Realismus und Naturalismus im Roman des 19. Jahrhunderts

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Religiöser und ideologischer Dualismus

Einer der wichtigsten Gründe für den realistischen und naturalistischen Roman ist der Konflikt zwischen den verschiedenen Vorstellungen von der Welt, die eine dualistische Herangehensweise an das Leben bieten. Einer der erfolgreichsten religiösen Dualismen im Roman wurde durch die Konfrontation zwischen Klerikalismus und Antiklerikalismus aufgezeigt. Die Verteidigung oder der Angriff auf die Religion konzentriert sich vor allem auf die Geistlichkeit, welche diese offiziell vertritt.

Darüber hinaus ist die politische Vision der literarischen Botschaft auch nach 1868 zu beobachten; die Autoren lassen in ihren Romanen ihre besondere politische Ideologie einfließen. Als Ausdruck dieser thematischen Cluster erscheinen Argumente bezüglich der Verwaltungswelt: die Chefs der Provinzen sowie die Probleme der Arbeitslosen aufgrund der politischen Mechanik der Partei-Machtverschiebung. Jeder Regierungswechsel bedeutete ein Ende für die Verwaltungsfinanziers, die mit der vorherigen Regierung verbunden waren.

Ideologische Gegensätze und Schauplätze

Der ideologische Dualismus spiegelt sich in den gewählten Szenarien wider, um die Argumente zu entwickeln. So begegnen wir dem Konflikt zwischen ländlichen und städtischen Gebieten:

  • Konservative Ideologie: Tendenz zur Idealisierung des ländlichen Lebens, wobei die Landschaft als Ort „guter Taten“ positiv dargestellt wird, während die Stadt als „negative“ Bühne fungiert.
  • Liberale Ideologie: Tendenz, die städtische Umgebung zu bevorzugen oder die negativen Begleiterscheinungen des ländlichen Raums hervorzuheben.

Der Naturalismus in der Literatur

Der Naturalismus ist eine Ableitung des realistischen Romans, dessen Initiator der französische Schriftsteller Émile Zola war. Die Autoren glauben, dass der Mensch nicht frei ist, sondern durch soziale Umstände und biologische Vererbung determiniert wird. In diesen Romanen gibt es eine gewisse Selbstgefälligkeit in den unangenehmen und abstoßenden Aspekten der Wirklichkeit. Die wichtigste Vertreterin in Spanien war die galicische Schriftstellerin Emilia Pardo Bazán, Autorin von Romanen wie „Die Tribune“ und „Das Landgut von Ulloa“ (Los Pazos de Ulloa).

Die Romane von Benito Pérez Galdós

  • Thesenromane: Ideologische Konfrontation zwischen liberalen und traditionalistischen Charakteren, zum Beispiel in „Doña Perfecta“.
  • Zeitgenössische Romane: Diese spielen in Madrid. Die bedeutendsten sind „Stürme“, „Miau“ und sein Meisterstück „Fortunata und Jacinta“. Letzteres beschreibt den Kampf zweier Frauen – eine als Liebhaberin und eine als Ehefrau – um die Liebe des unverantwortlichen Juanito Santa Cruz.
  • Spiritualistische Romane: Hier werden idealistische, weltfremde Charaktere und irrationale Elemente akzentuiert, wie in „Misericordia“, „Nazarin“ und „Tristana“.

Galdós' Realismus zeichnet sich durch seine Offenheit für irrationale Elemente (Traum, Wahnsinn etc.) sowie durch einen Hauch von Cervantes'schem Humor aus. In der narrativen Produktion von Clarín (Leopoldo Alas) ragt besonders der Roman „Die Regenta“ heraus.

Ehe und Ehebruch als literarische Motive

Wenn in der Ehe Schwierigkeiten in der Liebe entstehen, begegnen wir dem Ehebruch als privilegiertem Argument im Roman der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der tödliche Ausgang der Situation ist für die Ehebrecherin am häufigsten. Dieser thematische Schwerpunkt wird durch die soziale Ächtung der Zeit gestützt, besonders wenn es um Frauen geht.

Angesichts dieser „realen“ Situation ist es nicht verwunderlich, dass dieser literarische Charakter in ganz Europa anzutreffen ist:

  • Flauberts Madame Bovary
  • Tolstois Anna Karenina
  • Theodor Fontanes Effi Briest
  • Claríns Ana Ozores (La Regenta)

Der am Ehebruch beteiligte Mann befindet sich in einer anderen Situation als die Frau. Wenn er ledig war, wurde er oft mit den Zügen des traditionellen Don Juan markiert. Trotz der moralischen Verwerflichkeit seines Verhaltens als Wüstling wurde er oft als „Sklave seiner natürlichen Neigungen“ entschuldigt, im Gegensatz zur harten Verurteilung der Frau.

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