Platons Philosophie: Ideenlehre, Anthropologie und Staatstheorie

Eingeordnet in Philosophie und Ethik

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 5,76 KB

Platon: Historischer Kontext und Philosophie

Historischer Kontext

Platon wurde im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. in eine aristokratische Familie in Athen geboren. Politische Überlegungen prägten seine Philosophie maßgeblich.

Die Ära nach den Perserkriegen

Nachdem die Griechen, angeführt von Athen, die Perser besiegt hatten, begann das Zeitalter des Perikles, in dem die Demokratie in Athen etabliert wurde. Die Rivalität mit Sparta führte zum Peloponnesischen Krieg, der mit einem Sieg Spartas endete. Platons Modell eines idealen Staates zielte darauf ab, Gerechtigkeit und soziale Harmonie zu verwirklichen.

Kulturelles und Philosophisches Umfeld

Das 5. Jahrhundert war kulturell und philosophisch prägend für Athen.

  • Religion: Die Abwesenheit starrer Dogmen erlaubte das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher religiöser Haltungen.
  • Philosophische Wende: Die Sorge galt nicht mehr der Physis (Natur), sondern den menschlichen Dingen. Im zweiten Jahrhundert standen Sokrates (Platons Lehrer) und die Sophisten im Mittelpunkt, denen Platons Philosophie verpflichtet ist.

Die Theorie der Ideen

Nach Platon existieren zwei Welten:

  1. Die sinnliche Welt (Erscheinungen): Die materielle Welt der natürlichen Dinge, die durch die Sinne wahrgenommen wird.
  2. Die intelligible Welt (Ideenwelt): Die wahre Wirklichkeit, eine Welt der ewigen, perfekten und unveränderlichen Muster (Ideen) materieller Dinge, die nur durch die Intelligenz erkannt werden kann.

Diese Trennung begründet einen ontologischen Dualismus. Die Ideen sind hierarchisch geordnet, wobei die Idee des Guten die vollkommenste ist. Dieser Dualismus wirft Fragen auf bezüglich der Beziehung zwischen den Welten, der Anzahl der Ideen, der Hierarchie und der Vermittelbarkeit der Ideen, die Platon selbst zu beantworten suchte.

Platons Anthropologie

Platon vertritt eine dualistische Natur des Menschen, bestehend aus zwei getrennten Realitäten:

  • Körper: Materielle Substanz, unvollkommen, das Gefängnis der Seele.
  • Seele (Alma): Geistige Substanz, ewig, gehört zur intelligible Welt und ist im Körper eingeschlossen.

Die Bindung der Seele an den Körper ist zufällig und vorübergehend. Sie kann durch den Tod gelöst werden, aber auch im Leben durch geistige Aktivität, die Platon als Reinigung betrachtet.

Die drei Seelenteile

Platon unterscheidet drei Arten der Seele, wobei die erste die anderen beherrschen sollte:

  1. Vernünftige Seele (Vernunft): Verantwortlich für geistiges Wissen, Erkennen und Denken.
  2. Jähzornige Seele (Irascible): Sitz der edlen Leidenschaften wie Stärke und Mut.
  3. Begehrende Seele (Appetit/Lust): Sitz der Begierden und Leidenschaften, die vom Körper ausgehen.

Platonische Theorie des Wissens

Wahres Wissen bedeutet für Platon, die Wahrheit, d.h. die Ideen, zu erkennen. Es gibt verschiedene Wege, dieses Wissen zu erlangen:

  1. Wiedererinnerung (Anamnesis): Die Seele erinnert sich an die Ideen, die sie vor der Inkarnation kannte.
  2. Aufstieg der Seele: Die Seele steigt zur intelligible Welt auf.

Arten des Wissens

  • Wahres Wissen (Episteme/Wissenschaft): Wissen darüber, wie die Dinge wirklich sind. Die höchste Form ist die Dialektik, die eine intuitive und unmittelbare Erfassung der Ideen darstellt.
  • Trügerisches Wissen (Doxa/Meinung): Wissen, das durch die Sinne in der sinnlichen Welt gewonnen wird. Es basiert auf der Veränderung fühlender Wesen und betrifft Kopien und Bilder.

Ethische Theorie

Die Ethik reflektiert über die Moral. Platons Ethik konzentriert sich auf die Analyse der wahren Tugend, die den Menschen glücklich macht. Tugendhaft zu sein bedeutet, glücklich zu sein.

Definitionen der Tugend

  1. In frühen Dialogen: Orientierung an der sokratischen Definition der Tugend.
  2. Reinigung der Seele von körperlichen Leidenschaften.
  3. Identifizierung der Tugend mit dem Wissen der Ideen und dem Aufstieg zur intelligible Welt.
  4. Die Tugend als geordnete Struktur der Seele: Vernunft entspricht Klugheit/Weisheit; der jähzornige Teil entspricht Mut/Tapferkeit; der begehrende Teil entspricht Mäßigung/Besonnenheit.

Politische Theorie

In der Politeia (Der Staat) schlägt Platon sein Modell des Idealstaates vor, der gerecht und glücklich sein soll.

Drei Stände im Staat

Platon unterscheidet drei Arten von Menschen, die den drei Seelenteilen entsprechen:

  1. Handwerker oder Produzenten: Dominanz der begehrenden Seele. Sie haben Recht auf Privateigentum und Familie.
  2. Krieger oder Wächter (Guardian): Dominanz der jähzornigen Seele. Sie dürfen kein Privateigentum oder Familie besitzen, um ihre Loyalität ausschließlich der Verteidigung der Stadt zu widmen.
  3. Philosophen: Dominanz der vernünftigen Seele. Sie tragen die Verantwortung, die Stadt zu regieren.

Platon versuchte wiederholt, seine Vorstellungen einer königlichen Regierung auf Sizilien umzusetzen.

Verwandte Einträge: