Realität und Poesie in Bernarda Albas Haus

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Das Werk Bernarda Albas Haus (La casa de Bernarda Alba) basiert auf realen Begebenheiten. Die Familie Alba existierte tatsächlich, und der Autor Federico García Lorca konnte sie 1935 beobachten und als Vorlage nutzen.

Die realistische Kulisse

Das Haus spiegelt eine typisch andalusische Umgebung wider: Jutevorhänge mit Quasten und Rüschen, Rohrkolbenstühle, dicke Mauern und Torbögen. Die weiße Farbe des Hauses ist symbolisch und verblasst im Laufe der Akte, wobei sie in den späteren Akten einen bläulichen Farbton annimmt.

Neben dem Weiß dominiert das Schwarz der Trauer: schwarze Kleider und Fächer. Dieser Kontrast zwischen Schwarz und Weiß akzentuiert das Martyrium, besonders im dritten Akt, wenn Bernarda in Unterröcken und mit schwarzem Schal erscheint.

Gesellschaftliche Strukturen und Rollenbilder

Das Werk spiegelt die patriarchalische (bzw. matriarchale) Gesellschaft jener Zeit wider, in der Rebellion zu Unglück führt. Die Rollenverteilung ist klar definiert: "Nadel und Faden für die Frauen. Peitsche und Maultier für die Männer."

Ehen wurden oft aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen, nicht aus Liebe. Die Frau hatte sich dem Ehemann unterzuordnen und durfte keine Fragen stellen.

Realistische Elemente im Werk

  • Gesellschaftsbild: Ein präzises Abbild der damaligen, in soziale Gruppen unterteilten Gesellschaft mit all ihren Fehlern.
  • Folklore: Einbeziehung von Kleidung, Aberglauben, religiösen Praktiken und dem sozialen Druck durch das "Was die Leute sagen".
  • Sprachgebrauch: Authentische Verwendung der Sprache.

Poetische und symbolische Elemente

Lorca ergänzt den Realismus durch eine tiefgreifende Symbolik:

Wichtige Symbole

  • Wasser: Steht für sexuelles Verlangen und Fruchtbarkeit, kann aber auch als stehendes, vergiftetes Wasser den Tod symbolisieren.
  • Farben: Weiß steht für Leben und Freiheit, Schwarz für Trauer und Unterdrückung. Grün symbolisiert Hoffnung und Vitalität (z. B. Adelas grünes Kleid).
  • Weizen und Stroh: Symbole für männliche Fruchtbarkeit und Sexualität.
  • Der Hengst: Repräsentiert die Kraft der Natur, Instinkt und ungezügelte Leidenschaft.
  • Blumen: Symbole für Liebe, Leidenschaft und sexuelles Verlangen.
  • Das Schaf: María Josefas Schaf am Ende des Werkes könnte sich auf das Opfer beziehen, das Adela bringt.

Literarische Einflüsse

Wissenschaftler sehen Verbindungen zur literarischen Tradition des Goldenen Zeitalters, insbesondere zum Ehrbegriff bei Calderón de la Barca. Auch Einflüsse aus der Celestina hinsichtlich des Verhaltens von Herrschaft und Dienerschaft sind erkennbar.

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