Publius Ovidius Naso: Leben und Werk des römischen Dichters

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Publius Ovidius Naso (43 v. Chr. – 17 n. Chr.)

Er studierte in Rom und schloss sich dem literarischen Zirkel des Maecenas an, fiel aber später in Ungnade bei Kaiser Augustus. Dieser verbannte ihn nach Pontus (am Schwarzen Meer), wo er verstarb, ohne jemals eine Begnadigung erhalten zu haben. Ovid pflegte die lyrische und epische Dichtung sowie die Epistolographie.

Der letzte große elegische Dichter

Er gilt als der wohl letzte große elegische Dichter, obwohl seine Darstellung der Liebe oft konventionell und voller Gelehrsamkeit ist. Ovid war ein Dichter mit einem ausgeprägten Hang zum Schreiben und einer großen technischen Perfektion, die ihn dazu verleitete, sehr viele Verse zu verfassen, in denen kaum stilistische Unterschiede auszumachen sind.

Lyrische Liebesthemen und Hauptwerke

Bezüglich der lyrischen Liebesthematik schrieb er Elegien, die er als Amores zusammenfasste. Diese sind seiner geliebten Corinna gewidmet, die jedoch eher als literarisches Konstrukt denn als reale Frau erscheint. Seine Liebe wirkt darin nicht immer aufrichtig und spontan; stattdessen sind die Verse mit Beschreibungen und Bildern des gesellschaftlichen Lebens seiner Zeit gefüllt. Weitere bedeutende Werke sind:

  • Ars Amandi: Didaktische Elegien mit Verführungstipps für beide Geschlechter.
  • Tristia: Schmerzvolle Elegien in fünf Büchern, die die Fehler seines Lebens reflektieren, die Bitterkeit des Exils schildern und mit Schmeicheleien um Vergebung bitten.

Weitere elegische und didaktische Werke

Andere Werke in elegischen Distichen widmen sich der episch-didaktischen Form, wobei das Thema eher romantisch-elegisch bleibt. Dazu gehören die Remedia Amoris, die verschiedene Wege zur Überwindung von Liebeskummer aufzeigen, sowie die Medicamina Faciei Femineae, ein Werk über Kosmetika und Schönheitsmittel für Liebende.

Der römische Festkalender: Fasti

Ebenfalls in elegischen Distichen verfasste er die Fasti, welche die wichtigsten Feste des römischen Kalenders behandeln. Er erklärt darin deren mythische Ursprünge sowie Rituale und stellt Bezüge zur legendären Vergangenheit Roms her. Das Werk umfasst jedoch nur die ersten sechs Monate des Jahres, da er vor der Vollendung verbannt wurde.

Das Epos: Die Metamorphosen

Im Bereich des Epos schuf er mit den Metamorphosen ein episch-didaktisches Werk in Hexametern. Es handelt sich um eine Sammlung von Legenden über Götter und Helden, die verschiedene Verwandlungen (Metamorphosen) durchlaufen. Das Werk ist in fünfzehn Bücher unterteilt und reicht von der Schöpfung des Kosmos bis zur Verwandlung von Julius Cäsar in ein Sternbild, den er als Vorfahren von Kaiser Augustus preist.

Diese Arbeit unterscheidet sich völlig vom traditionellen Epos; sie wirkt spielerisch, oberflächlich und bisweilen frivol, getragen von einer großen Leichtigkeit und ausdrucksstarken Rhetorik. Ovid nutzt narrative und stilistische Elemente, die überraschend, skurril und sogar paradox wirken. Mit seinem humorvollen Aspekt kritisiert er das alte Heldenepos, dessen Verschwinden er andeutet. Die Episoden sind oft ohne echte Einheit nebeneinandergestellt.

Herausragend ist die Charakterisierung der Figuren, die sowohl bei Göttern als auch bei Sterblichen sehr tiefgehend ist. Die Götter werden vermenschlicht und oft mit Ironie behandelt, da ihre Metamorphosen manchmal ungerecht oder willkürlich erscheinen. Die Liebe ist der große Protagonist des Werkes, der alle Wesen – ob göttlich oder menschlich – bewegt, und nicht der Wille der Götter, wie es im traditionellen Epos üblich war.

Stilistische Merkmale und Innovationen

Sein Stil ist barock, rhetorisch und nutzt technisch perfekte Hexameter, die vielleicht zu den besten der lateinischen Poesie zählen. Seine Verse fließen ohne viel Mühe und nutzen metrische Freiheiten. Er innovierte in lexikalischen und syntaktischen Konstruktionen. Kurz gesagt bildet er den Gegensatz zu Vergil, den er angeblich imitierte. Ovid entfaltet eine wunderbare Fantasie und Plastizität, die ihn dazu führt, einige Mythen abzuwandeln. Sein Ziel ist die „Poesie der Poesie“ mit einem sehr sorgfältigen Stil, einer herausragenden Erzählfähigkeit sowie dem Einsatz von Antithesen und anderen rhetorischen Mitteln.

Epistolographie: Briefe aus dem Exil und Heroides

Im Bereich der Epistolographie sind zwei seiner Bücher erhalten, die Briefe in Versform sammeln:

  • Epistulae ex Ponto: Vier Bücher mit Briefen aus dem Exil, die eigentlich schmerzvolle Elegien in Briefform sind. Sie sind an seine Frau und Freunde gerichtet und fokussieren auf sein Leiden im Exil sowie die Sehnsucht nach Vergebung durch Augustus. Sie sind voller Aufrichtigkeit und starker Gefühle.
  • Heroides: Briefe von Frauen der Sagenwelt an ihre geliebten Helden. Es handelt sich faktisch um Monologe, die voller Gelehrsamkeit und in einem rhetorischen Stil verfasst sind, der bisweilen eintönig wirken kann.

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