Punkt 2: Der symbolische und soziale Körper
Eingeordnet in Leibesübungen
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 3,7 KB
Das Leben ist voller Symbole und Symbolik. Das ist kaum verwunderlich, da der Mensch das einzige Lebewesen ist, das in der Lage ist, Symbole zu erschaffen und zu interpretieren. Alles kann durch ein Symbol dargestellt werden. So verwenden wir auch in unserer Alltagssprache viele Metaphern und Symbole, bei denen wir Körperteile nutzen, um Gefühle oder Fähigkeiten auszudrücken. Tatsächlich ist der Körper das älteste, tiefste und universellste aller Symbole.
Metaphern des Körpers
Zum Beispiel gibt es zahlreiche Metaphern mit dem Wort Kopf:
- Wirrkopf: eine zerstreute Person;
- Dickkopf: eine hartnäckige Person;
- etwas will jemandem nicht in den Kopf: etwas nicht verstehen oder nicht begreifen können;
- den Kopf verlieren: die Beherrschung oder den Verstand verlieren.
Mit dem Wort Hand:
- zwei linke Hände haben: Mangel an Geschicklichkeit und Fingerfertigkeit;
- eine unsichtbare Hand: eine Person, die heimlich im Hintergrund agiert;
- die rechte Hand sein: eine sehr nützliche Person, die einem anderen als Assistent oder Partner zur Seite steht;
- aus erster Hand: direkt, ohne Vermittler.
Mit dem Wort Fuß (im Original pie):
- auf demselben Fuß hinken wie ein anderer: den gleichen Mangel wie eine andere Person haben;
- mit dem rechten Fuß aufstehen: viel Glück und Erfolg haben;
- einen Anlass geben: den Grund für etwas liefern;
- die Beine in die Hand nehmen: fliehen bzw. entkommen.
Auch mit dem Wort Arm lassen sich Metaphern finden, wie:
- jemanden mit offenen Armen empfangen: jemanden herzlich willkommen heißen;
- die Arme verschränken: inaktiv sein, nichts tun;
- sich nicht den Arm umdrehen lassen: standhaft in seiner Meinung oder seinem Ziel bleiben.
Körpergrenzen, Raum und Zeit
Andererseits ist es bemerkenswert, dass die Körperöffnungen sehr wichtig für das Verständnis des Körpers, des sozialen Lebens und der Welt sind. Darüber hinaus können wir nicht sprechen, ohne Grenzen zu setzen. Diese Körpergrenzen sind immer vieldeutig, aber sie müssen aufgebaut und geschützt werden. Meist besitzen sie eine heilige Bedeutung, und für sie gelten oft wichtige Tabus.
Abgesehen von der Definition des Körpers sind wir auch durch Raum und Zeit begrenzt. Diese beiden Komponenten sind entscheidend für die Analyse der Welt um uns herum. Wir sind in Raum und Zeit verortet, und oft liegen beide sehr nah beieinander (man denke an Michel Foucaults Konzept der totalen Institutionen).
Der Körper als gesellschaftlicher Mikrokosmos
So ist der Körper, der von gesellschaftlichen Kräften geprägt oder ein Ausdruck derselben ist, in dieser Welt der Symbole ein Mikrokosmos der Gesellschaft. Er fungiert als ein System, das dem sozialen System entspricht und dieses ausdrückt. In der Tat stellen sich viele Kulturen die Gesellschaft als einen Körper oder eine Körperschaft vor. Wir begreifen den Körper und das gesellschaftliche Leben ausgehend von unserem eigenen Körper.
Die Leib-Seele-Dichotomie
Zusätzlich dazu neigt unsere Gesellschaft zur Trennung von Körper und Geist. Zur Leib-Seele-Dichotomie: Der Körper ist mehr als ein physisches Objekt; er ist vielmehr die Verkörperung des Bewusstseins und der Ort, von dem Absicht, alle Sinne und die Praxis ausgehen. Selbst die kleinsten Gesten und die Umstände, von denen Menschen durchdrungen sind, besitzen eine kulturelle und historische Bedeutung.