Quellen und Dimensionen des Wissens

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Quellen des Wissens

Einleitung: Der Mensch, der auf verschiedene Weise versucht, Sitten oder Verfahren zu ermitteln, um zu unterschiedlichen Ergebnissen zu gelangen, lebt in der Gegenwart. Er reagiert unterschiedlich auf grundlegende Fragen, um Befriedigung in dem Wunsch zu finden, sich selbst und das Universum zu kennen.

Die Quellen des Wissens, wie sie etwa von Montaigne (1925) beschrieben wurden, sind Wege, der Realität der Dinge zu begegnen. Dabei wird versucht, erklärende Sätze zu erzeugen, welche die Wahrheit konstituieren. Die westliche Gesellschaft und die Erben der westlichen Zivilisation nutzen mindestens fünf Möglichkeiten zur Bewältigung der Wirklichkeit: mystisch, autoritär, rational, historisch und wissenschaftlich.

Das Wissen, das jede dieser Quellen bietet, ist eigenständig und exklusiv, auch wenn einige Fragen nicht nach demselben Kriterium katalogisiert werden können. Sie können weder als rein „alt“ noch als „neu“ gekennzeichnet werden, da sie auch im 21. Jahrhundert in Büchern und Produkten unserer Zeit präsent sind. Trotz der Tatsache, dass die Entwicklung jeder Quelle oft im Gegensatz zu anderen stand (z. B. rational gegen mystisch oder wissenschaftlich gegen autoritär), sollten sie alle als Wissensquellen akzeptiert werden – auch wenn sie Gegenstand von Kritik und Forschungsperspektiven sind.

Mystik

Es ist bekannt, dass ein bestimmter Zustand des Empfängers die Wahrheit dessen garantiert, was gefühlt und gedacht wird. Dieses Wissen ist nicht für jeden zugänglich; es ist unabhängig von Rasse oder sozioökonomischem Niveau, kann aber nur von bestimmten Personen und oft nur in Trance-Zuständen empfangen werden.

Oft wird Gott als Auslöser für diesen Zustand gesehen. Diese Fülle an Wissen wird mit Mystikern wie Santa Teresa de Jesús oder San Juan de la Cruz verbunden. Solche Zustände finden sich jedoch auch bei Dichtern, Künstlern und sogar Wissenschaftlern. Wie Picasso sagte: „Wenn die Inspiration kommt, sollte sie dich bei der Arbeit antreffen.“

In der Wissenschaft ist eine Entdeckung manchmal die Bestätigung einer mystischen Vision. Forscher wie Newton, Galileo, Nash, Fleming und Pasteur trieben ihre Ermittlungen oft nach Momenten tiefer Inspiration voran. Es gibt jedoch auch negative Aspekte, wenn dieses Wissen zur Machtausübung genutzt wird (z. B. durch Schamanen oder Gurus), was zu Unterwerfung oder Ausschluss führen kann. Wenn Wissen mit herrschender Macht identifiziert wird, kann dies zu Tyrannei führen. Andererseits kann mystische Erkenntnis auch inneren Frieden stiften. In der Geschichte diente sie oft dem Zusammenhalt von Gesellschaften durch Mythen.

Heute wird mystische Erkenntnis oft kritisch hinterfragt, um Objektivität von subjektiven Wünschen zu trennen. Ein Beispiel für „erkenntnistheoretischen Betrug“ war der Verdacht gegen die Nominierung Madrids für die Olympischen Spiele 2016. Dennoch bleibt die Mystik eine Quelle der Inspiration und Kreativität, die sogar im Hochleistungssport auf Übungsgeländen und in Stadien sichtbar wird.

Autorität

Dieses Wissen stammt von einer Instanz, die es anderen auferlegt. Man muss zwischen Autorität (auctoritas) und Macht (potestas) unterscheiden, auch wenn beide in einer Person zusammenfallen können.

  • Autorität: Wird durch Attribute wie Alter, Erfahrung, Weisheit oder Kompetenz (z. B. bei Ärzten, Anwälten oder Trainern) verliehen.
  • Macht: Stammt historisch oft aus göttlicher Einsetzung, Gewalt, Vererbung oder in modernen Gesellschaften durch die Übertragung vom Volk.

