Post-Impressionismus: Wegbereiter der modernen Kunst

Eingeordnet in Musik

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 8,85 KB

Der Post-Impressionismus und seine Wegbereiter

Der Begriff Post-Impressionismus ist nicht allzu präzise definiert. Er umfasst eine Reihe von Malern in einem Zeitraum, die zwar keine Gruppe im klassischen Sinne bildeten, jedoch entscheidend zu den künstlerischen Transformationen des 20. Jahrhunderts beitrugen. Mit Ausnahme von Vincent van Gogh, der sich nur schwer integrieren ließ, waren sie alle französische Maler. Sie lebten in Paris, und diese Stadt markierte einen Meilenstein in ihrem Werk, auch wenn einige von ihnen sie später verließen.

Zwischen 1886, dem Jahr der letzten Impressionisten-Ausstellung, und 1907, dem Jahr, in dem Picasso „Les Demoiselles d'Avignon“ präsentierte und damit den Kubismus einleitete, entwickelten sich über 20 Jahre hinweg die post-impressionistischen Werke dieser Künstler. Sie werden so genannt, weil sie aus dem verlassenen Impressionismus heraus entstanden und zu einer persönlichen Malerei führten. In dieser wurde die Definition der Form durch die Zeichnung wiederhergestellt, welche der Impressionismus praktisch aufgegeben hatte. So gewannen die Bedeutung der Zeichnung sowie die Ausdruckskraft von Objekten und Menschen wieder an Gewicht.

Die Merkmale der Kunst von Paul Gauguin

  • Symbolismus: Übersteigerung des Ausdrucks in einer lyrischen und poetischen Weise.
  • Anfänge: Er begann bei den Impressionisten (insbesondere Pissarro) und wurde stark von der japanischen und ägyptischen Malerei beeinflusst.
  • Inspiration: Er malte an Orten wie Paris, der Bretagne, Martinique, Arles und Tahiti.
  • Farbe vor Licht: Das Licht verliert an Bedeutung gegenüber der Steigerung der Farbe. Er verwendete Sonderfarben auf großen, einheitlichen Bereichen (ähnlich wie Emaille oder Glas).
  • Perspektive: Verzicht auf geometrische Perspektive und Schatten zugunsten wohldefinierter Profile.
  • Exotik: Er verband Themen aus der Bretagne oder Tahiti mit seiner Vorstellungskraft (unwahrscheinliche Farben in der Natur).
  • Definition: Die Farben sind klar definiert, im Gegensatz zu den verblassten Farben des Impressionismus.
  • Formen: Präzise Formen und konsistente Farben.
  • Tiefe: Es gibt keine klassische Tiefe oder Ferne.
  • Stilmittel: Seine Bilder erinnern an ägyptische Figuren oder Tahitianer mit starren Händen und Frontalansichten.

Drei große Erneuerer des Impressionismus

Nach Seurats Tod unternahmen drei große Künstler die Renovierung des Impressionismus: Paul Cézanne, der den Kubismus vorwegnahm; Paul Gauguin, der die Nabis-Bewegung ankündigte; und Vincent van Gogh als Auftakt für Fauvismus und Expressionismus.

Paul Cézanne: Der Vater des Kubismus

Paul Cézanne (1839–1906) erreichte seine malerische Reife erst im Alter von 50 Jahren. Er war der Sohn eines wohlhabenden Hutmachers, der später seine eigene Bank leitete. Im Jahr 1886 starb sein Vater, wodurch Cézanne durch das Erbe von wirtschaftlicher Not befreit wurde. Zur gleichen Zeit brach die Freundschaft mit seinem Jugendfreund Émile Zola. Seine bildliche Vorstellung basierte nicht allein auf dem äußeren Schein, sondern auf dem Zusammenspiel von Augen und Gehirn.

Die gemeinsame Entwicklung der Sinne und der Reflexion führte ihn zu seinem künstlerischen Credo: „In der Natur ist alles nach Kugel, Kegel und Zylinder modelliert.“ Der Kubismus war damit bereits in Reichweite. Die Vereinfachung der Natur in senkrechte und diagonale Linien, in denen Farbtupfer Volumen und Gewicht erhalten, zeigt sich in seinen Werken wie den „Badenden“, den „Kartenspielern“, seinen Stillleben und Landschaften. Die Gemäldeserie, die dem Berg Mont Sainte-Victoire gewidmet ist, kondensiert die Neuheit seiner Kunst: geometrische Formen, aufgebaut mit breiten Strichen in Grün, Rot und Blau. Bemerkenswert sind auch Werke wie „Die Kartenspieler“ sowie Stillleben mit Äpfeln und Orangen.

