
- Demiurgen: Sie neigen dazu, die guten Ideen zu verwirklichen.
Die vier Stufen der Erkenntnis (Liniengleichnis)
- Doxa (Meinung): Betrifft die sinnlichen Erscheinungen.
- Eikasia (Vorstellung): Schatten, Bilder und Reflexionen der sinnlichen Dinge.
- Pistis (Glaube): Das direkte Wissen oder der Glaube an die sinnlichen Dinge selbst.
- Dianoia (Diskursives Denken): Gegenstand sind mathematische Erkenntnisse, die noch auf Vernunftgründen beruhen.
- Noesis (Intelligenz): Die Wissenschaft oder das scharfe Erfassen der Ideen, bis hin zur Idee des Guten durch Vernunft und Dialektik.
Die Dialektische Methode
Spiel von Fragen und Dialog, um die Wahrheit des Wortes zu ergründen. Ihr Ziel ist es, zu den Ideen und zur Vorstellung des Guten aufzusteigen.
Erinnerung (Anamnesis)
- Der Aufstieg und Abstieg der Seele.
- Erinnern setzt voraus, dass die Seele bereits existiert hat.
- Wenn ein Mensch stirbt und die Seele zu den Ideen aufsteigt, wird sie wiedergeboren, andernfalls in einem schlechteren Zustand.
- Niemand kann die Stufen ohne die Erinnerung erklimmen. Wissen und Lernen sind wie ein Erinnern.
Eros
Dialektisch und verwandt mit der Erinnerung. Durch Eros erkennen wir, was wir wollen und lieben.
Anthropologie (Lehre vom Menschen)
- Radikaler Dualismus:
- Körper: Gefängnis der Seele, sinnliche Welt, wird geboren und stirbt, verändert sich.
- Seele: Gehört zur Welt der Ideen, überdauert den Körper, ist unabhängig, trennt sich im Tod. Ihre Essenz ist die Strafe, vergessen zu haben, was sie oben sah.
Die Dreiteilung der Seele
- Vernünftige Seele (Kopf, Gold): Unsterblich, zuständig für Klugheit (Gouvernanten).
- Irrationale Seele (Brust, Silber): Sterblich, zuständig für Tapferkeit (Krieger).
- Begehrende Seele (Unterleib, Bronze): Vergänglich, zuständig für Mäßigung (Produzenten).
Ausbildung (Paideia)
Die Akademie dient der Philosophie und der Politik. Die Ausbildung dauert 50 Jahre:
- Bis 10 Jahre: Niedriger Test für Gouvernanten, Krieger und Produzenten.
- 10 bis 20 Jahre: Musik, Gymnastik, Arithmetik und Astronomie.
- Auswahl bei 20 Jahren: Für Krieger und Regierende.
- 20 bis 30 Jahre: Geometrie und Dialektik.
- Auswahl bei 30 Jahren: Die besten steigen auf.
- 5 Jahre: Aufstieg in die Dialektik (Noesis).
- Auswahl der Gouvernanten: Nur wenn jede Klasse ihre Pflicht erfüllt, herrscht Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist nur gegeben, wenn die vernünftige Seele alles regelt.