Macht allein schafft kein Wissen, aber Autorität ist wesentlich. In der Bildung ist etwa 90 % des Wissens autoritär geprägt (durch Lehrer, Eltern oder den Staat). Es wird akzeptiert, weil man der harten Arbeit und dem Respekt der Person vertraut. Auch in der Universität ist die Autorität die Quelle des Schulwissens. Ohne Disziplin und Autorität ist Lernen oft nicht möglich. Ein negativer Aspekt ist der Missbrauch durch Zensur oder die Unterdrückung des freien Denkens (wie in „Der Name der Rose“ dargestellt). Dennoch ist autoritäres Wissen oft zuverlässig, da es auf Erfahrung und Überlegung basiert.

Rationalität

Rationales Wissen stammt weder aus Trance noch aus reiner Autorität, sondern ist das Ergebnis der menschlichen Rationalität. Während Tiere Intelligenz besitzen, fehlt ihnen die reversible Argumentation. Der Mensch kann ohne externe Daten Interpretationen des Universums allein durch die Vernunft erreichen.

Nach Julián Marías ist Vernunft die Erfassung der Wirklichkeit in ihren Verbindungen. Ein rationales System ist gerechtfertigt, wenn Wahrheiten einander stützen. Rationales Wissen ist sicher, solange es den Mustern der Logik folgt. Die Wahrheit macht den Menschen frei. Die zwei Hauptwege der Vernunft sind Induktion und Deduktion. Die Intuition (kartesische Methode) ermöglicht den Zugang zum Wesen der Objekte. Die Deduktion führt von Axiomen zu komplexen Systemen wie der Mathematik oder der formalen Logik.

Historie

Menschen leben auf den Achsen von Zeit und Raum. Um eine Funktion in der Gesellschaft auszuüben, muss man ein Mensch seiner Zeit sein. Berufsbezeichnungen und Techniken ändern sich (z. B. vom Turnlehrer zum Diplom-Sportlehrer). Ohne Kenntnis der sozio-politischen und kulturellen Entwicklung ist es schwer, Wurzeln zu schlagen. Daher ist das Studium der Geschichte der Leibeserziehung und des Sports essenziell.

Auch der Raum prägt das Wissen (ländlich vs. städtisch). Die Globalisierung hat viele Besonderheiten gelöscht, uns aber auch anfälliger für globale Krisen wie Epidemien gemacht. Historisches Wissen nutzt Dokumente, Fossilien und Kunst, um die Zukunft zu formulieren. In Spanien lässt sich die Entwicklung der Sportwissenschaften nicht ohne Bezug auf Institutionen wie die National Academy oder die Central School of Physical Education in Toledo erklären. Wer die Geschichte ignoriert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.

Wissenschaft

Wissenschaftliche Erkenntnis ist die moderne Form des Wissens, die sich seit dem 16. Jahrhundert von der allgemeinen Philosophie trennte. Sie ermöglicht es, Mythen abzulehnen und die Realität durch Beobachtung, Analyse und Experimente zu meistern. Galileo und Bacon legten die Grundlagen der wissenschaftlichen Methode.

Wissenschaftliches Wissen basiert auf zwei Säulen:

  • Dem Vertrauen in beobachtbare Konsequenzen und den Konsens der Fachwelt.
  • Dem Vertrauen in die angewandten Methoden (hypothetisch-deduktiv).

Wissenschaft ist demokratisch; jeder kann sie betreiben, solange er der Methode folgt. Wissen ist niemals absolut, sondern muss falsifizierbar (nach Karl Popper) sein. In den Humanwissenschaften wird oft mit statistischen Tests (Nullhypothese nach Fisher) gearbeitet. Ein Risiko ist der Szientismus, der die Wissenschaft als einzige Erklärung für alles ansieht. Zudem muss die Wissenschaft stets ethisch hinterfragt werden, um nicht Macht oder Geld zu dienen (wie bei chemischen oder nuklearen Waffen).

Glaube, Vermutung und Gewissheit

Die Entwicklung der Wissenschaft ist ein Reifungsprozess der Menschheit, vergleichbar mit der individuellen Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen. Dieser Weg führt vom Glauben über die Vermutung zur Gewissheit.

