Die Pracht des Barock: Merkmale und regionale Ausprägungen

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Charakteristika der Barockarchitektur

  • Detailreichtum und Komplexität: Die Architekturen sind detailreich und komplex. Klassische Formen (Säulen, Bögen, Giebel, Friese) werden beibehalten, aber phantastisch überhöht. Das Gebäude wird oft wie eine große Skulptur behandelt. Das Gebälk folgt Kurven und Schwüngen; Giebel zeigen Kurven, Spiralen und Gegenkrümmungen.
  • Dynamische Formen: Bevorzugung elliptischer, ovaler und anderer dynamischer Formen (z. B. bei *Borromini*). Die Wände sind konkav und konvex gestaltet, wodurch der Eindruck ständiger Bewegung entsteht. Gerade Linien und glatte Flächen werden vermieden.
  • Illusion und Unendlichkeit: Einführung neuer Grundrisstypen und schiefer Ebenen, die eine Illusion von Bewegung (*dynamische Räume*) erzeugen. Es wird versucht, das Unendliche darzustellen (z. B. durch fehlende Wege, Himmelsszenen oder Spiegelreihen, die Perspektiven erweitern und verändern). Beliebt ist die Verwendung von Kolossalsäulen, die sich über zwei oder drei Stockwerke erstrecken. Zahlreiche, oft reich verzierte Glockentürme, einzeln oder paarweise, sind typisch.
  • Licht und Theatralik: Einsatz von Lichteffekten und perspektivischen Spielen. Betonung des Lichts und der Hell-Dunkel-Kontraste (*Chiaroscuro*). Die Architekten suchen nach dem Überraschungsmoment und zeigen einen starken Hang zum Dramatischen und Theatralischen.
  • Dekorativer Überschwang: Großer formaler dekorativer Reichtum und Überschwang im Innen- und Außenbereich. Vorliebe für krummlinige Formen und der Triumph der Salomonischen Säule. Mixtilineare Bögen und Giebel, ovale Fenster. Der Bogen stützt sich entweder über ein Gebälk auf die Säule (römische Art) oder direkt auf das Kapitell (byzantinische Art). Verwendung großer Konsolen.
  • Neue Bautypen: Schaffung neuer Bautypen für spezifische Zwecke. Wichtige Bauwerke sind: Paläste, Sakralbauten, städtische Anlagen, große Gärten und Galerien (die später zu Kunstgalerien wurden).

Ursprung und Entwicklung in Italien

Die barocke Architektur entstand in Italien, geprägt durch entscheidende Persönlichkeiten wie Gian Lorenzo Bernini und Francesco Borromini.

Der klassizistische Barock in Frankreich

In Frankreich ist der Barock nüchterner als in Italien: Die Grundrisse sind weniger kompliziert, die Fassaden strenger, die Proportionen werden stärker respektiert und auf heftige Effekte wird verzichtet. Diese Kunst stand vor allem im Dienst der absoluten Monarchie. Das bedeutendste Bauwerk ist das Schloss von Versailles.

Spanischer Barock: Nüchternheit und Herrera-Stil

In Spanien war die barocke Architektur zunächst durch eine Vorliebe für *Desornamentación* (Schmucklosigkeit) und Nüchternheit geprägt, die durch den *Herrera-Stil* eingeführt wurde. Wichtige Gebäude zeigen einen ernsten, fast klassisch-gemessenen Stil.

Der Barock in Lateinamerika

Nach der spanischen Eroberung entwickelte sich die barocke Formensprache in Amerika weiter. Sie wurde durch präkolumbianische Kunst und Architektur bereichert, beispielsweise durch die intensive Verwendung leuchtender Farben. Besonderes Augenmerk verdient der Mexikanische Barock.

Deutsche und Österreichische Prachtbauten

In Deutschland und Österreich führte die Kombination aus italienischer und französischer Inspiration zur Schaffung dekorativer Gebäude von großer Fülle, insbesondere im Inneren. Dieser Stil, der oft als leicht überladen empfunden wurde, mündete später in den Rokoko-Stil.

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