Psychosoziale Interviews: Arten, Phasen & Techniken
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**Arten von Interviews in der psychosozialen Beratung**
Je nach Zweck können Interviews der Information, Beratung, Überweisung, spezifischen Anwendung, Datenerfassung oder dem Beziehungsaufbau dienen. Basierend auf der Anzahl der Befragten unterscheidet man zwischen Einzel-, Gruppen- oder Familieninterviews. Unter dem theoretischen Rahmen gibt es systemische, psychosoziale, psychodynamische, verhaltensbezogene und phänomenologische Ansätze. Nach dem Stil der Beratung unterscheidet man zwischen direktiven und non-direktiven Ansätzen.
**Das Interview nach Sullivan**
Sullivan betont die Bedeutung des Interviews für das Verständnis der psychosozialen Aspekte der Probleme des Klienten. Es hat eine transformierende Funktion und basiert auf den Kommunikationsprozessen zwischen Interviewer und Befragtem. Es handelt sich um eine strukturierte, dynamische Situation, die auf einem guten Rapport und einer empathischen Beziehung basiert.
**Ziele des Interviews**
- Untersuchung des Zustands des Klienten und Hilfe zum Selbstverständnis.
- Dem Klienten ermöglichen, interne Konflikte, Frustrationen und Ängste bezüglich seiner problematischen Situation darzustellen.
- Den Klienten dazu bringen, seine Geschichte zu erzählen, auch wenn dies schmerzhaft ist.
- Den Klienten dazu bringen, seine Situation zu erkennen und Entscheidungen zu treffen, wobei er Verantwortung übernimmt.
- Etablierung einer helfenden Beziehung.
**Die Rolle des Interviewers**
Der Interviewer gibt die Richtung vor und definiert die Beziehung. Dabei ist Folgendes zu beachten:
- Der Experte gibt zu, dass er nicht alles weiß.
- Der Klient geht davon aus, dass der Experte weiß, was passiert und wie es gelöst werden kann.
- Das "Nicht-Wissen" des Experten fördert den Wunsch des Klienten, mehr über sein Leben zu erfahren, seinen Diskurs zu strukturieren und Erfahrungen in Bezug auf das Problem zu teilen.
**Arten von Interviews (Beratungsperspektive)**
- Vorläufiges Interview: Präsentation, schnelle Fallaufnahme, Ableitung.
- Erstgespräch: Beziehungsaufbau, Klärung der Ziele.
- Verlaufs- oder Behandlungsgespräche: Anwendung verschiedener Beratungstechniken.
- Abschlussgespräch: Beendigung der Beratung.
**Das Erstgespräch**
Im Erstgespräch geht es um die Klärung des Problems. Ziele sind Zuhören, Beobachtung, Wissensgewinnung, Kontaktaufnahme, Klärung und Vertrauensaufbau. Wichtige Techniken sind: Entspannung, Ventilation, Unterstützung und Klärung. Aktives Zuhören und aufmerksame nonverbale Kommunikation sind essenziell, um die Beziehung und das Aktionssystem zu etablieren.
**Das Abschlussgespräch**
Das Abschlussgespräch dient der Bewertung des Vergangenen und der klaren Begründung des Abschlusses. Es ist wichtig, den Schmerz, die Traurigkeit und die Angst des Klienten zu vermeiden. Der Abschied sollte als Teil der Klientenbetreuung verstanden werden. Es geht darum, den "Abschiedsschmerz" zu verarbeiten und die psychologischen Bindungen zu lösen.
**Struktur des Interviews**
Ein Interview besteht aus Phasen und Komponenten und kann strukturiert oder unstrukturiert, direktiv oder non-direktiv sein.
**1. Anfangsphase (Rahmen)**
Das erste Treffen zwischen Klient und Experte. Ängste werden aktiviert. Ziel ist es, Sicherheit und ein Gefühl des Komforts zu erreichen und die Beziehung zum Klienten zu erleichtern. Der Experte sollte Selbstvertrauen gewinnen und dem Klienten das Reden erleichtern. Wichtig sind: angemessene räumliche Bedingungen, offene Fragen und non-direktive Interventionen. Diese Phase dient der Datenerhebung und der Klärung des Anliegens.
**2. Mittlere Phase (Exploration)**
Der Übergang von der Anfangsphase zur mittleren Phase sollte so fließend wie möglich sein. In dieser Phase wird das Problem behandelt oder die Form der Bearbeitung festgelegt. Es ist eine Phase des intensiven Austauschs und Dialogs. Der Höhepunkt des Interviews, in dem die eigentliche Aufgabe angegangen wird. Ein guter Rapport, Kommunikation und gegenseitiger Respekt sind essenziell. Die Tiefe hängt von der Entwicklung des Interviews ab. In dieser Phase zeigt sich das therapeutische Profil des Experten und seine technischen Fähigkeiten. Direktive und non-direktive Interventionen zielen darauf ab, Informationen zu erhalten, das Problem zu definieren, Szenarien zu entwickeln und die Beziehung zu gestalten. Wichtig sind Hör- und Kommunikationsfähigkeiten sowie die Überprüfung von Eindrücken und Daten.
**3. Abschlussphase (Abschied)**
Die letzte Phase des Interviews dient dem Abschluss und der Verabschiedung.