Psychologie: Persönlichkeit, Denken, Sprache und Emotionen

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Persönlichkeitsstörungen

Eine Persönlichkeitsstörung beschreibt eine krankhafte, pathologische oder abnorme Art des Seins, die entweder aufgrund des soziokulturellen Kontextes oder der Umwelt der betroffenen Person als ungewöhnlich gilt. Das Spektrum umfasst Verhaltensweisen, Gefühle und innere Erlebnisse in sehr diversen Ausprägungen. Die Diagnosekriterien stützen sich auf das DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) der American Psychological Association sowie die ICD (International Classification of Diseases) der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung

Diese Störung erklärt ein psychopathologisches Muster bei Menschen, die beharrlich kriminelles Verhalten ohne rechtfertigenden Grund zeigen. Im angloamerikanischen Raum (verstärkt nach DSM-IV) wird oft von Soziopathie gesprochen, während die deutsche Schule (nach ICD-10) den Begriff Psychopathie betont. Diese Persönlichkeit zeichnet sich durch unangemessenes, antisoziales Verhalten aus, das soziale Normen missachtet. Kennzeichnend ist ein dauerhaftes Muster von Unverantwortlichkeit, das oft schon in der Adoleszenz oder Pubertät beginnt. Merkmale sind:

  • Missachtung der Rechte anderer und mangelnde Reue.
  • Unfähigkeit, aus Erfahrung zu lernen, sowie eine niedrige Frustrationstoleranz.
  • Tendenz zu Betrug, Lüge und Manipulation für persönlichen Vorteil.
  • Impulsivität und mangelnde Zukunftsplanung.
  • Aggressivität, Reizbarkeit und rücksichtsloses Verhalten gegenüber der eigenen Sicherheit und der anderer.
  • Ein Subgroup erlebt sadistische Freude an der Manipulation und dem Zufügen von Schaden.

Emotionale und zwischenmenschliche Merkmale

Persönlicher Charme und Redegewandtheit

Psychopathen wirken oft gesprächig, charmant und schlagfertig. Sie erzählen oft unwahrscheinliche, aber überzeugende Geschichten und besitzen eine große Kapazität für Erfindergeist im Gespräch.

Egozentrik und grandioses Selbstwertgefühl

Betroffene besitzen ein extrem hohes Selbstwertgefühl, halten sich für überlegen und folgen nur eigenen Regeln. Sie schreiben Probleme oft externen Ursachen oder Dritten zu und zeigen sich ehrgeizig, während sie anderen Kompetenzen absprechen.

Mangel an Reue, Schuld und Empathie

Ein Psychopath zeigt keine Scham über die Folgen seines Handelns. Reuebekundungen sind meist oberflächlich und widersprüchlich. Es besteht eine absolute Unfähigkeit, die Gefühle anderer zu verstehen. Beziehungen sind rein utilitaristisch (zweckgebunden).

Täuschung und oberflächliche Emotionen

Psychopathen sind Genies der Lüge und Manipulation. Ihre emotionale Ausdrucksweise ist oft falsch; es gibt keine Übereinstimmung zwischen verbalen Aussagen und der Körpersprache.

Das Denken und seine Klassifikation

Denken ist die geistige Kapazität zur Interpretation von Informationen. Es unterscheidet den Menschen vom Tier durch die Fähigkeit zur logischen und abstrakten Symbolik (Sprache). Jung etablierte Beziehungen zwischen Denken und Fühlen als Basis der menschlichen Rationalität.

Arten des Denkens

  • Rationales Denken: Nutzung logischer Formen wie Induktion und Deduktion.
  • Fantasievolles Denken: Nutzung von Imagination zur Erzeugung innerer Bilder.
  • Schöpferisches Denken: Kombination aus Rationalität und Phantasie für originelle Antworten.
  • Intuitives vs. konkretes Denken: Reduktion auf unmittelbare, greifbare Daten.
  • Abstraktes Denken: Erstellung von Beziehungen zwischen generischen Konzepten.
  • Reproduktives vs. produktives Denken: Wiederholung von Gelerntem vs. kreative Problemlösung.

Argumentation und Logik

Die Argumentation ist ein logischer Prozess zur Verknüpfung von Ideen. Die Abstraktion erlaubt den Übergang vom Individuellen zum Generellen. Methoden sind:

  • Deduktion: Ableitung vom Allgemeinen zum Besonderen.
  • Induktion: Ableitung allgemeiner Gesetze aus Einzelbeobachtungen.

