Qualitative Interviews: Vorbereitung, Rolle und ethische Aspekte

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Die Rolle des Interviewers: Anregung und kritische Bewertung

Die Intervention muss darauf ausgerichtet sein, den Befragten Anregung und Ermutigung zu geben. Sie zeigt Interesse an den Meinungen und Informationen, die er bietet, und unterzieht diese einer kritischen Bewertung, um durch gezieltes Nachfragen (Sondieren) umfassende und präzise Antworten zu erhalten. Diese Haltung wird von Jesus Ibanez brillant ausgedrückt, wenn er schreibt:

„Die allgemeinen Wirkmechanismen bleiben die Neuformulierung und Interpretation, sondern müssen häufiger als in der Diskussionsgruppe ins Spiel gebracht werden. Die Bewegung des Interviewers im Interview ist so heikel und problematisch wie die einer Schnecke an der Kante einer Rasierklinge. Jede vorgefertigte Gestaltung ihrer Interventionen – sei es durch einen Fragebogen-Leitfaden oder durch die Ursache, das Gericht und den Beklagten – wird in den Diskurs des Befragten hineingeworfen.“

Der stillschweigende Pakt: Garantie für Anonymität und Privatsphäre

Als Garantie für das Interview wird zwischen Forscher und Befragtem eine stillschweigende Übereinkunft (ein Pakt) getroffen, um die widersprüchliche Situation und das Risiko zu lösen, das aus diesem Austausch entsteht – nämlich, dass die vom Befragten geäußerten Meinungen, persönlichen Situationen und Verhaltensweisen verbreitet oder veröffentlicht werden könnten. Durch diesen Pakt wird vereinbart, dass die Äußerungen des Befragten nur unter einem gewissen Grad an Anonymität (keine Namen werden genannt etc.) anderen bekannt gemacht werden dürfen.

Selbst wenn das Interview nicht als Teil einer Untersuchung, sondern für die direkte Aktion des Sozialarbeiters (Beratung, Ressourcenmanagement etc.) dient, beinhaltet die Vereinbarung die Festlegung von Beschränkungen für die Verwendung der Informationen, die der Klient anbietet, d. h. die Grenzen seiner Privatsphäre.

Die kommunikative Funktion des Paktes

Der Pakt hat eine kommunikative Funktion, die auf einem Minimum gemeinsamer Regeln (sprachliche, kulturelle, soziale Codes etc.) basiert. Darüber hinaus müssen die wichtigsten Informationen vom Forscher bereitgestellt werden, wie:

  • Das aktuelle Thema
  • Der Gegenstand der Untersuchung
  • Die Gründe und die Art und Weise, wie sich die durchführende Person oder Institution dem Thema nähert.

Von diesem klaren Ausgangspunkt aus, der festlegt, was vom Befragten erwartet wird, können einige andere Aspekte des Paktes neu verhandelt werden. Es ist jedoch zu beachten, dass dies eine Änderung der Interviewsituation bedeutet.

3.1. Die Interviewsituation und Vorbereitung

Obwohl die Flexibilität des qualitativen Forschungsdesigns und der Mangel an strukturierten, ausführlichen Interviews betont werden, bedeutet dies nicht, dass keine rechtzeitige Vorbereitung erforderlich ist. Kvale behauptet: „Rechtzeitige Vorbereitung ist wesentlich für die Interaktion und das Ergebnis des Gesprächs. Ein sehr wichtiger Teil der Untersuchung sollte vor dem Einschalten des Aufnahmegeräts im Interview geschehen.“

Der Interviewer muss die Person kontextualisieren, um einen kommunikativen Prozess richtig zu eröffnen, in dem der Protagonist – der Befragte – die Freiheit hat, seine eigene Interpretation der Wirklichkeit zu entwickeln. Diese Definition der Situation bedeutet, dass der Interviewer sehr flexibel sein und über ausreichende Ressourcen verfügen sollte, um mit möglichen Überraschungen umzugehen.

Der Ausgangspunkt des Gesprächs ist von entscheidender Bedeutung. Vor allem muss eine Beeinträchtigung der Kommunikation vermieden werden. Der Forscher muss sich die Frage „Wie fange ich an?“ schon lange vor der eigentlichen Situation mit dem Interviewpartner stellen. Je nach Ausbildung, Wissen über das Beobachtungsproblem oder den eigenen sozialen Kompetenzen werden unterschiedliche Strategien für den Zugang zum Interviewthema sowie Mechanismen zur Anpassung an die sozialen, räumlichen oder zeitlichen Gegebenheiten implementiert.

Das Ziel ist einzigartig: Rapport (ein gutes Verhältnis) mit dem Interviewpartner aufzubauen, damit das Interview über die entsprechenden Kanäle fließen kann. „Der Interviewer muss handeln, um den Befragten zum Sprechen zu bringen und dabei Fahrrinnen und dominierenden Diskurs zu vermeiden.“

3.2. Die Rolle des Interviewers: Taktiken und Strategien

Sind die Spielregeln festgelegt, wird der Interviewer seine Taktiken und Strategien nach besten Kräften einsetzen, um die angestrebte verbale Interaktion erfolgreich zu gestalten. Er sollte verschiedene Alltags-Tricks oder Kniffe nutzen, um die Produktivität des Gesprächs zu steigern, Vertrauen zu gewinnen und die sozialen Spielregeln mit dem Beobachtungssubjekt zu erfassen.

Der Interviewer sollte vorantreiben, zurücknehmen, billigen, vertiefen und sogar direkt auf einen Punkt hinweisen – alles im Rahmen eines Spiels, das letztendlich das Ziel verfolgt, eine reiche und auf das Thema zentrierte Rede zu erhalten. In diesem Rahmen ist nicht nur die Unterhaltung, sondern auch die Inszenierung wichtig.

Vermeidung von Interviewer-Bias und Dominanz

Bei jeder kommunikativen Interaktion werden Nachrichten ausgetauscht. Es ist leicht für den Interviewer, sich während der Befragung übermäßig einzubringen. So finden wir Interviews, in denen die Fragen umfangreicher sind als die Antworten, in denen Werturteile eingebracht werden oder in denen eine Identifikation mit den Aussagen des Befragten stattfindet.

Solche schlechten Praktiken können zu einer Verzerrung der eigenen Rede des Befragten führen, da diese durch die vom Forscher/Interviewer auferlegten referentiellen Werte beeinflusst wird.

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