Potsdamer Konferenz, Entnazifizierung und Teilung Deutschlands 1945–1949

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Potsdamer Konferenz (Juli–Aug 1945) – Dreimächtekonferenz

Ziel: Politische und geographische Neuordnung Deutschlands und Beendigung des Krieges in Asien. Teilnehmer waren die USA (Präsident Truman), die Sowjetunion (Generalsekretär Stalin) und Großbritannien (Premierminister Churchill). Die französische Regierung wurde nicht eingeladen, obwohl Frankreich als Siegermacht des Zweiten Weltkriegs galt.

Ergebnisorientierte Ziele ("5 D"):

  • Demilitarisierung
  • Denazifizierung
  • Dezentralisierung
  • Demokratisierung
  • Demontage / Reparationen

Bei den Reparationsfragen (Demontage) wollten Großbritannien und die USA eine Wiederholung der Situation nach dem Ersten Weltkrieg vermeiden; die Sowjetunion sah Forderungen nach geringeren Reparationsleistungen als Betrug an. Die UdSSR forderte, dass Deutschland 20 Milliarden US-Dollar zahlen solle. Im Kompromiss erhielt die UdSSR Verwaltung über alle Gebiete östlich der Oder‑Neiße‑Linie und Anspruch auf etwa ein Viertel der Reparationsleistungen, die aus den westlichen Besatzungszonen kommen sollten. Grundsatz: Jede Besatzungsmacht sollte Reparationen hauptsächlich aus ihrer eigenen Besatzungszone entnehmen.

Folge: Im Sommer 1945 kam es zu Massenvertreibungen der deutschen Bevölkerung aus den Gebieten östlich der Oder‑Neiße.

Nürnberger Prozesse und Entnazifizierung

Nürnberger Prozesse: Angeklagte des nationalsozialistischen Regimes wurden vor Gericht gestellt. Die Prozesse waren Teil der Entnazifizierung und zielten darauf ab, Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.

Entnazifizierung: Ziel war es, politisch und gesellschaftlich gefährliche Nationalsozialisten aus wichtigen Ämtern in Politik, Wirtschaft und Kultur zu entfernen. In den westlichen Zonen (Trizone) gelang dies nicht immer vollständig; nicht alle Verdächtigen konnten oder wurden inhaftiert.

Fünf Kategorien der Entnazifizierung:

  • 1. Hauptschuldige
  • 2. Belastete
  • 3. Minderbelastete
  • 4. Mitläufer
  • 5. Entlastete

Reeducation (Umerziehung) und gesellschaftlicher Neuaufbau

Parallel zu den Prozessen wurden Maßnahmen zur Umerziehung der deutschen Bevölkerung mit dem Ziel der Demokratisierung durchgeführt: Verbote für nationalsozialistische Zeitungen, Berufsverbote für ehemalige Nationalsozialisten in Politik und Wirtschaft, strenge Kontrollen in den Besatzungszonen und eine grundlegende Erneuerung der Lehrerausbildung.

Maßnahmen in der Sowjetischen Besatzungszone (Ost)

Im Osten ging die Sowjetische Militäradministration radikal vor: Alle als gefährlich eingeschätzten ehemaligen Nationalsozialisten wurden aus dem Dienst entfernt; viele Verhaftungen erfolgten auch unbegründet. Es gab praktisch keine Meinungsfreiheit. Die Haftbedingungen waren oft grausam; Berichten zufolge starben bis zu 30 % der Inhaftierten.

Die Entnazifizierung wurde im Osten eng mit der Einführung eines sozialistischen Gesellschaftssystems verknüpft. Neue Lehrer wurden in Schnellkursen ausgebildet. Bodenreformen führten zur Enteignung großer Grundbesitze und zu deren Verteilung an Kleinbauern; Jahre später wurden viele zur Abgabe oder Kollektivierung gezwungen.

Maßnahmen in den Westzonen

Die Westalliierten bauten Strukturen "von unten" auf: In Dörfern und Städten wurden unbelastete Bürgermeister eingesetzt; teilweise orientierten sich die politischen Maßnahmen an Traditionen der Weimarer Republik. 1945 wurden in der Westzone Bundesländer gegründet, was den Beginn der Dezentralisierung markierte.

