Der Prozess der sozialen Einzelfallhilfe
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Der Prozess der sozialen Einzelfallhilfe: Konzeption
Der Versuch, den Begriff der Intervention in der Sozialen Arbeit mit Einzelfällen zu definieren, kann methodisch zu Verwirrung führen. Zuerst muss der begriffliche Unterschied zwischen der "allgemeinen Unterstützung" und der "Interventionsphase" geklärt werden.
Unter allgemeinen Maßnahmen versteht man die gesamte Arbeit, die ein Sozialarbeiter mit einem Klienten vom ersten Kontakt bis zum Ende des Falls leistet. Der Sozialarbeiter kann diesen Begriff auf seine tägliche Arbeit beziehen, um die Intervention auszudrücken. Doch was passiert, wenn der Begriff Intervention konkreter verwendet wird, um den methodischen Prozess der Sozialen Arbeit mit Fällen festzulegen? Dann erscheint er nicht mehr nur als allgemeiner oder umgangssprachlicher Begriff, sondern als eine Interventionsphase, die durch eine systematische, rationale und professionelle Haltung geprägt ist.
Die Intervention ist eine Phase in der grundlegenden Struktur der Sozialen Arbeit mit Einzelfällen. Sie wird als eine methodische Stufe definiert, die auf der Umsetzung eines Fahrplans basiert. Es ist eine Phase der Aktion und Bewegung, in der mit allen Werkzeugen und Techniken der Sozialen Arbeit gearbeitet wird.
Schaffung eines interpersonalen Interventionsraums
Dies ist die Säule der Intervention. Jede zwischenmenschliche Beziehung ist an sich therapeutisch. Gerade wegen seines Status benötigt der Nutzer Kontakt und Kommunikation. Die Beziehung ist keine informelle, umgangssprachliche oder persönliche Beziehung, sondern streng professionell. Es muss ein angenehmes Klima in physischer und psychischer Hinsicht geschaffen werden.
Die physische Umgebung sollte vorbereitet werden. Sie muss für die Kommunikation und Vertraulichkeit angemessen sein (Abwesenheit von Lärm und Unterbrechungen, sinnvoll verteilte Möbel, Vermeidung von Gesprächen in Fluren). Es ist ratsam, die Maßnahme nicht durchzuführen, wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Psychologisch müssen wir die zwischenmenschliche Beziehung durch ein Klima der Herzlichkeit und des Verständnisses pflegen. Dies wird durch Empathie erreicht und beinhaltet das Eintauchen in die persönlichen Gefühle des Nutzers.
Wenn der Sozialarbeiter in seiner Rolle bereit ist, müssen zwei Faktoren für die Konsistenz und Haltbarkeit der Beziehung realisiert werden: Komplizenschaft und Kompromissbereitschaft.
3.1 Verbindliche Regeln und Mitwirkung
Es ist notwendig, die Dauer und Tiefe der Beziehung zum Nutzer zu gewährleisten. Dies ermöglicht es dem Klienten, sich bei der Lösung seiner Probleme zu engagieren. Wenn der Mensch zum "Komplizen" seiner eigenen Problemlösung wird, übernimmt er die Verantwortung für die Veränderung der Situation und entwickelt einen aktiven Charakter.
3.2 Die Vereinbarung im Interventionsprozess
Jeder organisierte und systematische Interventionsprozess beinhaltet eine Vereinbarung, die nicht zwingend schriftlich sein muss. Es ist ein Pakt zwischen dem Sozialarbeiter und dem Nutzer, der die Ziele und Verpflichtungen beider Parteien innerhalb des Projekts definiert. Die Intervention ist der Weg, auf dem diese Aufgaben in die Tat umgesetzt werden.
In den ersten Kontakten prüft der Sozialarbeiter die Bereitschaft und Fähigkeit der Person. Je nach Information wird das Format der Vereinbarung gewählt:
- Mündliche Vereinbarung: Wenn die Person Ziele und Verpflichtungen aus Gesprächen einhält. Sie fühlt sich so oft wohler und übernimmt unter eigener Initiative Verantwortung.
