Platons Argumente für die Unsterblichkeit der Seele
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1. Argument: Die Wiedererinnerung (Anamnesis)
Platon argumentiert, dass Lernen eigentlich ein Prozess der Wiedererinnerung ist. Wenn wir Dinge in der Welt sehen, erinnern wir uns an Ideen, die wir vor unserer Geburt besessen haben. Da wir bei der Geburt unser Wissen scheinbar verlieren, müssen wir es im Laufe des Lebens mühsam wiederentdecken.
Um dies zu verdeutlichen, nutzt Sokrates das Beispiel eines Sklaven, der weder lesen noch schreiben kann. Durch gezielte geometrische Fragen führt Sokrates ihn dazu, die Lösung für ein mathematisches Problem zu finden. Da der Sklave keine formale Bildung hatte, schließt Sokrates daraus, dass das Wissen bereits in seiner Seele vorhanden war und er sich lediglich daran erinnert hat.
2. Argument: Die Gegensätze
Sokrates erklärt, dass alles aus seinem Gegenteil entsteht. Zwischen zwei Dingen gibt es zwei Arten der Entwicklung: von 1 zu 2 und von 2 zu 1. Beispiele hierfür sind:
- Wachsein und Schlafen
- Leben und Tod
Da das Leben aus dem Tod entsteht und der Tod aus dem Leben, muss die Seele einen Kreislauf durchlaufen, der über den physischen Tod hinausgeht.
Der Mythos vom geflügelten Wagen
Dieser Mythos aus dem Phaidros verdeutlicht die Struktur der Seele:
- Der Wagenlenker: Die vernünftige Seele.
- Das gute Pferd: Der irrationale, aber edle Teil.
- Das schlechte Pferd: Der triebhafte, konkupiszible Teil.
Seelen, die ihre Flügel verlieren, fallen in einen Körper und inkarnieren. Der Wagenlenker muss versuchen, die Pferde zu kontrollieren, um die Wahrheit zu schauen, was jedoch durch die widerspenstigen Triebe erschwert wird.
Das Höhlengleichnis und der Tod
Sokrates beschreibt den Tod als eine Befreiung der Seele vom Körper. Die Gefangenen in der Höhle stehen symbolisch für Menschen, die an die sinnliche Welt gebunden sind. Wahre Philosophie ist eine Vorbereitung auf den Tod, da sie die Seele lehrt, sich vom Körper zu lösen und sich auf die Welt der Ideen zu konzentrieren. Das Leben und der Tod bedingen einander; ohne diesen ständigen Wechsel würde der Prozess des Seins zum Stillstand kommen.