Politische Modelle der christlichen Kultur
Eingeordnet in Philosophie und Ethik
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 3,32 KB
Politische Ideen der christlichen Kultur
Die politischen Ideen der christlichen Kultur lassen sich in drei Modelle einteilen:
Cäsaropapismus
Cäsaropapismus: Er artikuliert eine Übernahme der Religion durch die weltliche bzw. kaiserliche Autorität. Die Macht konzentriert sich beim Herrscher. Viele Päpste, Bischöfe und Priester wurden von Königen eingesetzt oder waren in der feudalen Gesellschaft von der weltlichen Macht abhängig.
Hierokratie / Kirchenstaat
Hierokratie / Kirchenstaat: Dieses Modell steht im Widerspruch zum ersten und erfordert die Übernahme politischer Macht durch den Papst. Gregor VII. ergriff im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts als Erster Maßnahmen, um diese Position durchzusetzen und eine theokratische Situation zu etablieren. Seine Absicht war es, die Sitten der Kirche zu reformieren und die Bischöfe seiner direkten Aufsicht zu unterstellen.
Säkularisierende Theorien des 13. Jahrhunderts
Säkularisierende Theorien: Im 13. Jahrhundert entwickelten sich politische Theorien, die im Gegensatz zu früheren Ansätzen versuchten, zwischen Politik und Religion zu unterscheiden. Diese Theorien markieren eine Tendenz zur Säkularisierung im späten Mittelalter.
Historischer Kontext und Einfluss auf Thomas von Aquin
Thomas von Aquin löste sich von der platonischen Prägung und wurde stark vom aristotelischen Denken beeinflusst. In seinen Schriften vollzieht er eine Synthese zwischen Christentum und der politischen Philosophie Aristoteles'.
Die Lehre Thomas' ist von grundlegender Bedeutung und spiegelt die damalige Situation wider: Der Staat wurde sich seiner selbst immer bewusster, während die Autorität der Kirche noch nicht grundsätzlich in Frage gestellt war. Thomas präsentiert den Staat als eine eigenständige Wirklichkeit mit bestimmter Bedeutung; gleichzeitig existiert eine kirchliche Macht.
Die Existenz dieser beiden Mächte – Kirche und Staat – sowie ihre Konflikte hatte bereits Augustinus im 4. Jahrhundert in seinem Werk De civitate Dei thematisiert. Im 11. Jahrhundert war die Macht des Papsttums schwach, und es gab viele innere Kämpfe.
Gregor VII. verpflichtete sich zur Reform und beanspruchte den Vorrang des Papstes in der kirchlichen Ordnung. Er setzte Kaiser ab und befreite die Untertanen teilweise von der Treuepflicht gegenüber bestimmten Königen. Gregor VII. forderte zudem die priesterliche Würde über die königliche Würde.
Im 12. und 13. Jahrhundert wurde die Königsmacht gestärkt, unterstützt von der Bürgerschaft der Städte. Die Bourgeoisie war Gegnerin der feudalen Ordnung und der päpstlichen Macht; dennoch erreichte sie schließlich ihren Höhepunkt an Einfluss.
Bei Thomas von Aquin gibt es kein eigentliches doppeltes Ziel der menschlichen Existenz (ein irdisches und ein übernatürliches), sondern nur ein letztes übernatürliches Endziel. Dies führt dazu, dass der kirchlichen Ordnung eine übergeordnete religiöse Mission zugeschrieben wird und der Staat eine ihm eigene Rolle im zivilen Bereich wahrnimmt.
Thomas erkennt jedoch die Unabhängigkeit des Staates in Bezug auf das Gemeinwohl an; er vertritt jedoch keine absolute Unabhängigkeit des Staates gegenüber der Kirche.