Psychologische Reaktionen auf körperliche Erkrankungen
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Störungen und emotionale Reaktionen bei Erkrankungen
Die psychologischen Reaktionen auf eine Erkrankung beeinflussen den Anpassungsprozess im Umgang mit der Krankheit sowie die Beziehung zum Gesundheitsteam.
Chronische psychische Symptome
- Depression: Desinteresse, Entmutigung, Niedergeschlagenheit, verlangsamtes Denken, Schuldgefühle, Gewichtsverlust, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Gedanken an den Tod.
- Angst: Übermäßige Sorgen, Furcht, Ungeduld, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Panikattacken.
- Somatisierung: Vorhandensein vieler Symptome in verschiedenen Organen, die nicht durch körperliche Befunde erklärt werden können.
- Posttraumatischer Stress: Angst, Hoffnungslosigkeit, intensives Entsetzen, Erinnerungen an das Trauma, physiologische Beschwerden.
Etappen der Krankheitsbewältigung
- Verleugnung (Denial): Verweigerung der Krankheitsdiagnose, die Überzeugung, dass diese falsch sein könnte, die Negation der Situation, Gefühle von Einsamkeit und Isolation.
Aufgabe des Gesundheitsteams: Bereitschaft zur Information, stets die Wahrheit sagen, Verständnis prüfen ohne zu drängen, Emotionen achten. - Zorn oder Wut: Frustration, Ablehnung. Es gilt, tolerant zu sein und zuzuhören. Auch Verwandte können diese Phase durchlaufen; Gefühle von Neid und Missgunst.
Aufgabe des Gesundheitsteams: Nicht erzürnen lassen, hohe Belastung für das Team, Einfühlungsvermögen zeigen, Verhalten nicht persönlich nehmen. - Verhandeln: Kurzfristiger Versuch, mehr Zeit zu gewinnen oder die Diagnose zu ändern; der Wunsch nach mehr Zeit im Austausch für Versprechen (z. B. Organspende).
- Depression: Beginn der Akzeptanz dessen, was kommt (Tod); die Diagnose wird angenommen. Depressionen und Angstzustände treten auf; es ist wichtig, Raum für den Selbstausdruck zu geben.
Aufgabe des Gesundheitsteams: Unterscheidung zwischen klinischer und situativer Depression, emotionale Unterstützung der Familie, den Patienten nicht im Stich lassen, Raum geben. - Akzeptanz: Setzt voraus, was passiert; oft benötigt die Familie hier mehr Unterstützung als der Patient selbst.
Determinanten des Patientenverhaltens
Alter
Gesundheitsdienstleister interagieren mit Patienten verschiedenen Alters, weshalb Sprache und Informationen angepasst werden müssen.
- Pädiatrische Patienten: Es besteht eine Tendenz, den Patienten zu vernachlässigen und stattdessen mit der Bezugsperson zu interagieren. Mit steigendem Alter nimmt die Interaktion zu. Kinder verstehen oft mehr, als sie erklären können; Missverständnisse entstehen oft durch die Annahme, Kinder verstünden die Konsultationsinhalte nicht.
- Ältere Erwachsene: Konsultieren häufiger aufgrund vielfältiger körperlicher und psychologischer Faktoren. Stereotype: langweilig, eingeschränkt. Oft herrscht ein paternalistisches Modell vor.
Geschlecht
Frauen konsultieren bei Gesundheitsproblemen häufiger als Männer. Sie erhalten oft mehr Informationen, stellen mehr Fragen und binden die Dienstleister stärker in Gespräche ein. Ärzte unterbrechen Frauen seltener. Männer beteiligen sich hingegen stärker an der Entscheidungsfindung. Dies liegt an unterschiedlichen Kommunikationsstilen.
Soziale Ebene
Personen aus höheren sozialen Schichten erhalten oft mehr Informationen. Es wird weniger Fachsprache verwendet und die Konsultationen dauern länger.
Grund: Personen mit höherem Status fragen mehr und drücken Sorgen sowie Ängste deutlicher aus. Auf niedrigerer Ebene besteht oft viel weniger Interesse an detaillierten Informationen.