Pilze: Biologie, Klassifizierung und Bedeutung
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Reihenfolge der Zeichen zur Identifizierung von Pilzen
- Erscheinungsbild der Kolonie
- Art der Hyphen
- Fruchtkörper
- Anwesenheit von Sterigmen (Sporangienträger oder Konidiophore)
- Form, Größe und Verteilung der Sporen
- Vorhandensein oder Fehlen von Rhizoiden (nur bei nicht septierten Pilzhyphen, z. B. Rhizopus, Rhizomucor, Absidia)
- Biochemische Tests zur Identifizierung
Biologische Einordnung
Früher wurden Pilze aufgrund ihrer Immobilität und Zellwand als Gemüse behandelt, obwohl sie heterotroph sind. Heute wissen wir, dass Pilze näher mit dem Tierreich (Animalia) als mit dem Pflanzenreich (Plantae) verwandt sind und zur Gruppe der Opisthokonten gehören.
Evolution und Geschichte
Während des Paläozoikums waren Pilze vermutlich aquatisch. Die ersten terrestrischen Pilze erschienen wahrscheinlich im Silur. Die größten bekannten Pilze, die sogenannten Prototaxites, erreichten im Devon eine Höhe von bis zu 6 Metern.
Taxonomie und Klassifizierung
Die Taxonomie der Pilze befindet sich aufgrund neuer DNA-Vergleiche in einem ständigen Wandel. Pilze bilden eine monophyletische Gruppe, weisen jedoch eine bemerkenswerte morphologische Variabilität auf – von mikroskopischen Hefen bis hin zu makroskopischen Speisepilzen.
Traditionelle Systematik
- Schleimpilze: Myxomycota, Plasmodiophoromycota
- Pseudofungi: Oomycota
- Echte Pilze (Eumycota): Chytridiomycota, Zygomycetes, Ascomyceten, Deuteromycetes (unvollkommene Pilze), Basidiomyceten
Aktuelle Einstufung (2010)
- Chytridiomycota
- Zygomycota
- Glomeromycota
- Basidiomycota
- Ascomycota
Differentialmerkmale
- Zelluläre Ebene: Eukaryotisch
- Ernährung: Osmotroph (Absorption)
- Stoffwechsel: Aerob oder fakultativ anaerob
- Organisation: Meist vielzellig mit Hyphen, die ein Myzel bilden. Zellwände bestehen aus Chitin.
Funktion der Zellwand
Die Zellwand schützt den Pilz vor osmotischer Lyse und toxischen Metaboliten, während sie gleichzeitig die Durchlässigkeit für Nährstoffe, Gase und Enzyme reguliert.
Nutzen und Bedeutung von Pilzen
Zierpilze
In einigen ethnischen Gruppen Mexikos werden Pilze für ästhetische und zeremonielle Zwecke genutzt.
Lebensmittel
Pilze sind reich an Proteinen und Vitaminen. Bekannte Speisepilze sind Boletus edulis, Lactarius deliciosus und der Zucht-Champignon (Agaricus bisporus). Hefen wie Candida utilis werden zur Biomasseproduktion genutzt.
Entheogene (Halluzinogene) Pilze
Pilze wie Psilocybe enthalten Psilocybin und werden in der Forschung sowie traditionell in Mesoamerika verwendet.
Medizinische Pilze
Seit der Entdeckung des Penicillins durch Alexander Fleming spielen Pilze eine zentrale Rolle in der Antibiotikaproduktion. Weitere medizinisch relevante Arten sind Ganoderma lucidum und Cordyceps sinensis.
Giftige Pilze und Sicherheit
Der Verzehr giftiger Pilze wie Amanita phalloides oder Galerina marginata kann zu schwerem Organversagen führen. Es gibt keine allgemeingültige Regel zur Erkennung; nur die exakte Bestimmung der Art schützt vor Vergiftungen. Bei Verdacht ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich.
Mykologie und Kultivierung
Die Kultivierung von Pilzen (Mykologie) ist wirtschaftlich und wissenschaftlich von großer Bedeutung. Während Hefen in der Lebensmittelindustrie unverzichtbar sind, dienen Schimmelpilze oft als Modellorganismen. Studien an Schimmelpilzen sollten jedoch nur unter fachkundiger Aufsicht durchgeführt werden.