Psychosoziale Prozesse, Kultur und Persönlichkeitsentwicklung
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Das Individuum als Subjekt psychosozialer Prozesse
Die sozialen Gruppen, denen wir angehören, beeinflussen unsere Persönlichkeit. Psychosoziale Ideen und Vorstellungen sind sozial erworben.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Menschen und anderen Tieren besteht darin, dass die menschliche Annäherung an die Realität durch Kultur und Gesellschaft vermittelt wird, denen der Mensch angehört. Darüber hinaus wird die eigene Verfassung als Subjekt im Kontext der Gruppe geformt.
Zwei Arten von Realitäten
- Äußere Realität: Die Dinge, die uns umgeben, die wir sehen und fühlen (unabhängig von uns).
- Innere Realität (Subjektive Wirklichkeit): Was wir über die Dinge um uns herum denken (Werte, Ideen, Geschmack, Interessen). Diese ist wichtiger als die äußere oder objektive Realität, da sie unser Handeln direkt bestimmt. Wir handeln basierend auf dem, was wir denken.
Unsere Kultur bestimmt, wie wir denken. Die Familie ist unser wichtigster sozialer Einfluss.
Sozialisation und Kultur
Sozialisation ist der Prozess, durch den eine Person ihre soziale Umwelt internalisiert. Die Übertragung von Kultur ist ein Bildungsprozess.
Drei Definitionen des Kulturbegriffs
- Humanistische oder ästhetische Sichtweise: Kultur wird als die Entwicklung des Geistes und die innere Entwicklung des Menschen (Geisteswissenschaften) betrachtet. Nach dieser Ansicht gibt es Gruppen, die „gebildeter“ sind als andere.
- Soziologische Sichtweise: Kultur ist das Wissen, das eine Einzelperson oder Gruppe besitzt und anwendet, um die Lebensqualität zu steuern. Auch hier wird angenommen, dass einige Menschen „gebildeter“ sind als andere.
- Anthropologische Sichtweise: Kultur ist die Art und Weise des Lebens einer Einzelperson oder Gruppe. Demnach hat jeder Mensch Kultur. Diese Sichtweise wird in der städtischen Bildung angewandt. Kultur wird definiert als die Verwaltung und Weitergabe gemeinsamer Symbolik (Gruppenkultur), gemeinsamer Sprache und gemeinsamer Werte.
Persönliche Identität und Sozialisation
Die persönliche Identität ist die Art und Weise, wie man sich selbst identifiziert oder wahrnimmt. Sie ist sozial erworben, was es schwierig machen kann, authentisch zu sein.
Arten der Sozialisation
- Primäre Sozialisation: Dies ist die erste und wichtigste Phase. Die Familie vermittelt Sprache, Kleidung, Werte, Sauberkeitsgewohnheiten, Pflichten und das Kämpfen für unsere Rechte.
- Sekundäre Sozialisation: Beginnt mit dem Eintritt in die Schule. Wir lernen die Lebensweise unserer Kollegen und unserer Schule kennen. Wir werden geselliger. Einflüsse kommen auch aus der Nachbarschaft, dem Fernsehen, Zeitungen, Zeitschriften und der Religion.
Die Sozialisation ist ein lebenslanger Prozess.
Persönlichkeit
Persönlichkeit umfasst alles, was wir sind: unsere Gedanken, Intelligenz, unseren Geschmack, unsere Motivationen und unsere Werte.
Die Klassische Persönlichkeitstheorie (Allport)
Die Theorie von Allport gilt als klassisch, da sie eine der ersten umfassenden Theorien war. Er sagt, dass jeder von uns eine Kombination aus zwei Dingen besitzt: Temperament und Charakter.
- Temperament: Der instinktive, tierische Teil, den wir nicht kontrollieren können (z. B. die Suche nach Vergnügen). Jeder Mensch besitzt ein Temperament.
- Charakter: Die Verhaltensgewohnheiten, die wir erlernen.
Die Psychoanalytische Theorie (Sigmund Freud)
Sigmund Freud legte in seiner psychoanalytischen Theorie großen Wert auf die Sexualität.
Er entdeckte, dass Sexualität bereits bei der Geburt existiert (zum Beispiel, wenn das Baby am Finger saugt). Freud sah dies als unbewusste sexuelle Lust. Er unterscheidet zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten, wobei das Unbewusste das Bewusste bestimmt. Er betonte den sexuellen Aspekt (das Unbewusste) und sagte, dass unsere Persönlichkeit stark durch die Libido (sexuelle Energie), die in der Jugend auftritt, bestimmt wird.
Psychosoziale Entwicklung (Erik Erikson)
Erik Erikson war ein Schüler Freuds. Er erkannte, dass die „große Tragödie“ darin besteht, dass wir von Kindheit an lernen, was wir in unserer Gesellschaft nicht tun dürfen, und dass wir im Laufe unseres Lebens mit sozialen Konflikten konfrontiert sind. Die Art und Weise, wie wir diese sozialen Konflikte lösen, bestimmt unsere Persönlichkeit. Wir entwickeln soziale Hemmungen (Bremsen).