Platons Metaphysik: Die Entwicklung der Ideenlehre

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Platons metaphysische Theorie

Seine Ansicht ist eine dualistische Metaphysik, welche die Welt in zwei Teile teilt: die Welt der Ideen und die sinnliche Welt. Diese Aufteilung wird im „Höhlengleichnis“ (aus „Der Staat“, Buch 7) verdeutlicht. Zuerst werden wir die intelligible Welt erklären. Da sich seine Theorie der Ideen ständig weiterentwickelt hat, lässt sie sich in drei Phasen unterteilen:

Die frühen Dialoge

In den frühen Dialogen (wie dem Protagoras) sucht Platon nach der Tugend. Er stellt sich gegen den Relativismus des Protagoras und schlägt die Existenz einer objektiven und unabhängigen Idee als Maßstab für das Handeln vor.

Die Dialoge der Reife

Die zweite Phase umfasst seine Dialoge der Reife (wie „Der Staat“ oder „Das Gastmahl“). Hier werden Ideen als Essenzen definiert – also das, wodurch ein Ding das ist, was es ist. Diese Ideen sind keine bloßen mentalen Entitäten, sondern besitzen eine reale und unabhängige Existenz. Dies führt zur Verdopplung der Welt:

  • Sinnliche Welt: Physische Dinge, geprägt durch die Veränderlichkeit nach Heraklit.
  • Intelligible Welt: Nicht-physische Dinge, die dem „Sein“ des Parmenides entsprechen.

Die intelligible Welt ist nur durch die Vernunft und nicht durch die Sinne erkennbar. Diese Theorie hat zudem eine politische Funktion: Herrscher müssen sich in ihrer Arbeit an den Ideen orientieren. Um die Wahrheit in der Wissenschaft zu erreichen, ist die Erkenntnis der Ideen unerlässlich.

Die kritischen Dialoge

Die dritte Phase bilden die kritischen Dialoge (wie der Parmenides). Dies ist eine Revision seiner früheren Gespräche. Er beginnt damit, zu untersuchen, welche Arten von Ideen existieren (Natur, Mathematik etc.) und ob eine Hierarchie zwischen ihnen besteht. Je nach Werk ändert sich die oberste Idee; oft wird die Idee des Guten als höchste Instanz genannt. In dieser Zeit bezieht er die Ideen auch auf Zahlen.

Die Erklärung der Welt der Sinne

Im Dialog Timaios versucht Platon, die Welt der Sinne zu erklären. Dabei führt er folgende Faktoren an:

  • Der Demiurg: Ein göttlicher Schöpfer und eine intelligente Ursache, inspiriert durch den Nous des Anaxagoras.
  • Ein ewiges Vorbild: Die Welt der Ideen.
  • Die Materie: Eine bereits vorhandene, chaotische und leere Masse.

Das Werk des Demiurgen ahmt die Welt der Ideen nach, um die bestmögliche und schönste Welt zu erschaffen. Daher verfolgt die Welt ein teleologisches Ziel.

Einfluss und Nachwirkung

Platons Ideenlehre beeinflusste Aristoteles maßgeblich, obwohl dieser die Existenz einer separaten Welt der Ideen ablehnte; für ihn liegt das Wesen der Dinge in den Dingen selbst. Platons Nachfolger interpretierten seine Theorie pythagoreisch und identifizierten Ideen mit Zahlen. Augustinus von Hippo schuf eine Synthese zwischen Platonismus und Christentum, verortete die Ideen jedoch im Geiste Gottes. Nietzsche hingegen leugnete die Existenz einer „hintergründigen“ Welt neben der sinnlichen Welt, da dies für ihn eine Flucht vor dem Leben bedeutete. Karl Popper aktualisierte Platons Ansätze durch seine Theorie der „Drei Welten“: Welt 1 (physische Fakten), Welt 2 (Bewusstseinszustände) und Welt 3 (objektive Gedankeninhalte wie wissenschaftliche Gesetze und Wahrheiten).

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