Platon vs. Nietzsche: Kritik, Metaphysik und die Sklavenmoral

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Platon und Nietzsche: Zwei philosophische Gegenpole

Bei den traditionellen Philosophen steht sicherlich die Figur Platons als Hauptziel der Kritik Nietzsches im Vordergrund. Platon war ein prominenter griechischer Denker, der im vierten Jahrhundert v. Chr. lebte. Seine gesamte Philosophie basiert auf zwei zentralen Säulen:

  • Die Theorie der Ideen
  • Die Theorie des Wissens

Platons Philosophie: Ideenlehre und die zwei Welten

Die Ideenlehre postuliert zwei Modi der Wirklichkeit: eine verständliche Welt, die er als Ideenwelt bezeichnete, und eine andere, die sensible, leicht verderbliche Welt, die eine unvollkommene Kopie der ersten darstellt. Diese Ideen sind selbst unveränderliche, ewige Entitäten, die nicht erschaffen wurden.

Aus dieser Annahme der Existenz zweier Welten leitet Platon ab, wie wir Wissen erlangen. In seiner Analogie der Linie und dem berühmten Mythos der Höhle unterscheidet der Athener Denker verschiedene Ebenen des Wissens, wobei das Wissen umso vollkommener ist, je näher es der Welt der Ideen kommt.

Das Fundament der westlichen Gesellschaft (Nietzsches Sicht)

Diese Grundregeln bilden für den deutschen Philosophen (Nietzsche) das Fundament, auf dem die rückläufige westliche Gesellschaft basiert.

Nietzsches Kritik an Platon: Die Ablehnung der absoluten Wahrheit

Man könnte sagen, dass diese beiden Autoren mehr oder weniger das Gegenteil voneinander darstellen. Platon versuchte, durch seine Theorien Ordnung und Vernunft in die Welt zu bringen, indem er eine absolute Wahrheit (nur durch die Vernunft zugänglich) über die Welt der Veränderung stellte.

Nietzsche lehnte diesen Ansatz vehement ab: Die scheinbare Welt ist die einzig bewiesene Realität. Sie versucht nicht zu täuschen. Es gibt keine absolute Realität jenseits der Sinne. Die Sinne täuschen uns nicht (sie zeigen die ultimative Realität). Der Versuch, eine bessere, andere Welt zu schaffen, ist ein Zeichen von Schwäche und Niedergang.

Darüber hinaus kritisierte Nietzsche, dass der Platonismus versucht habe, die Wirklichkeit durch allgemeine, von der Realität losgelöste und bedeutungslose Begriffe zu klassifizieren. Diese Begriffe seien nutzlos, um die Realität auszudrücken, da diese zu wechselhaft und pluralistisch sei.

Die „Sklavenmoral“ und der Vitalismus

Und schließlich übte der Philosoph (Nietzsche) eine starke vitalistische Kritik an den moralischen Werten, die Platon vertrat (geleitet von Tugend, Vernunft, Ordnung) und die später vom Christentum übernommen wurden. Dies nannte er die „Sklavenmoral“, die sich gegen die natürlichen Instinkte richtet.

Nietzsches Vermächtnis und heutige Relevanz

Nietzsche schrieb nicht nur für die Menschen seiner Zeit, sondern auch für künftige Leser. *Heidegger* sah in ihm ein wichtiges Artefakt der Hermeneutik. *Foucault* würdigte seine Verdienste als „Philosoph des Verdachts“ (*philosopher of suspicion*), der die moralischen und intellektuellen Verzerrungen des Westens aufdeckte. *Vattimo* sieht in ihm einen schwachen Strom, der eine theoretische Fragmentierung und Vielfalt begründete, welche das Fundament des postmodernen Denkens legte.

Nietzsche sah eine müde, abgenutzte und degenerierte Welt, die er rücksichtslos angriff. Seitdem ist mehr als ein Jahrhundert vergangen. Doch wie zu seiner Zeit sind auch wir Zeugen einer neuen Etappe, die durch ständige technische Innovation, Wissenschaft, sozioökonomischen Neoliberalismus und einen hedonistischen, oberflächlichen und individualistischen Lebensstil geprägt ist. Nietzsche mag zu Veränderungen des Lebensstils beigetragen haben, aber wir leben nicht in einer Welt ohne Probleme. Daher verdienen weitere Überlegungen unsere Aufmerksamkeit, um nicht in Extreme zu verfallen: Denn die Pole Platon und Nietzsche pulsieren weiter.

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