Platon, das Höhlengleichnis und die Illusion der sozialen Netzwerke
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Platon und die sozialen Netzwerke
Die Analogie: Platons Höhle und Online-Identitäten
Derzeit ist es einfach, eine Analogie zwischen der Realität, die uns Platon im Mythos der Höhle zeigt, und den sozialen Netzwerken herzustellen. Soziale Netzwerke gelten heute als innovatives Internet-Instrument, das es ermöglicht, Informationen – sei es Videos, Fotos usw. – mit Bekannten zu teilen, neue Leute kennenzulernen und neue Freunde zu finden. Diese Plattformen basieren auf einem Online-Profil, in dem wir unsere persönlichen Daten und andere Informationen veröffentlichen.
Aber wer garantiert, dass die Informationen, die dort geschrieben werden, wirklich wahr sind und nicht frei erfunden? Viele Menschen, mehr als man sich vorstellen kann, geben falsche Daten in sozialen Netzwerken an. Informationen werden bearbeitet, oft mit dem Ziel, neue „Freunde“ zu gewinnen, wenn nicht gar finsterere Motive dahinterstecken. Andere Nutzer verwenden einen beeindruckenden Avatar, der seltsam perfekt erscheint, um so ohne Zweifel Freunde zu gewinnen. Wir sprechen hier jedoch lediglich von Erscheinungen. Kann man jemanden wirklich durch einen Bildschirm kennenlernen?
Wenn wir diese Idee mit Platons Konzept der Welt der Erscheinungen vergleichen, finden wir mehr Ähnlichkeiten, als wir denken. Platon bezeichnet den Körper als das Gefängnis der Seele – eine tödliche, zufällige Hülle, die die Seele beherbergt, und der Platon seit Jahrhunderten einen abfälligen Blick zuschreibt. Wir verstehen den Erfolg dieser modernen sozialen Netzwerke, da für viele der Platonismus die Flamme am Leben gehalten hat.
Die zentrale Haltung Platons ist: Wir leben in einer Welt der Illusionen und des falschen Scheins, und die Wahrheit liegt in der intelligiblen Welt, einer heilen Welt, die nicht die unsere ist. Das berühmte Höhlengleichnis (in Buch VII der Republik) bietet ein klares Bild dieses Konzepts: Platon beschreibt Männer, die am Boden einer Höhle angekettet sind, deren Augen auf eine Wand gerichtet sind, auf die Schatten geworfen werden, dank eines Lagerfeuers draußen. Für diese Häftlinge waren die Schatten ihre einzige Realität. Glücklicherweise sind wir nicht gebunden und haben die Fähigkeit, neue Kommunikationswege zu erforschen und dann zu entscheiden, ob sie nützlich sind.
Philosophische Einflüsse auf Platon
In Platons Theorie sehen wir viele Einflüsse früherer Philosophen. Seine Ontologie, sein dualistisches Konzept der Wirklichkeit, stellt eine Synthese der Gedanken von Heraklit und Parmenides dar.
Parmenides und Heraklit
- Parmenides: Sein Einfluss zeigt sich in der gesamten Ideenlehre und dem Konzept der Realität: Die Ideen sind unveränderlich, ewig, vollkommen und nur intellektuell erfassbar. Während Parmenides nur ein Sein annahm, sind Platons Ideen vielfältig.
- Heraklit: Seine Lehre beeinflusst Platons Konzeption der sinnlichen Welt, die sich ständig verändert und in der es keine stabilen Objekte gibt – keine wahre Realität. Diese Welt wird mit den Sinnen erfasst.
Sokrates
Platon erbte von Sokrates die Suche nach absoluten Wahrheiten, dem Wesen der Dinge und universellen Konzepten. Beide glaubten an den moralischen Intellektualismus: Wer die Tugend kennt, übt sie aus, und dies führt zu Glückseligkeit:
Weisheit = Tugend = Glück
Der Unterschied ist, dass diese Konzepte von den Ideen in einer anderen Welt sind, im Gegensatz zu Sokrates, bei dem sie aus dem Wesen der Dinge selbst entstehen.
Die Sophisten
Platon steht im Gegensatz zu den Sophisten, die glaubten, dass Wahrheit und moralische Gesetze relativ sind.
Pythagoras
Von Pythagoras erbt Platon die große Bedeutung der Geometrie, was sich in der Inschrift am Eingang der Akademie widerspiegelt: „Niemand trete ein, der nicht der Geometrie kundig ist.“ Ebenso übernimmt er den anthropologischen Dualismus und die Idee der Seelenwanderung (Metempsychose).
Aristoteles (Abgrenzung)
Aristoteles trennte sich von seinem Meister. Er vertrat die Auffassung, dass die Verdoppelung der beiden Welten unnötig sei und weder Bewegung noch Wirklichkeit erklären würde. Für Aristoteles gibt es Essenzen und Formen innerhalb der materiellen Welt.