Platon vs. Descartes: Dualismus, Wissen und die Seele

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Der Vergleich: Platon und Descartes

Anthropologischer Dualismus

Eine zentrale Ähnlichkeit zwischen Platon und Descartes ist ihr Glaube an den anthropologischen Dualismus. Beide Philosophen sehen den Menschen als Zusammensetzung aus zwei unterschiedlichen Hälften: der Seele (Anima) und dem Körper.

Für beide ist die Seele der Ort der absoluten Wahrheit und der Ideen, während der Körper die einzige Quelle unserer Fehler ist.

Platons Konzeption der Seele

  • Die Natur der Seele ist perfekt, vollkommen und ewig.
  • Die Seele existiert bereits vor der Vereinigung mit dem Körper in der verständlichen Welt der Ideen.

Descartes’ Konzeption der Seele

  • Descartes identifiziert die Seele mit dem Cogito („Ich denke“).
  • Obwohl die Seele durch die Zirbeldrüse mit dem Körper vereint ist, betrachtet er sie als völlig getrennt vom Körper (der als Maschine oder ausgedehnte Substanz gilt).
  • Die Seele ist für Descartes die erste Wahrheit; das Denken ist notwendigerweise wahr.

Die Rolle der angeborenen Ideen

Descartes ordnet das Cogito und die Idee der Seele den angeborenen Ideen zu, ebenso wie die Idee Gottes. Platon argumentiert ebenfalls, dass Wissen angeboren ist.

Angeborenes Wissen bei Platon (Anamnesis)

Für Platon bedeutet dies, dass die Seele die Ideen bereits kennt, bevor sie mit dem Körper verbunden wird. Dies ist das Gesetz der Anamnesis (Erinnerung). Die Seele hat vor der Vereinigung mit dem Körper versehentlich alle Ideen und die absolute Wahrheit geschaut. Die Vereinigung mit dem Körper führt zum Vergessen, und die Erinnerung (das Lernen) ist der Prozess des Wiedererinnerns.

Angeborene Ideen bei Descartes

Für Descartes sind angeborene Ideen wahre Ideen, die nicht von außen stammen oder durch Erfahrung erworben werden, sondern aus der eigenen Fähigkeit zu denken entstehen. Unser Verstand nimmt diese Ideen (wie Gott, Vollkommenheit, das Ich) als wahr an. Die Existenz Gottes wird dadurch gerechtfertigt, dass die Idee Gottes als angeborene Idee im Verstand verankert ist.

Unterschiedliche Konzeptionen der Idee

Die Konzeption der Idee unterscheidet sich grundlegend:

  • Platon: Ideen besitzen eine separate Realität und existieren außerhalb des Körpers. Sie werden als wirklicher betrachtet als die materielle Welt.
  • Descartes: Ideen sind geistige Inhalte, die sich im Denken manifestieren.

Das Misstrauen gegenüber den Sinnen

Platon und Descartes stimmen in ihrem tiefen Misstrauen gegenüber der sinnlichen Erfahrung überein.

Platons Kritik der Sinne

Die Sinne zeigen uns nur eine Scheinwelt, eine schlechte Kopie der wahren Realität. Die Wahrheit hängt von der Angemessenheit des Objekts ab, und die Sinne täuschen uns.

Descartes’ Kritik der Sinne

Die Evidenz der Sinne reicht nicht aus. Nach der ersten Regel seiner Methode ist nur das wahr, was mit Klarheit und deutlicher Unterscheidung erkannt wird.

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