Paul Gauguin: Ein abenteuerliches Künstlerleben

Die Existenz von Paul Gauguin (1848–1903) gleicht einem Abenteuerroman. Er verbrachte seine Kindheit in Lima und seine Jugend in Paris, wo er zunächst eine Laufbahn in der Handelsmarine und als Börsenmakler einschlug, bis zum finanziellen Zusammenbruch von 1883. Erst dann entdeckte er seine künstlerische Berufung. Er stellte mit den Impressionisten aus, verließ die Gruppe jedoch bald wieder. Er zog in die Bretagne auf der Suche nach Primitivismus und reiste später nach Panama mit dem Wunsch, wie ein „Wilder“ zu leben. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich arbeitete er kurzzeitig mit Van Gogh in der „Werkstatt des Südens“ zusammen, bevor sie sich nach einem Streit trennten. Schließlich führte ihn die Sehnsucht nach den Tropen in die Südsee.

Gauguin verließ die Impressionisten, da sie seiner Meinung nach nicht nach der geheimnisvollen Substanz der Seele suchten. Bereits in seinen frühen Gemälden legte er den Schwerpunkt auf die innere Welt, unter Verwendung einer dekorativen Technik, die an Glasmalerei erinnert. Figuren und Landschaften sind oft mit schwarzen Linien umrandet. Das biblische Thema „Die Vision nach der Predigt“ zeigt diese Merkmale, die in seiner gesamten Produktion konstant blieben. Seine naive und primitive Mentalität entwickelte sich in Polynesien weiter, wo er eine unberührte Zivilisation, die Häuser, Strände und Wälder der Einheimischen porträtierte. Sein Meisterwerk ist: „Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?“

Vincent van Gogh: Leidenschaft und Expression

Vincent van Gogh (1853–1890) ist der Künstler des 19. Jahrhunderts, der in der heutigen Gesellschaft die größte Begeisterung auslöst. Leidenschaftlich, einfühlsam und geistig instabil, lebte er nur 37 Jahre. Davon widmete er lediglich die letzten neun Jahre der Malerei, hinterließ jedoch 879 Werke. Zu Lebzeiten gelang es ihm nur, ein einziges Bild zu verkaufen.

Als Sohn eines calvinistischen Pfarrers begann sein Kontakt zur Kunst im Jahr 1869 als Kunsthändler. Eine Kette von Enttäuschungen in der Liebe vertiefte seinen Zustand der Melancholie.

Besondere Merkmale im Werk von Van Gogh

  • Innerer Ausdruck: Er drückt sein inneres Ungleichgewicht und seinen Wahnsinn aus; er fühlt sich in sich selbst verloren.
  • Vorläufer des Expressionismus: Versuch, persönliche Erfahrungen des Autors in Farbe zu reflektieren.
  • Formgebung: Er malt Landschaften und Figuren mit stark verdrehten, schlangenförmigen Linien.
  • Pinselstrich: Unregelmäßige, lange, lose, gebrochene und sehr schnelle Pinselstriche.
  • Konturen: Schwarze Linien verstärken die Farben, um Gefühle auszudrücken.
  • Farbe vor Zeichnung: Alles ist der Farbe untergeordnet – laut, heftig und mit einer sehr leichten, aber krummen Zeichnung.
  • Transformation: Er transformiert die Realität bewusst durch Übertreibung und Verzerrung.
  • Farbwahl: Verwendung reiner Farben oder starker Kontraste. Intensive Farben, wobei Rot und vor allem Gelb überwiegen, um seine Gefühle besser auszudrücken.

Seine zunehmende psychische Belastung führte dazu, dass er seine Arbeit vernachlässigte und entlassen wurde. Danach begann ein intensiver Briefwechsel mit seinem Bruder Theo, in dem die Angst und seine tragische Existenz deutlich werden. Er suchte Trost in der Religion und beschloss, die Armen zu evangelisieren. Nach weiteren Krisen flüchtete er sich in die Malerei. Er widmete sich sozialen Themen in dunklen und grauen Tönen, wie in dem Werk „Die Kartoffelesser“ (1885). 1886 zog Van Gogh nach Paris, wo sich seine Farbpalette aufhellte. Theo führte ihn bei den Impressionisten ein, und er lernte den Wert farbenfroher Malerei kennen. Die letzten zwei Jahre seines Lebens verbrachte er in Südfrankreich, wo sein feuriges Temperament reifte. Er lebte in Arles und verbrachte Zeit in einer psychiatrischen Klinik.

Sein Stil wird durch die japanisch inspirierte Linienführung und die Farbe als Motor der Emotionen definiert. Er malte Porträts (Dr. Paul Gachet), Landschaften (Die Kirche von Auvers-sur-Oise), Sternennächte (Sternennacht über der Rhone), Weizenfelder, Olivenbäume, Zypressen und Stillleben (Sonnenblumen). Auch Innenaufnahmen wie sein eigenes Schlafzimmer (Das Schlafzimmer in Arles) und eine Serie von 43 Selbstporträts gehören zu seinem bedeutenden Erbe.


Fach: Kunst – 2. Bachillerato
19. Jahrhundert – Seite 11/11

Verwandte Einträge: