Präventionsmodelle: Primäre, Sekundäre und Tertiäre Prävention

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1. Eingrenzung: Primärer, sekundärer und tertiärer Bildungsbereich

Die primäre Prävention zielt darauf ab, Wissen zu vermitteln und Handlungsweisen zu etablieren, um die Entstehung sozialer Probleme zu verhindern und Risiken zu minimieren. Dabei steht die Stärkung der Ressourcen des Einzelnen und seines sozialen Umfelds im Fokus. Diese Maßnahmen sind langfristig angelegt, stoßen jedoch oft auf begrenzte politische Unterstützung.

Ökologische Programme zur Kriminalprävention, die auf der Theorie des „wehrhaften Raums“ (defensible space) basieren, sind spezifisch der primären Prävention zuzuordnen.

Die sekundäre Prävention zielt darauf ab, die Verfestigung von Problemen zu verhindern, indem gezielt mit Risikogruppen gearbeitet wird. Beispiele hierfür sind Forschungen und Interventionen zu Schulschwänzen, Aggression, Drogenkonsum oder dem Schutz unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

Die tertiäre Prävention ist mit der Behandlung gleichzusetzen. Dieser Ansatz greift nach der Begehung einer Straftat. Obwohl er sich primär an identifizierte Straftäter richtet, um Rückfälle zu verhindern, kann er auch auf Opfer, soziale Kontrollinstanzen und das städtische Umfeld einwirken.

Übersicht der Präventionsansätze

Primäre Prävention

  • Delinquent: Strukturfonds (Soziales, Gesundheit, Stadtplanung).
  • Opfer: Verringerung des Unsicherheitsgefühls.
  • Soziale Kontrolle: Formelle (Polizei, Justiz) und informelle (Nachbarschaftsstrukturen) Kontrolle.
  • Kriminalität: Städtebau und Gestaltung „wehrhafter Räume“.

Sekundäre Prävention

  • Delinquent: Verhinderung der Verfestigung krimineller Karrieren (z. B. medikamentöse Therapie, Vormundschaft).
  • Opfer: Selbstverteidigung und richtiges Verhalten gegenüber Tätern.
  • Soziale Kontrolle: Vermeidung diskriminierender Reaktionen durch Justiz und Polizei.
  • Kriminalität: Schutzsysteme (z. B. Alarmanlagen) (Felson, 1992).

Tertiäre Prävention

  • Delinquent: Wiedereingliederung und Rehabilitation (Redondo, 1998).
  • Opfer: Krisenintervention und Restitutionstherapie.
  • Soziale Kontrolle: Bürgerbeteiligung bei der Kriminalitätsbekämpfung.
  • Kriminalität: Reparatur und Vermeidung der baulichen Verwahrlosung.

2. Situative Theorien und präventive Maßnahmen

Dieser theoretische Rahmen betont die Bedeutung der Umweltgestaltung. Städtische Reformen oder spezifische Kontrollmaßnahmen in einem Gebiet können zur Verlagerung der Kriminalität in andere Stadtteile führen. Kriminelles Verhalten ist oft routiniert und hängt von Gelegenheitsstrukturen ab.

Prävention sollte daher darauf abzielen, dem Täter Gelegenheiten zu entziehen und die Selbstkontrolle zu stärken. Effektive Kriminalprävention basiert auf konkreten Analysen der Mängel in einem bestimmten Gebiet.

Modelle wie die bürgernahe Polizeiarbeit (Community Policing) sind durch klare Ziele definiert. Während Videoüberwachung in geschlossenen Räumen (z. B. Parkhäuser) effektiv ist, hat sich ihre Wirksamkeit im öffentlichen Raum als begrenzt erwiesen. Städtebauliche Verbesserungen, wie eine optimierte Straßenbeleuchtung, tragen hingegen nachweislich zur Reduzierung bei.

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