Platons Ideenlehre: Definition, Dialektik und ihre Rolle in Kosmos, Staat und Individuum

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Platons Ideenlehre: Eine Einführung

Idee (griechisch: eidein = schauen, sehen): Für Platon sind die Ideen Realitäten, die unabhängig von den materiellen Dingen existieren. Die Idee ist die eigentliche Wirklichkeit.

  • Jede Idee ist einzigartig (im Gegensatz zu den materiellen Wesen, die in der Mehrzahl existieren).
  • Jede Idee ist ewig (im Gegensatz zu vergänglichen Wesen).
  • Jede Idee ist unveränderlich (im Gegensatz zu sich verändernden Wesen).

Die Ideen können nur durch die Intelligenz (den Verstand) erfasst werden, nicht durch die Sinne, welche nur die materiellen Wesen (Kleinschreibung) wahrnehmen. Sie sind:

  • Die Ursache des Seienden.
  • Die Modelle und die Grundlage aller Entscheidungen.
  • Das Ziel all unseres Wissens.

Die Ideen werden durch die Dialektik der Erinnerung oder durch die Idee des Guten erkannt. Die Idee des Guten verleiht den anderen Ideen ihre Existenz und ihr Wesen. Obwohl sie selbst kein Seiendes ist, ist sie das Wesen, das durch die vernünftige Seele des Weisen erkannt werden kann. Sie steht der Sonne gegenüber, welche die sichtbaren Dinge sichtbar macht und ist der Anfang jeder Quelle allen Lebens und alles, was ist, ist insofern ein Teil des Guten, als es von ihr beleuchtet wird.

Die Rolle der Idee des Guten

Die Idee des Guten ist die wichtigste Idee in der Welt und spielt eine zentrale Rolle im Kosmos, im Staat und im Individuum.

Rolle im Kosmos

Die Welt wird durch den Demiurgen geordnet. Dieser ordnet die gesamte chaotische Materie, indem er sich an dem orientiert, was er in der Welt der Ideen sieht. Diese geordnete Welt besitzt eine Seele und hat das Gute als ihr Ziel.

Rolle im Staat

Die Idee des Guten bestimmt auch die Struktur der Regierung und die Lebensweise des Einzelnen. Ein gerechter Staat ist ein Zustand der Ordnung, der die Ordnung des Kosmos widerspiegelt, also die Ordnung, die dem Guten entspricht.

Rolle im Individuum

Wie im Staat erkennt auch das Individuum durch die Kenntnis des Guten die Gründe für sein Handeln. Nur für Unwissende sind die Wünsche und Bedürfnisse des Körpers das Gute, nicht aber für die Gebildeten.

Die Platonische Dialektik

Die Dialektik ist ein Prozess, der die vernünftige Seele von der materiellen und sinnlichen Welt hin zur wahren Wirklichkeit, den Ideen oder Essenzen, insbesondere der Idee des Guten, führen soll.

Stufen der Erkenntnis (Bottom-up-Prozess)

Dieser Prozess gliedert sich in zwei Hauptteile:

1. Der Bereich der Meinung (Doxa)

Dies ist der Bereich, der sich auf die sinnliche, veränderliche und unvollkommene Welt bezieht. Er beruht auf Erfahrung oder Sinneseindrücken und ist weder notwendig noch universell. Dies ist keine wahre Erkenntnis, sondern primär Meinung (vergleichbar mit Humes Ansichten).

Die Meinung unterteilt sich weiter in:

  • Imagination (Eikasía): Schatten und Bilder dieser Welt (wie antike Mythen).
  • Überzeugung oder Glaube (Pístis): Basierend auf materiellen Dingen (wie die Theorien der Naturwissenschaftler).

2. Der Bereich der Wissenschaft (Episteme)

Die Dialektik ist die rationale Erkenntnis der intelligiblen Welt der Ideen, Essenzen und universellen Formen. Sie umfasst zwei Schritte der diskursiven Vernunft und einen Schritt der intuitiven Vernunft.

  • Discursive Vernunft (Dianoia): Wird in der Mathematik verwendet und befasst sich mit Formen, die noch kein direktes Thema haben. Sie bereitet die Seele auf den nächsten Schritt vor.
  • Intuitive Vernunft (Noesis): Der höchste Schritt, der nicht mehr argumentiert, sondern die Ideen oder universellen Essenzen direkt und intuitiv erkennt.

Ursprung und Methode der Dialektik

Die Dialektik ist eine Methode, die von Platon entwickelt und von seinem Lehrer Sokrates gelernt wurde. Sie basiert darauf, durch Induktion vom Einzelfall auszugehen, um das Konzept zu definieren, das man erkennen möchte.

Für Platon beginnt der Prozess des Wissenserwerbs immer mit der Wahrnehmung der sinnlichen Welt. Durch Training steigt man langsam auf, bis man das wahre Wissen erlangt. Die Meinung (Doxa) ist dabei die niedrigste Stufe, die mit der Fantasie oder Vermutung beginnt.

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