Platons Erkenntnistheorie: Anamnesis und philosophische Einflüsse

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Philosophische Einflüsse auf Platons Erkenntnistheorie

Die Erkenntnistheorie Platons, insbesondere die Theorie der Erinnerung (Anamnesis), wurde maßgeblich durch die Auseinandersetzung mit seinen philosophischen Vorgängern und Zeitgenossen geprägt.

1. Das Vermächtnis des Sokrates: Zugang zur wahren Erkenntnis

Die sokratische Überzeugung von der Universalität und Notwendigkeit der sittlichen Erkenntnis wird von Platon auf jede Art von Wissen ausgeweitet. Dies zeigt sich in der Darstellung der Theorie der Erinnerung in den Dialogen Menon und Phaidon.

2. Antwort auf Heraklit und Parmenides: Die Theorie der Erinnerung

Die Theorie der Erinnerung ist Platons Antwort auf die widersprüchlichen Ansichten von Heraklit und Parmenides:

  • Heraklit: Platon lernt von Heraklit, dass die Gegenstände der sinnlichen Wahrnehmung sich in einem unaufhörlichen Fluss befinden. Er akzeptiert jedoch nicht, dass alles fließt und nichts unveränderlich ist. Daher kann die Sinneswahrnehmung nach Platon keine wahre Erkenntnis sein.
  • Parmenides: Platon akzeptiert Parmenides' Auffassung von der Möglichkeit der rationalen Erkenntnis einer unveränderlichen Realität und zieht eine klare Unterscheidung zwischen sinnlichem und rationalem Wissen. Er lehnt jedoch Parmenides' These ab, die behauptet, dass Bewegung und die Vielheit der Sinne reine Täuschung sind.

3. Überwindung des Relativismus des Protagoras

Die Theorie der Erinnerung ermöglicht es Platon, den Relativismus des Sophisten Protagoras zu überwinden. Platon stellt fest, dass die sensorische Wahrnehmung nicht den Anforderungen eines universellen und notwendigen Wissens entspricht. Er verteidigt die Autonomie des rationalen Wissens und postuliert, dass Denken und Wahrnehmung verschiedene Objekte haben.

4. Überwindung der Skepsis und das Meno-Paradoxon

Die Theorie der Erinnerung lässt Platon die Skepsis überwinden und die philosophische Schwierigkeit vermeiden, die im sogenannten Meno-Paradoxon (oder der Sackgasse des Sokrates im Dialog Menon) enthalten ist: die Unmöglichkeit, Wissen zu erwerben, wenn der Erwerb ein Schritt vom Nicht-Sein zum Sein ist.

Die notwendige Bedingung für die Entwicklung einer gültigen Erkenntnistheorie verlangt deshalb, dass der Ausgangspunkt für den Aufbau des Wissens ein Zustand sein muss, in dem Wissen und Nichtwissen gleichermaßen beteiligt sind.

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