Quim Monzó — Analyse von „Olivetti, Moulinex, Chaffotaux et Maury“
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Quim Monzó: Olivetti, Moulinex, Chaffotaux et Maury
Olivetti, Moulinex, Chaffotaux et Maury. Quim Monzó.
1. Allgemeine Eigenschaften
Die Geschichten haben einige gemeinsame Merkmale:
Städtisches Umfeld als Symbol der Moderne.
Anonyme Figuren: Sie zeichnen sich durch eine Besessenheit aus, die sie von der Außenwelt trennt. Sie haben oft keine psychologische Tiefe, sondern repräsentieren eher eine Idee oder eine Haltung.
Humor und Ironie als Mittel, um die Absurditäten der Sitten und falsche Mythen zu entlarven.
Absurde Elemente: Die Texte entzaubern Alltägliches und zeigen die Wirklichkeit aus ungewohnten Perspektiven.
Variation der Erzählstrukturen: klassische Dreiteilung (Anfang, Entwicklung, Ergebnis) wechselt mit Schleifenstrukturen, die um eine Grundidee kreisen.
2. Themen und Kernpunkte
Ein zentrales Thema in vielen Geschichten ist die Entfremdung des Individuums in einer technisierten Welt, die zu einem Verlust der Identität führen kann.
Viele Buchtitel sind Namen von Geräten, die zwar nicht unbedingt direkt in einer Geschichte vorkommen, aber eine symbolische Funktion erfüllen (z. B. "Thomson, Braun, Corberó, Kuala Lumpur ...").
Weitere Themen:
Passivität und Erstarrung: überwältigende Reaktionen auf Situationen (z. B. "Globe", "The North, South", "Four Rooms").
Transgression: nur scheinbar absurde Reaktionen auf die Umwelt (z. B. "Cacophony", "Das Pflanzenreich").
Isolation und Angst (z. B. "Ein Film", "Globe").
Obsessionale sexuelle Frustration (z. B. "The Lady Salmon", "Das Pflanzenreich", "Die Charta").
Das Ziel der Texte: oft bleibt dem Leser ein Schmunzeln oder Lachen (z. B. "The Lady Salmon", "Tricks").
3. Stilmittel
Wortspiele und Mehrdeutigkeiten sind in vielen Geschichten präsent, bereits in Titeln wie „Kakophonie“ oder „Salmon Queen“, wo der Autor mit dem Wort „Lachs“ spielt (Fisch, Farbe, Bildlichkeit). In "Four Rooms" arbeitet Monzó mit Pünktlichkeit und Unpünktlichkeit.
Metaphern treten häufig auf (z. B. in "The Lady Salmon", "Thomson, Braun ...").
Syntax und Rhythmus: Monzó verwendet gelegentlich Polyßyndeton und parallele Strukturen.
Lautmalerei zieht sich durch das ganze Buch.
Erzählungen im Überblick
Erstes Kapitel: Das Schreiben
Wir beobachten, wie ein Gegenstand im Leben vieler Menschen eine Rolle spielt, etwa familiäre Streitigkeiten, die manchmal beide Kinder beeinträchtigen und in einer bestimmten Umgebung aufwachsen lassen. Es tritt auch der Tod des Vaters auf; die Mutter ist bereits gestorben. Der Tod wird nicht ausdrücklich dramatisch dargestellt, sondern indirekt erwähnt. Die Art der Erzählung lässt den Schluss zu, dass der Tod des Vaters passiert ist, und gerade diese Zurückhaltung macht die Darstellung glaubwürdig und fesselnd. Der Leser interessiert sich für die Handlung und bleibt dabei, die Geschichte zu Ende zu lesen.
Zweite Geschichte: Thomson, Braun, Corberó, Philisave
In dieser Geschichte erleben wir einen seltenen Fall: Ein Schriftsteller unternimmt eine Reise, um sich von der Gesellschaft zu entfernen und neue Eindrücke zu gewinnen. Die Geräte, die ihn umgeben, werden jedoch nicht zu seinem eigentlichen Ziel. Beim Lesen bemerkt man die Hilflosigkeit der Figur, die sich dem Leser gegenüber ähnlich anfühlt. Bis zu einem gewissen Punkt wird die Identifikation so stark, dass der Leser nervös wird, weil die Handlung eher eine humorvolle als eine dramatische Pointe hat. Gleichzeitig liest sich die Geschichte als Kritik an einer Lebensweise, die uns nahezu abhängig von Maschinen macht, auch wenn diese nicht funktionieren und nur unseren vermeintlichen Wohlstand symbolisieren.
