Der Prozess der Urbanisierung: Phasen und Entwicklung
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Der Prozess der Urbanisierung
Der Prozess der Urbanisierung vollzog sich in drei wesentlichen Stufen:
1. Vorindustrielle Urbanisierung
Bis ins 19. Jahrhundert verlief die Urbanisierung bescheiden. Der Anteil der Stadtbevölkerung lag bei nicht mehr als 10 %, und die Städte hatten etwa 5.000 bis 10.000 Einwohner. Die begünstigenden Faktoren waren strategisch-militärischer, politischer, administrativer, wirtschaftlicher und religiöser Natur. Man unterscheidet hierbei drei Phasen:
- A) Von den Ursprüngen bis zum Mittelalter: Die Phönizier und Griechen errichteten Faktoreien auf der Halbinsel, um Ressourcen zu nutzen. Die Römer gründeten eine große Anzahl von Städten und schufen ein städtisches Netz mittels Straßen zu kommerziellen und militärischen Zwecken. Mit den Westgoten folgte eine Phase der Desurbanisierung.
- B) Mittelalter: Es gab zwei Räume: Den muslimischen Raum, der alte römische Städte wiederbelebte und neue strategische, administrative, wirtschaftliche und kulturelle Zentren schuf, und den christlichen Raum, in dem das städtische Leben nach der Rückeroberung (Reconquista) wiederbelebt wurde. Der Handel reaktivierte sich im 12. und 13. Jahrhundert.
- C) Frühe Neuzeit: Diese Ära ist geprägt durch das städtische Wachstum im 16. Jahrhundert, die Krise und Stagnation im 17. Jahrhundert sowie die Wiederbelebung des Urbanisierungsprozesses im 18. Jahrhundert.
2. Industrielle Urbanisierung (19. Jh. bis 1975)
Von Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert bis 1975 gab es ein großes Wachstum der Wohnsiedlungen. Die Faktoren waren administrativer und sozialer Natur. Es werden vier Phasen unterschieden:
- A) Bis Mitte des 19. Jahrhunderts: Das städtische Wachstum betraf primär die Provinzhauptstädte.
- B) Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Bürgerkrieg: Wachstum vor allem in den Industriestädten.
- C) Bürgerkrieg und Nachkriegszeit (1936–1959): Der Prozess verlangsamte sich durch Zerstörung, Versorgungsprobleme in den Städten und die Agrarpolitik. Die Landflucht und die autarke Wirtschaft unter Franco konzentrierten die Entwicklung auf die Achse Madrid-Barcelona-Kantabrien.
- D) Entwicklungsphase (1960–1975): Eine Etappe massiven städtischen Wachstums durch die industrielle Expansion.
3. Postindustrielle Urbanisierung
Die städtische Wachstumsrate sank in zwei Stufen: Zunächst stabilisierten sich die spanischen Städte, dann sank die Rate in Metropolen und Industriestädten. Die Faktoren änderten sich: Die Industrie verlor nach der Krise von 1975 an Bedeutung, während der Tertiärsektor (Dienstleistungen) an Wichtigkeit gewann – besonders in Großstädten und Tourismusregionen. In Madrid und Barcelona dominiert ein fortgeschrittener Tertiärsektor, während in anderen Regionen eher eine niedrige Qualifikation vorherrscht. Das Wachstum der Großstädte verlangsamt sich zugunsten von mittleren und kleinen Städten aufgrund von Sättigung und der Dezentralisierung wirtschaftlicher Tätigkeiten. Dies führt zu einer urbanen Dispersion, bei der sich die Stadt über immer größere Gebiete erstreckt, da sich dort Funktionen konzentrieren, die Kontrolle über den umgebenden Raum ausüben.