Platons Philosophie: Seele, Staat und die Welt der Ideen

Eingeordnet in Philosophie und Ethik

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 3,99 KB

Platons Phaidon: Die Unsterblichkeit der Seele

Die zentrale Frage in Platons Dialog Phaidon ist die Unsterblichkeit der Seele. Platon nutzt dieses Thema, um das Problem des Wissens durch die Theorie der Erinnerung (Anamnesis) zu erörtern. Es wird nicht nur die Unsterblichkeit der Seele postuliert, sondern auch ihre Ewigkeit und ihre Herkunft aus der Welt der Ideen.

Die sokratische Methode: Dialektik und Mäeutik

Hierbei kommt die sokratische Methode, die Dialektik, zum Einsatz. Mittels Ironie soll aufgezeigt werden, dass das Eingeständnis des eigenen Nichtwissens der wahre Ausgangspunkt für das Lernen ist. Durch die Mäeutik (Hebammenkunst) wird das unbewusste Wissen der Seele ans Licht gebracht. Die Seele erinnert sich im Dialog durch die Dialektik an die Welt der Ideen.

Platons dualistisches Weltbild

Angesichts des Skeptizismus und Relativismus der Sophisten vertrat Platon die Ansicht, dass die Realität rational und somit erkennbar sei. Damit grenzt er sich von der rein sinnlichen Welt ab, die sich in einem Prozess des kontinuierlichen Wandels befindet und daher kein wahres Wissen ermöglicht. Um dies zu verdeutlichen, definierte Platon drei grundlegende Dualismen:

  • Ontologischer Dualismus: Die Welt der Ideen und die sinnliche Welt.
  • Erkenntnistheoretischer Dualismus: Geistiges Wissen (Erkenntnis) und sinnliche Wahrnehmung (Meinung).
  • Anthropologischer Dualismus: Die unsterbliche Seele und der vergängliche Körper.

Die Verbindung der Seele mit der Welt der Ideen wird durch Erinnerungen hergestellt, die durch die dialektische Methode – bestehend aus Ironie und der Suche nach allgemeinen Definitionen (Mäeutik) – ausgelöst werden.

Die Ideenlehre und der ideale Staat

Seine Ideenlehre bildet die Grundlage für seine Vorstellung vom Menschen und der Gesellschaft. Platon versucht damit, eine Lösung für die Probleme einer korrupten Demokratie zu finden, die er durch die demagogische Arbeit der Sophisten gefährdet sah.

Kritik an den Sophisten und der Demokratie

Er entwirft eine Gesellschaft, die gerecht und fair ist, weil in ihr Wissen und Glückseligkeit (Eudaimonia) gleichgesetzt werden. In diesem Zusammenhang übt er scharfe Kritik am athenischen Bildungssystem, das es den Sophisten ermöglichte, die Massen zu manipulieren. Als Gegenentwurf schlägt er eine objektive Realität und ein neues Bildungs- und Gesellschaftsmodell vor.

Die dreigeteilte Seele und die Gerechtigkeit

In Platons Modell hat jedes Individuum eine Funktion, die seiner eigenen Natur entspricht. Dies basiert auf der Lehre von der dreigeteilten Seele, wobei jeder Mensch von einem der drei Seelenteile dominiert wird.

Korrelation von Seele und Staat

Es besteht eine direkte Korrelation zwischen der Struktur der Seele und der des Staates. Gerechtigkeit herrscht in beiden, wenn jeder Teil seine ihm eigene Aufgabe erfüllt und die ihm entsprechende Tugend besitzt:

  • Die Herrscher (Philosophenkönige): Ihr vernünftiger Seelenteil dominiert, ihre Tugend ist die Weisheit.
  • Die Wächter (Krieger): Ihr muthafter Seelenteil dominiert, ihre Tugend ist die Tapferkeit.
  • Die Produzenten (Handwerker, Bauern): Ihr begehrender Seelenteil dominiert, ihre Tugend ist die Mäßigung (Besonnenheit).

Die Rolle des Philosophenherrschers

Bei den Philosophen dominiert die Vernunftseele, die für das wahre Wissen ausgebildet ist. Nachdem sie ihr Leben dem Erwerb dieses Wissens gewidmet haben, sollen sie den Staat regieren. Nur sie kennen durch die Dialektik das Wesen der Gerechtigkeit und des Guten. Nur so kann der Staat glücklich und gerecht sein.

Transzendente Teleologie bei Platon

Somit lässt sich bei Platon eine transzendente Teleologie erkennen: Der Ursprung und das Ziel dieser Welt liegen in der Welt der Ideen.

Verwandte Einträge: