Platons Philosophie: Ideenlehre, Ethik und Staatskunst

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Die Anamnesis: Die Seele und die Welt der Ideen

Durch die Erinnerung erkennt die Seele ihren Ursprung in der Welt der Ideen. Daher rührt der berühmte Satz, wonach Lernen ein Wiedererinnern ist. Mit der Mäeutik können Wahrheiten, die in uns schlummerten, in Form von Ideen extrahiert werden. Die Seele ist ein Gefäß der Erinnerung: Eine Erkenntnis, die aus einem früheren Leben stammt und uns nun bewusst wird.

Der Eros: Das Streben nach dem Schönen und Guten

Durch die Liebe begehren Menschen das Schöne und Gute. Die Seele sehnt sich nach einer liebevollen Dynamik zurück in die intelligible Welt, der sie entstammt. Der Eros ist ein romantischer Impuls, eine Projektion auf den Anderen als Tatsache unseres Seins.

Das Höhlengleichnis: Visionen und Schatten

  • Die Vision im Schatten: Menschen sind gefesselt und an bestimmte Regelungen ihrer Zeit gebunden, die sie als absolute Realität betrachten.
  • Die Befreiung: Der Aufstieg in eine andere Welt, in der Dinge im wahren Licht und an der Luft erscheinen, statt nur als Schattenbilder wahrgenommen zu werden. Es entsteht ein Gefühl der Solidarität mit den noch Gefesselten.

Areté: Die individuelle Tugend bei Platon

Die Bedeutung des Begriffs Areté

Das griechische Wort Areté steht für Qualität, Wert und angeborene Vorzüge. Für Platon bedeutet Areté nicht, andere zu beherrschen, sondern sich selbst zu meistern. Dieser Bereich basiert auf der Selbsterkenntnis: „Erkenne dich selbst“. Die Areté liegt in der Erkenntnis von Klugheit, Mäßigung, Tapferkeit und Gerechtigkeit.

Die Harmonie der Seele

Platon begreift Tugend als Harmonie der drei Seelenteile (das Rationale, das Muthafte und das Begehrende), die zusammengehalten werden müssen. Weisheit bezieht sich hierbei auf das Wissen über die Ideen der Gerechtigkeit und des Guten.

Ist Areté lehrbar?

Lernen ist Erinnerung. Wäre Tugend eine reine Wissenschaft, könnte sie wie Mathematik gelehrt werden. Doch es gibt tugendhafte Eltern, die ihre Tugend nicht einfach weitergeben können. Daher gilt die Areté auch als göttliches Geschenk und wahre Einsicht.

Die politische Theorie Platons

Gerechtigkeit als Ideal der Gemeinschaft

Eine klare Idee der Gerechtigkeit besagt: Wer regiert, darf nicht nur zum Eigennutz handeln, sondern muss das Wohl der Regierten sicherstellen. Aus diesem Grund akzeptieren weise Menschen die Regierung nicht für Geld oder Ehre, um nicht als Söldner zu gelten. Der Staat ist ein Spiegelbild seiner Bürger und der sozialen Harmonie.

Ebenen der staatlichen Organisation

Platon überträgt die Struktur der Seele auf den Staat:

  1. Die Herrscher: Die höchste Ebene. Ihre Mission ist es, Gesetze im Sinne der Gerechtigkeit zu erlassen.
  2. Die Wächter: Ihre Aufgabe ist die Verteidigung des Staates.
  3. Landwirte, Kaufleute und Handwerker: Sie bilden die wirtschaftliche Grundlage der Polis.

Die verschiedenen politischen Regime

  • Aristokratie: Das perfekte Regime, basierend auf Fähigkeiten und sozialer Balance.
  • Timokratie: Leidenschaft dominiert die Vernunft; Streben nach Ehre und Reichtum kennzeichnet die militärische Klasse.
  • Oligarchie: Herrschaft der Reichen über die Armen, die keinen Zugang zur Macht haben.
  • Demokratie: Entsteht, wenn die Armen die Oberhand gewinnen. Da Oligarchen dem Volk Bildung verweigern, führt die ungezügelte Freiheit oft zu korrupten Wünschen.
  • Tyrannei: Das Volk akzeptiert einen Alleinherrscher, um eine (oft falsche) Ordnung zu erzwingen.

Einflüsse und Nachwirkung der Philosophie

  • Aristoteles: Er glaubte, dass die Essenzen in den fühlbaren Wesen selbst liegen.
  • Neuplatonismus: Unterscheidung zwischen der sinnlichen und der übersinnlichen Welt. Gott steht auf der höchsten Ebene jenseits des Seins (Emanatismus).
  • Augustinus von Hippo: Die Erschaffung der Welt orientiert sich an den ewigen Ideen im Geiste des Schöpfers.
  • Rationalismus: Basiert auf Wissen und angeborenen Ideen.
  • Zeitgenössische Kritik: Friedrich Nietzsche kritisierte den Platonismus scharf als lebensverneinend.

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