Neue Parteien durften gegründet werden (seit 1933 verboten), aber meist unter Kontrolle der Besatzungsbehörden. In der Westzone entwickelten sich unter anderem die Parteien SPD, KPD sowie neue Sammelparteien wie CDU, CSU und FDP, um eine Zersplitterung wie in der Weimarer Republik zu vermeiden.

Ostzone: Parteienzusammenschlüsse und SED

In der Ostzone sollten neue Parteien die ideologische Ausrichtung der Kommunistischen Partei (KPD) haben; es entstand der sogenannte "Antifaschistische Block". Die KPD erreichte bei Wahlen keine absolute Mehrheit und ging 1946 im Zwangszusammenschluss mit der SPD in der Sowjetzone auf. Daraus entstand die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). In der Sowjetzone wurde die SPD faktisch verboten.

Wirtschaftspolitik, Marshallplan und europäische Krise

Europa litt nach dem Krieg unter einer schweren Wirtschaftskrise. Der Marshallplan war das US-amerikanische Wiederaufbauprogramm mit dem Ziel der Stabilisierung und des Wiederaufbaus Westeuropas. Zu Beginn wurden auch Demontagen und Reparationszahlungen praktiziert; da Deutschland nicht in der Lage war, Geld zu zahlen, wurden häufig Fabriken und Maschinen entfernt.

Hauptziele der USA waren die wirtschaftliche Stabilisierung und der Wiederaufbau: Die USA betrachteten die wirtschaftliche Erholung Europas — und damit auch Deutschlands — als wesentlich für den eigenen Wohlstand und die Stabilität Europas. Der amerikanische Einfluss in Westeuropa wuchs; die USA unterstützten primär die kapitalistischen Systeme, während die Sowjetunion als kommunistischer Gegenpol gesehen wurde.

Währungsreformen und wirtschaftliche Spaltung

Die deutsche Währung war stark entwertet; die Verschuldung machte die Reichsmark weitgehend wertlos. In der Westzone wurde am 20. Juni 1948 die Deutsche Mark eingeführt (Währungsreform) und damit der Weg für eine soziale Marktwirtschaft bereitet. In der Ostzone führte die Währungsreform und die wirtschaftliche Ausrichtung zur Einführung einer zentral gelenkten Planwirtschaft. Diese unterschiedlichen Maßnahmen trugen zur wirtschaftlichen Spaltung Deutschlands bei.

Berlinblockade und Luftbrücke

Im Streit um die wirtschaftliche und politische Zukunft Berlins verhängte die Sowjetunion 1948/49 die Berlinblockade, um die Westalliierten zum Verlassen Westberlins zu zwingen. Die Westalliierten versorgten Westberlin stattdessen per Luftbrücke (Transportflugzeuge). Die Sowjetunion erreichte damit ihr Ziel nicht.

Vom Besatzungsregime zum Weststaat

Die Diskussionen über einen Staat aus den drei Westzonen führten zu den Frankfurter Dokumenten. Die Ministerpräsidenten der Westzonen standen unsicheren Positionen gegenüber (Debatten um staatliche Selbstständigkeit versus Vermeidung einer dauerhaften Spaltung). Eine gemeinsame Politik zwischen Ost und West scheiterte, sodass in den Westzonen Schritte zur Gründung eines eigenen westdeutschen Staates unternommen wurden.

Gründung der beiden deutschen Staaten

Mit Inkrafttreten des Grundgesetzes wurde die Bundesrepublik Deutschland (BRD) gegründet. Bei den ersten Bundestagswahlen wurde Konrad Adenauer (CDU) Bundeskanzler. Das Besatzungstatut trat in Kraft und regelte weiterhin Beziehungen zu den Alliierten.

Am 7. Oktober 1949 wurde die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet.

Hinweis: Dieser Text fasst die wesentlichen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Deutschland in den Jahren 1945–1949 zusammen und wurde orthografisch und grammatikalisch korrigiert, strukturiert und für bessere Auffindbarkeit (SEO) optimiert.

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