Dritte Geschichte: Pfirsich-Apfel
Diese Geschichte erzeugt Paranoia: In einem kleinen Kino verlässt ein scheinbar normaler Junge den Saal, während ein Mädchen weiter einschläft. Er sieht überall etwas, das sich zu einem neurotischen Alptraum steigert. Das Gesicht des Mädchens fehlt, aber ihre Stimme bleibt präsent. Das Ergebnis ist verstörend und verblüffend: Die Erzählung behandelt das Thema bis zu einem Todesfall, doch die Handlung entwickelt sich auf bizarre Weise über den Verlauf eines Monats.
Vierte Geschichte: The Lady Salmon
Eine Liebesgeschichte, die nicht kindgerecht ist. Ein Mann sitzt im Abteil eines Zuges und findet sich in einer merkwürdigen Situation wieder, als eine unbekannte Frau seine Hand berührt. Die Unsicherheit des Mannes wird zum zentralen Moment: Er überlegt und zögert, trifft aber keine Entscheidung. Die Szene schildert die Verwirrung und die Verzagtheit des Mannes, der sich zwischen dem Wunsch zu handeln und dem Rückzug hin- und hergerissen sieht. Schließlich steigt die Frau aus, umarmt einen anderen Mann, küsst ihn und verschwindet. Der Mann bleibt mit unerfüllten Träumen zurück.
Fünfte Geschichte: Cacophony
Kurz gesagt: Wir lesen von einem jungen Mann, dessen bittere Routine und drückendes Leben geschildert werden. Während einer Autofahrt, die wie ein Treffen mit einem Freund wirken soll, kommt es zu mehreren, fast absichtlich heraufbeschworenen Zwischenfällen. Der Freund, der unverantwortlich fährt, lenkt das Auto in verschiedene Richtungen, bis es schließlich gegen eine Balustrade prallt.
Sechste Geschichte: Globe
Ein Mann, der zwanzig Jahre in einem Zirkus gearbeitet hat, gibt diesen Lebensstil auf und nimmt eine Beamtenstelle an. Zwanzig Jahre später kehrt er wieder zum reisenden Leben zurück. Zehn Jahre darauf hat er Teile der Welt bereist; doch allmählich beginnt sein Gedächtnis nachzulassen. Er verliert Erinnerungen, bis er nicht mehr einmal sagen kann, wie es war. Hier spielen altersbedingende Demenz, Melancholie und die Leiden des Erinnerungsverlusts zusammen: Das Gefühl des Verlusts macht die Figur berührend und erinnert an typische Sommererinnerungen und vergangene Verbindungen, die sentimental und melancholisch zugleich sind.
Siebte Geschichte: Nord–Süd
Ein anonymer Mann, N, wirkt nervös und erschöpft. Er spielt einen Streich mit seiner liebenden Begleiterin, die nicht weiß, ob er unverheiratet ist oder nicht. Die Frau bleibt unklar in ihren Aussagen. Schließlich analysiert N allein Vor- und Nachteile seines Handelns und entscheidet sich, die Vorteile zu nutzen, um glücklich zu bleiben.
Achte Geschichte: Tipps
Ein Junge namens Henry beginnt, Anrufe zu erhalten, die ihn allmählich obsessiv beschäftigen. Die Stimme am anderen Ende macht ihm einen Streich; Henry wird immer verzweifelter, versucht, die Nummer zu erreichen und zahlt schließlich für die Leitung. Am Ende bittet er um Geld, um die Verbindung zu bezahlen, wohl wissend, dass die Stimme ihn erneut anrufen wird.
Neunte Geschichte: Russische Puppen
Eine Szene, die nicht erklärt wird: In einem Kino kommt es zu Beschwerden über die Vorstellung, und man entschuldigt sich; den Besuchern wird das Geld zurückerstattet. Ein Mann (nennen wir ihn X) geht nach Hause und hört Radio. Am nächsten Tag wiederholt sich die Szene: beim Aussteigen, beim Frühstück, auf dem Weg zur Arbeit stürzt ein Schauspieler während einer Aufführung; die Szene wiederholt sich vor den Augen des Publikums. Es wird deutlich, dass der Film innerlich nicht weiterführt; die Logik der Ereignisse bleibt diffus. Die letzte Handlung des Mannes ist überraschend und unerwartet.
Zehnte Geschichte: Choose To
Ein Mann ist verwirrt und weiß nicht, was mit ihm nicht stimmt; erst später erkennt er seine inneren Regungen. Eines Tages gesteht er sich, dass er jemanden töten wollte. Nach einem fehlgeschlagenen Versuch flieht er und plant sein Vorhaben weiter. Die Geschichte zeigt, wie ein Mensch mit mörderischen Gedanken ringt, sie erkennt und unterdrückt, bis das Begehren oder die Notwendigkeit sich formiert. Man kann dies als Kritik an einer grotesken Gesellschaft lesen, in der Menschen selten sagen, was sie wirklich denken. Die Einsicht, dass auch wir böse Gedanken in uns tragen, ist ein Tabu, das wenige offenlegen; die meisten unterdrücken solche Regungen.
