Politische Entwicklung und Machtstrukturen unter Franco
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Die politische Entwicklung unter Franco
Francos politische Entwicklung hing in hohem Maße von der Loyalität der einzelnen Familien des Regimes und der internationalen Politik ab. Nach dem Krieg wurden die Werte und politischen Prinzipien der Sieger eingeführt. Es folgte die Verfolgung politischer, religiöser oder weltanschaulicher Dissidenten. Die Zensur wurde etabliert, ebenso wie das Verbot und die Unterdrückung jeglicher politischer, kultureller oder sprachlicher Manifestationen (Inhaftierungen in Gefängnissen, Konzentrationslager, Exil oder Massenhinrichtungen von Republikanern).
Spanien im Zweiten Weltkrieg
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs unterstützte Franco seine ehemaligen Verbündeten Deutschland und Italien. Obwohl Spanien nicht offiziell in den Krieg eintrat, erklärte er das Land 1940 für nicht kriegführend. Historikern zufolge lag dies weniger an Francos diplomatischen Fähigkeiten als vielmehr an der geografischen Lage. Er trat dem Antikominternpakt gegen die UdSSR bei und schickte mit der „Blauen Division“ Freiwillige nach Russland, die an der Ostfront unter deutschem Kommando kämpften.
Die Faschisierung der Gesellschaft
Die Siege der Achsenmächte spiegelten sich in der Innenpolitik durch ein faschistisches Regime wider. Der Führer der Falange und Vertreter des faschistischen Sektors war Francos Schwager, Ramón Serrano Súñer. Als Innenminister der ersten Regierungen Francos sah er seinen Auftrag in der Einführung der falangistischen Lehre im neuen Staat und begann die Faschisierung nach italienischem Vorbild. Die Gesellschaft wurde in verschiedenen Organisationen nach faschistischem Muster strukturiert:
- Eine neue Front für die Jugend zur Indoktrination junger Menschen.
- Der spanische Universitätsverband (SEU) als Instrument der politischen Kontrolle der Hochschulen.
- Die Frauenabteilung (Sección Femenina), um Frauen im traditionellen Sinne zu erziehen.
Regierungsstruktur und Grundgesetze
In seiner ersten Regierung besetzte Franco Schlüsselpositionen mit loyalen Vertretern des Militärs (Armee- und Innenministerien), der Falange (Arbeit, Landwirtschaft und Außenpolitik) und der Karlisten (Justiz). Es wurde eine Reihe von Grundgesetzen verabschiedet, die eine ähnliche Rolle wie eine Verfassung in konstitutionellen Regimen spielten:
- 1938 Arbeitsrecht (Fuero del Trabajo): Inspiriert vom Faschismus, regulierte es die Arbeitsbeziehungen und schuf eine Einheitsgewerkschaft für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wobei die Wirtschaftspolitik den Regierungsentscheidungen unterworfen war.
- 1940 Gesetz zur gewerkschaftlichen Einheit: Dieses Gesetz schuf eine Einheitsgewerkschaft für Arbeitnehmer und Arbeitgeber (Organización Sindical Española), die sogenannten „vertikalen Gewerkschaften“. In der Praxis diktierte der Staat die Arbeitsbedingungen, die meist vorteilhaft für die Arbeitgeber waren, und verbot Streiks. Laut Santos Juliá sahen sich „Arbeitnehmer und Arbeitgeber als Mitglieder einer großen Gemeinschaft von Produzenten“.