- Schriftliche Vereinbarung: Wenn die Person mündliche Zusagen nicht einhält. Sie fungiert als Motivator für den Wandel und bindet den Anwender an die Intervention.
Beide Arten sind nicht unveränderbar, sondern entwickeln sich mit dem Fall. Der Inhalt der Vereinbarung sollte Folgendes umfassen:
- Verbindliche Parteien: Sozialarbeiter und Nutzer.
- Beginn und voraussichtliche Dauer.
- Ziele und zu treffende Maßnahmen.
- Behandelte Probleme und zu erreichende Ziele.
- Nutzen und Kosten der Umsetzung.
- Strukturierung der Zeit und Follow-up-Termine.
Berufliche Haltungen in der Intervention
Der Sozialarbeiter benötigt bestimmte Grundhaltungen bei der Umsetzung des Aktionsplans:
- Kreativität: Sie ermöglicht es, einen maßgeschneiderten Aktionsplan für den einzelnen Nutzer zu entwickeln. Soziale Arbeit wird hier zur Kunst, neue Wege für Veränderungen zu finden.
- Improvisation: Der Nutzer ist unberechenbar. Der Sozialarbeiter muss bereit sein, die Intervention so oft wie nötig umzustrukturieren.
- Rationalität: Die Intervention muss eine rationale Handlung sein, kein freier Wille. Maßnahmen müssen im Einklang mit dem Design der Intervention stehen.
- Spontaneität: Sie macht die Intervention zu einer reibungslosen Aktion, fernab von starren Rahmenbedingungen.
- Flexibilität: Damit respektiert der Therapeut Unterschiede und vermeidet professionelle Steifheit.
- Methodische Strenge: Der Praktiker muss wissen, dass seine Klage in einen methodischen Rahmen eingefügt ist.
- Rekursion: Betont den rückwirkenden Charakter der einzelnen Phasen.
- Technizität: Der Fachjargon sollte an das kulturelle Niveau des Nutzers angepasst werden, um die Kommunikation klar zu gestalten.
- Geduld: Das Tempo der Person muss respektiert werden. Der Erwerb neuer Einstellungen braucht Zeit.
Der Interventionsprozess und seine Handlungsstränge
Intervention ist ein Begriff, der Bewegung, Maßnahmen und verschiedene Handlungsstränge voraussetzt.
5.1 Informationsfluss
Eine der wichtigsten Facetten ist die Verfügbarkeit korrekter Informationen. Man kann den Inhalt in zwei Hauptteile unterteilen:
- Übersicht: Das Wissen aus der professionellen Ausbildung. Es ist essenziell, Gesetze, Leitlinien der Sozialpolitik und rechtliche Formulierungen zu aktuellen Programmen zu kennen.
- Spezifische Informationen: Diese beziehen sich auf die Fähigkeit des Nutzers (Einstellungen, Erfahrungen), die institutionellen Kapazitäten (Ziele und Ressourcen der Institution) und spezifische soziale Ressourcen.
5.2 Beratung und Anleitung
Informationen ermöglichen es, die Person zu beraten und zu einer Veränderung zu lenken. Dies kann auf zwei Arten geschehen:
- Nicht-direktive Beratung: Der Nutzer soll sich seiner Situation selbst bewusst werden. Der Sozialarbeiter hört primär zu und klärt die Situation durch Fragen.
- Direktive Beratung: Der Therapeut nimmt eine aktivere Rolle ein, meist in einer späteren Phase der Intervention. Er schlägt Lösungen vor, vergleicht Ziele oder überzeugt den Anwender.
5.3 Unterstützung
Dies impliziert die Anerkennung der professionellen Arbeit. Die unterstützende Beziehung ist weit entfernt von veralteter Wohltätigkeit. Der Nutzer soll sich nicht allein fühlen, sondern gehört und verstanden, damit Ängste abnehmen. Die professionelle Unterstützung stärkt das Selbstvertrauen und die Fähigkeiten des Nutzers.
