Platons Erkenntnistheorie: Der Weg zur wahren Weisheit
Eingeordnet in Philosophie und Ethik
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 3,17 KB
Platons Weg zur Erkenntnis
Für Platon ist die Philosophie der Weg zur wahren Erkenntnis. Sie ist nicht mit technischem Können (techne) zu verwechseln. Das Ziel der Philosophie ist es, systematisches Wissen über die Menschheit und die Prinzipien, die die Welt regieren, zu erlangen.
Sokratische Unwissenheit als Ausgangspunkt
Der erste Schritt zur Weisheit ist die Einsicht in die eigene Unwissenheit. Ganz im Sinne von Sokrates ist die größte Torheit, zu glauben, man wisse etwas, obwohl man es nicht weiß. Wahre Weisheit beginnt mit dem Eingeständnis: Ich weiß, dass ich nichts weiß.
Wahrnehmung ist nicht wahres Wissen
Platon unterscheidet streng zwischen Wahrnehmung und Wahrheit. Die durch unsere Sinne wahrgenommenen Dinge sind bloße Erscheinungen und Abbilder, die sich ständig verändern. Da sie vergänglich und variabel sind, können sie niemals Gegenstand echter, beständiger Erkenntnis sein. Wahres Wissen kann daher nicht auf Sinneswahrnehmung beruhen. Wäre dies der Fall, wäre niemand weiser als ein anderer, da wir alle über ähnliche Sinneswahrnehmungen verfügen.
Die zwei Ebenen der Erkenntnis
Platon teilt die Erkenntnis in zwei grundlegende Stufen ein: Doxa (Meinung) und Episteme (Wissen). Diese Unterscheidung basiert darauf, ob sich die Erkenntnis auf die sinnlich wahrnehmbare Welt oder die rein geistige Welt der Ideen bezieht.
Doxa: Die Welt der Meinung
Die Doxa ist eine unsichere Form der Erkenntnis, die zwischen wahrer Wissenschaft und vollständiger Ignoranz angesiedelt ist.
- Sie ist eine Zwischenstufe des Wissens.
- Ihre Grundlage sind die Informationen der Sinne.
- Ihr Gegenstand ist die Welt der Erscheinungen, die als verwirrende Abbilder der wahren Ideen gelten.
Episteme: Die Welt der wahren Erkenntnis
Die Episteme ist die höchste Stufe des Wissens und die einzige Form, die den Namen „Wissenschaft“ verdient. Ihr Ziel ist das ewig Seiende und Unveränderliche.
- Sie ist die höchste Ebene des Wissens.
- Sie wird durch Vernunft und logisches Denken erreicht, nicht durch die Sinne.
- Ihr Gegenstand sind die ewigen Modelle oder Ideen (die Urbilder).
Die treibenden Kräfte der Erkenntnis
Eros: Die Liebe zur Weisheit
Die treibende Kraft auf dem Weg zur Erkenntnis ist der Eros – die Liebe zum Wissen. In Anlehnung an Aristophanes in seinem „Symposion“ versteht Platon die Liebe als das Streben, eine fundamentale Unvollständigkeit zu überwinden. Der philosophische Eros ist das Verlangen der Seele nach dem Wahren, Guten und Schönen.
Anamnesis: Wissen als Wiedererinnerung
Platon vertritt die Lehre, dass Lernen im Grunde Wiedererinnerung (Anamnesis) ist. Die Seele hat vor ihrer Geburt die wahren Ideen in ihrer reinen Form geschaut. In der materiellen Welt existiert beispielsweise kein perfekter geometrischer Kreis. Dennoch tragen wir die Idee des perfekten Kreises in unserer Seele. Der Kontakt mit den unvollkommenen Abbildern in der Sinneswelt weckt die Erinnerung an die wahren Ideen.