Elfte Geschichte: Der Brief
Ein Mann begeht Selbstmord, nachdem er die Beziehung zu seiner Exfreundin wieder aufnehmen wollte. Er erhält einen Brief, auf den er mehrfach hätte reagieren können, doch ein Monat verging, und die Situation entlädt sich in einem unverhältnismäßig harten Weg. Die Erzählung zeigt, wie einfache Dinge – von Hass zu Liebe – Menschen an den Rand des Selbstmords treiben können. Es ist eine Geschichte darüber, wie leicht wir Gedanken und Gefühle falsch deuten und wie tragisch die Folgen sein können.
Zehnte Geschichte: Four Rooms
Pünktlichkeit ist eine Eigenschaft, die positiv oder negativ sein kann. In der Geschichte wartet eine Person beständig eine halbe Stunde früher; sie erklärt das Ritual des Wartens als eine Art Vergnügen. Ein Freund erscheint nicht zum verabredeten Termin; dieses Verhalten wiederholt sich über mehrere Tage. Schließlich kommt es zu einer Veränderung in den Beziehungen: die ehemalige Partnerin erscheint schließlich nicht mehr, und es entsteht der Eindruck, als sei ein Grundeindruck in der Gesellschaft im Wandel – von patriarchalen Strukturen hin zu anderen Mustern. Die Erzählung bleibt ironisch und offen für Interpretationen.
Dreizehnte Geschichte: Ein Film
Ein Mann steht vor einem Kino und entscheidet sich schließlich, den Film zu besuchen. Die Kassiererin stempelt die Tickets, doch die Zuschauer klagen über die schlechte Qualität des Films. Der Mann verlässt beinahe das Kino, kehrt dann jedoch wieder zurück; er verliert unterwegs seinen Schlüssel, findet ihn glücklicherweise wieder. Dennoch bleibt etwas Unklares bestehen, und er beschließt, den Film erneut zu besuchen. Monzó spielt hier mit der Idee eines wiederkehrenden, kaum greifbaren Gespensters, das Monat für Monat präsent bleibt: "¿Bin ich von Geistern umgeben?"
Vierzehnte Geschichte: Das Pflanzenreich
Ein kleiner Junge beschreibt, wie er verdorben wird und seine Begierden auslebt. Er trifft ein Mädchen, das er nach Hause begleitet. Am nächsten Tag verhält sie sich abweisend; es kommt zu einer aggressiven Situation, bei der der Junge versucht, das Mädchen zu erzwingen. Das Mädchen hat jedoch eine psychologische Stärke, die ihn abhält. Die Erzählung behandelt das Thema Verkommenheit und die Probleme der Frauen in solch belasteten Situationen. Das Ende bleibt offen und lässt den Leser wissen wollen, wie es weitergeht.
Fünfzehnte Geschichte: Oldeberkoop
Ein Monolog eines Mädchens: Sie wirkt stark konzentriert und möglicherweise unter Einfluss von Drogen. Ihr Freund schreibt und tut nichts dagegen; schließlich wiederholt sich alles Wort für Wort. Das Kapitel ist originell, und die Aktion wiederholt sich täglich. Diese Figuren sind weder stumm noch unsichtbar; ihre Wiederholung macht sie interessant, weil sie wenigstens etwas sagen, das gehört werden will.
Die interessantesten Aspekte
Am erstaunlichsten ist die Vielfalt der Themen, die der Autor behandelt, und wie glaubwürdig alles vermittelt wird. Sehr interessante Kapitel wie Pfirsich-Apfel zählen zu den stärksten des Buches. Viele der Geschichten bestechen dadurch, dass sie unerwartete und seltsame Tatsachen darstellen, die dennoch glaubhaft erscheinen. Beispiele sind The Lady Salmon, Der Brief oder die Geschichten mit Telefonen.
Fazit – Persönliche Einschätzung
Quim Monzós Erzählungen zeichnen sich durch einen ungezwungenen, frischen Stil aus, der oft witzig ist, manchmal aber auch depressive Züge trägt. Die Figuren handeln in verzweifelten, gelegentlich paranoiden oder wahnsinnigen Zuständen. Viele Geschichten regen zum Nachdenken an und stellen kritische Fragen zur Gesellschaft, zur Routine und zur Langeweile. Insgesamt bietet das Buch eine reichhaltige Mischung aus Ironie, Tiefe und überraschender Beobachtungsgabe.