Ein Syllogismus besteht aus zwei Prämissen und einer Schlussfolgerung. Sprache dient hierbei nicht nur der Artikulation, sondern ist eng mit den Argumentationsprozessen verknüpft.

Sprache, Denken und das Gehirn

Jean Piaget sah die Sprachentwicklung in Phasen (egozentrisch bis sozial), während Lev Vygotsky die Sprache als Grundstruktur des Denkens betrachtete. Giacomo Rizzolatti entdeckte Spiegelneuronen, die aktiviert werden, wenn wir Handlungen bei anderen beobachten, was die Basis für Imitation und Kommunikation bildet.

Spracherwerb und neuronale Korrelate

Skinner betonte die Nachahmung, während Chomsky von einer angeborenen Universalgrammatik ausgeht. Die Sprachverarbeitung findet primär in der linken Hemisphäre statt:

  • Broca-Areal: Zuständig für die Sprachproduktion.
  • Wernicke-Areal: Zuständig für das Sprachverständnis.
  • Fasciculus arcuatus: Verbindung dieser beiden Areale.

Die rechte Hemisphäre verarbeitet vor allem die Prosodie (Betonung) und emotionale Inhalte.

Emotionen: Definition und Komponenten

Emotionen sind episodische Prozesse zur Anpassung an Umweltbedingungen. Sie bestehen aus:

  1. Gefühl: Subjektive Erfahrung.
  2. Physiologische Erregung (Arousal): Körperliche Reaktionen.
  3. Aktion: Verhaltensweisen wie Angriff oder Verteidigung.

Klassifikation von Emotionen

  • Primäremotionen: Wut, Angst, Freude, Trauer, Ekel, Überraschung (oft mit typischer Mimik).
  • Sekundäremotionen: Komplexe Mischungen wie Eifersucht oder Scham.
  • Positive vs. negative Emotionen: Je nach Zielerreichung oder Bedrohung.

Kognitive Kontrolle und exekutive Funktionen

Die kognitive Kontrolle im präfrontalen Kortex umfasst exekutive Funktionen, die zielgerichtetes Verhalten ermöglichen. Dazu gehören metakognitive Fähigkeiten wie das Nachdenken über das eigene Denken oder Gedächtnis.

Differenzialdiagnose und Psychopathie

Bei der Diagnose der antisozialen Persönlichkeitsstörung (ASPD) müssen andere Störungen ausgeschlossen werden:

  • Narzissmus: Hier fehlt oft die Impulsivität und Aggressivität der ASPD.
  • Paranoia: Rache steht im Vordergrund, nicht persönliche Bereicherung.
  • Psychotische Störungen: Im Gegensatz zum Psychopathen ist hier die Realitätswahrnehmung gestört (Halluzinationen, Wahn).

Häufige logische Trugschlüsse (Fallacies)

  1. Bejahung des Konsequens: "A impliziert B, B ist wahr, also ist A wahr."
  2. Argumentum ad Numerum: Die Mehrheit hat recht.
  3. Argumentum ad verecundiam: Berufung auf Autorität statt auf Fakten.
  4. Zirkelschluss (Circulus vitiosus): Die Schlussfolgerung ist bereits in der Prämisse enthalten.
  5. Red Herring: Ablenkung durch irrelevante Themen.
  6. Strohmann-Argument: Die Position des Gegners verzerrt darstellen, um sie leichter anzugreifen.

Phasen der Problemlösung

Nach der Würzburger Schule verläuft Problemlösung in Schritten:

  1. Vorbereitung: Identifikation des Problems und Wissenssammlung.
  2. Inkubation: Unbewusste Verarbeitung der Informationen.
  3. Illumination: Das plötzliche "Aha-Erlebnis" (Eureka).
  4. Bewertung: Überprüfung der Lösung auf Richtigkeit.

Psychopathologie von Sprache und Emotion

Sprachstörungen

  • Aphasie: Broca-Aphasie (Produktionsstörung) oder Wernicke-Aphasie (Verständnisstörung).
  • Anomie: Wortfindungsstörungen.
  • Legasthenie: Abnorme Zellstrukturen in der Hirnrinde.
  • Schizophrenie: Desorganisierte Rede und Alogie.

Emotionsstörungen

  • Alexithymie: Unfähigkeit, eigene Emotionen verbal auszudrücken oder zu erkennen, oft durch mangelnde Verbindung zum limbischen System.
  • Klüver-Bucy-Syndrom: Verlust von Angst und Aggression durch Läsionen im Schläfenlappen.
  • Affektive Störungen: Depression, Dysthymie, Bipolare Störungen.

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