Realismus und Naturalismus: Epochen und Hauptvertreter
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Realismus: Die kulturelle Bewegung des 19. Jahrhunderts
Der Realismus war eine kulturelle Bewegung der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, die sich von der phantasievollen und idealistischen Literatur abwandte. Wesentliche Merkmale sind:
- Beobachtung und genaue Beschreibung der Wirklichkeit: Das Interesse an der Beobachtung der Wirklichkeit verläuft parallel zu den Methoden der experimentellen Wissenschaft.
- Fokus auf Fakten: Die Autoren schreiben realistisch über das, was sie kennen.
- Soziale und politische Kritik: Die Autoren beschreiben die Realität, um konservative Strukturen zu hinterfragen und eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte zu fordern.
- Einfacher und nüchterner Stil: Das Ideal ist stilistische Genauigkeit; der Schriftsteller vergleicht seine Arbeit mit der eines Wissenschaftlers.
- Vorliebe für den Roman: Dieses Genre eignet sich am besten, um die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit wiederzugeben. Typische Merkmale des realistischen Romans sind: Wahrscheinlichkeit, individuelle oder kollektive Akteure, ein allwissender Erzähler, Didaktik, lineare Struktur, detaillierte Beschreibungen und die Verwendung von Umgangssprache.
Naturalismus: Wissenschaft und Literatur
Der Naturalismus ist eine literarische Tendenz, die sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Frankreich entwickelte. Der Schriftsteller Émile Zola vertrat die Ansicht, dass Literatur eine Wissenschaft sei, deren Ziel die Untersuchung des sozialen Umfelds ist. Der Schriftsteller agiert dabei wie ein Wissenschaftler, der Fakten analysiert, ohne in die Erzählung einzugreifen, was das Ideal des objektiven und unpersönlichen Erzählers begründete.
Wichtige Vertreter des Realismus
- Fernán Caballero (Cecilia Bohl de Faber, 1796–1877): In ihren Werken finden sich noch romantische Elemente. Bekannte Werke sind La Gaviota und La familia de Alvareda.
- Pedro Antonio de Alarcón (1833–1891): Ein Vorläufer des Realismus. Sein bekanntestes Werk ist der Roman Der Dreispitz (El sombrero de tres picos).
- Juan Valera (1824–1905): Autor von Romanen wie Pepita Jiménez und Doña Luz. Sein Stil zeichnet sich durch eine kultivierte Sprache, geschickte Konstruktion und den Einsatz von Ironie aus, um Distanz zwischen Autor und Figuren zu schaffen.
- José María de Pereda (1833–1906): Er verteidigt in seinen Werken die idyllische ländliche Welt gegen das Böse der städtischen Gesellschaft. Viele seiner Romane spielen in Kantabrien und gelten als Beispiele für den regionalen Roman.
- Emilia Pardo Bazán (1851–1921): Ihr erzählerisches Werk ist vielfältig. In Werken wie Los Pazos de Ulloa und La madre naturaleza zeigt sich der Einfluss des Naturalismus und des Determinismus, der jedoch durch den religiösen Glauben der Autorin abgemildert wird.
Leopoldo Alas „Clarín“
La Regenta: Ein außergewöhnlicher Roman, der den Ehebruch einer frustrierten Frau thematisiert. Der wahre Protagonist des Werkes ist die provinzielle Gesellschaft, die Clarín nutzt, um die Missstände im Spanien seiner Zeit aufzuzeigen.
In seinem Werk Su único hijo beschreibt er das Leben in einer kleinen Provinzhauptstadt und die frustrierte Ehe eines Paares, deren Beziehungen zu anderen Akteuren die Handlung in ein fremdes Umfeld rücken.