Glaube (Belief)

Glaube erfordert kein Beweisen, sondern eine Zustimmung. Er bietet psychische Sicherheit. Es gibt verschiedene Arten:

  • Religiöser Glaube an ein höheres Wesen.
  • Empirisch angehauchte Überzeugungen (z. B. Gesundheitsrezepte ohne wissenschaftliche Basis).
  • Eigensinnige Überzeugungen aus Routine oder persönlichem Denken.
  • Ideologische oder politische Dogmen.
  • Allgemeine Meinungen, die oft die Basis für Entdeckungen bilden (z. B. Kolumbus).

Vermutung

Am Anfang der Wissenschaft steht oft eine Vermutung oder ein Zweifel. Vermutungen basieren auf unvollständigen Zeichen oder Studien. In der Mathematik sind Vermutungen Sätze, die richtig erscheinen, aber noch nicht bewiesen sind (z. B. Poincaré, Fermat oder die Goldbach-Vermutung). Sie sind der „Stamm“ des wissenschaftlichen Wissens.

Gewissheit

Die Zustimmung zur Realität erfolgt in Graden:

  • Plausibilität: Akzeptanz basierend auf statistischem Vertrauen.
  • Möglichkeit: Ein Ereignis kann eintreten, ohne echtes Engagement.
  • Wahrscheinlichkeit: Quantifizierbare Sicherheit, die Fehler mit einbezieht.
  • Wahrheit: Subjektive und objektive Sicherheit, frei von Zweifeln.

Wissenschaftler wie Ilya Prigogine („Das Ende der Gewissheit“) kritisieren den Glauben an absolute Wahrheiten. Im 21. Jahrhundert bedeutet Sicherheit oft wahrscheinliches Wissen statt absoluter Erkenntnis. Im Sport müssen viele Mythen entlarvt werden, um eine Theorie der Leibeserziehung aufzubauen, die auf den Arbeiten von Pionieren wie Michael Piernavieja basiert.

Dichotomien des Wissens

Dichotomien dienen in der Wissenschaftsdidaktik dazu, Inhalte klarer darzustellen. Der Bezugsrahmen ist das Verhältnis zwischen Subjekt (Mensch) und Objekt (Realität).

Wahr – Falsch

Wahrheit (griechisch: Aletheia) bedeutet Unverborgenheit. Nach Aristoteles ist ein Satz wahr, wenn er die Dinge so beschreibt, wie sie sind. Das Kriterium der Wahrheit unterscheidet sich zwischen Realismus (Übereinstimmung mit dem Objekt) und Idealismus (Widerspruchsfreiheit des Denkens). Wissenschaftliches Wissen muss real und nicht falsch sein.

Richtig – Unrichtig

Hier geht es um die formale Gültigkeit. Ein Wissen ist korrekt, wenn es den logischen Schritten der Methode folgt. Ein Schiedsrichterurteil kann formal richtig sein, auch wenn es die absolute Wahrheit verfehlt.

Objektiv – Subjektiv

Objektives Wissen ist unabhängig von der einzelnen Person. Feinde der Objektivität sind Ideologien und Vorurteile (Bacons Idole). Objektivität wird durch die Methodik garantiert.

Real – Unreal

Das Reale ist spürbar und unabhängig vom Denken. Unwirklich sind Träume oder Chimären der Vernunft. Im Sport verfälschen oft Wünsche nach Sieg den Realismus.

Materiell – Ideal

Ideales Wissen betrifft ewige Konzepte (Platon). Materielles Wissen ist greifbar und liegt außerhalb der Person. Wissenschaftliches Wissen wird definiert als: wahr, korrekt, objektiv, real und materiell.

Epistemologie, Logik und Methodologie

Diese drei Säulen bilden den Kern wissenschaftlichen Arbeitens:

  • Epistemologie: Untersuchung der Axiome, Annahmen und Ergebnisse der Wissenschaft.
  • Logik: Grundlage des rationalen Denkens und der Kohärenz.
  • Methodologie: Die Synthese aus philosophischen Wegen (Dialektik) und positiven Verfahren (Experiment).

Wer Sport und körperliche Aktivität wissenschaftlich begreifen will, muss sich auf diese drei Referenten stützen, um „kinetischen Betrug“ zu vermeiden.

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