5.4 Materielle Hilfe und Pflege
Manchmal erfordert die Intervention materielle Unterstützung oder wirtschaftliche Hilfe. Dies ist für Situationen äußerster Not nach fachlicher Beurteilung reserviert. Ihr Charakter ist palliativ und zeitlich begrenzt. Materielle Hilfe ist nicht der einzige Zweck, sondern eine Ergänzung zur Intervention, um Passivität zu vermeiden.
5.5 Überwachung und Follow-up
Der Sozialarbeiter fungiert hier als Betreuer, der den Nutzer zur Erreichung der Ziele führt. Kontrolle bedeutet hier ständige Überwachung der Entwicklung, nicht Zwang. Wesentliche Instrumente sind:
- Follow-up-Interviews: Die Häufigkeit richtet sich nach dem Bedarf (wöchentlich, monatlich oder vierteljährlich).
- Die Sozialanamnese: Sie dokumentiert die Entwicklung des Nutzers von Beginn an.
Direkte Intervention in der Einzelfallhilfe
Direkte Intervention erfordert die physische Anwesenheit des Nutzers. Sie beginnt oft, wenn ein Problem zu einer Krisensituation führt, in der der Nutzer blockiert ist. Der Therapeut klärt die Ursachen und entwickelt eine unterstützende Beziehung. Er mobilisiert Mechanismen für den Wandel und fungiert als Bindeglied zwischen dem Nutzer und sozialen Ressourcen. Der Sozialarbeiter tritt als Fürsprecher für die Rechte des Nutzers auf.
Direkte Intervention bei Familien
Besonderheiten der Familienintervention sind:
- Gründe für den Antrag: Unfähigkeit eines Mitglieds, soziale Risiken bei Kindern, Missbrauch oder eheliche Konflikte.
- Studie des Familiensystems: Kenntnis der Dynamik und der Kommunikation innerhalb der Familie.
- Organisation von Vereinbarungen: Definition klarer Rollen und Verantwortlichkeiten durch Mediation.
- Spezifische Techniken: Einsatz von Genogrammen und Ecomaps.
- Strukturierung von Interviews: Bei Spannungen sind separate Interviews ratsam, um Anschlusspunkte zu finden.
- Bewusstsein für die Lösung: Die Familie darf die Verantwortung nicht komplett auf den Profi als "Retter" übertragen.
- Datenschutz: Respekt vor Entscheidungen und vertraulicher Umgang mit Informationen.
Schema der direkten Intervention bei Familien
- Erstes Treffen: Einbeziehung aller Mitglieder, Schaffung eines Klimas des Verständnisses. Hausbesuche ermöglichen das Kennenlernen im natürlichen Umfeld.
- Strukturierung: Kombination aller Informationen zu einer Arbeitshypothese.
- Professionelle Unterstützung: Materielle Hilfen, Nutzung von Diensten (Kindergärten), Ausbildungshilfen und therapeutische Intervention.
- Rolle als Mediator: Erleichterung der Kommunikation während des gesamten Prozesses.
- Rolle als Betreuer: Fachliche Führung der Intervention.
- Eingliederung der Familie: Förderung der Unabhängigkeit des Familiensystems zur Vermeidung von dauerhafter Abhängigkeit von Institutionen.
Indirekte Interventionen
Diese werden außerhalb der direkten zwischenmenschlichen Beziehung durchgeführt und erfordern keine physische Präsenz des Nutzers. Sie umfassen administrative Funktionen wie das Erstellen von Berichten, die Vorbereitung von Interviews, Statistiken und die Pflege von Akten. Indirekte Interventionen zielen auch auf die Verbesserung des sozialen Systems und der Ressourcen ab. Die soziale Verantwortung des Profis beinhaltet auch ein politisches Engagement, um neue Programme zur Verbesserung der sozialen Lage anzustoßen.