Die Regierung: Aufgaben, Zusammensetzung und Vertrauensfrage
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Die Regierung
Aufgabenbereiche des Staates
Die Regierung ist die Institution, die für die Leitung der Innen- und Außenpolitik verantwortlich ist und als solche die Verwaltung leitet. Sie erfüllt daher zwei Funktionen: die politische Führung und die exekutive Funktion. Ihre Aufgaben sind:
- Leitung der zivilen und militärischen Verwaltung.
- Führung des allgemeinen Staatshaushalts.
- Ausübung der Regelungsbefugnis. Die Regierung, der Rat und die Minister können Dekrete (Königliche Dekrete, die vom König erlassen werden), Anordnungen des Regierungsausschusses und ministerielle Anordnungen genehmigen.
- Erlass von Vorschriften mit Gesetzeskraft, wie Gesetzesdekrete und gesetzliche Verordnungen.
Der Premierminister
Der Premierminister leitet die Tätigkeit der Regierung und koordiniert die Aufgaben der anderen Mitglieder. Er ist ein zentraler Bestandteil des Systems.
Ernennung des Premierministers
Er wird vom König ernannt, nachdem das Abgeordnetenhaus ihm das Vertrauen ausgesprochen hat. Darin unterscheidet er sich von den anderen Regierungsmitgliedern, die der König auf Vorschlag des Premierministers ernennt. Die Ernennung des Premierministers erfolgt in folgenden Fällen:
- Nach allgemeinen Wahlen.
- Bei freiwilligem Rücktritt des Premierministers.
- Nach dem Tod des Premierministers.
- Bei Vertrauensverlust, d.h. nach einem erfolgreichen Misstrauensantrag oder der Ablehnung einer Vertrauensfrage.
Das schematische Verfahren zur Ernennung ist wie folgt:
- Der König führt Konsultationen mit den parlamentarischen Fraktionen und nominiert einen Kandidaten.
- Der Kandidat stellt sein Programm im Abgeordnetenhaus vor.
- Es folgt die Abstimmung über die Amtseinsetzung (Investitur).
- Wird keine absolute Mehrheit erreicht, folgen weitere Vorschläge.
- Wenn innerhalb von zwei Monaten kein Kandidat gewählt wird, löst der König die Kammer auf und ruft Neuwahlen aus.
Ein Kandidat kann auch durch einen Misstrauensantrag vorgeschlagen werden. Sobald ein Kandidat das Vertrauen des Kongresses erhalten hat, wird er vom König ernannt. Der Ernennungsakt wird vom Präsidenten des Kongresses gegengezeichnet.
Zusammensetzung der Regierung
Die Regierung besteht aus dem Premierminister, gegebenenfalls einem oder mehreren Vizepräsidenten, den Ministern und weiteren gesetzlich festgelegten Mitgliedern. Die Minister leiten die jeweiligen Ressorts, in denen die öffentliche Verwaltung organisiert ist, wobei es auch Minister ohne Geschäftsbereich geben kann. Zu den weiteren wichtigen Mitgliedern der Ministerien gehören die Staatssekretäre für einzelne Fachbereiche.
Der Ministerrat
Der Ministerrat ist das höchste Kollegialorgan der Regierung. Er fasst Beschlüsse, die nicht dem Premierminister vorbehalten sind, insbesondere die Genehmigung von Verordnungen, die vom König erlassen werden. Er besteht aus dem Premierminister, den Vizepräsidenten und den Ministern. Die Anwesenheit anderer Personen, wie z. B. der Staatssekretäre, ist jedoch nicht ausgeschlossen. Die Regierung kann auch durch Regierungskommissionen handeln, um die Arbeit verschiedener Ministerien zu koordinieren.
Grundsätze des Regierungshandelns
- Primat des Premierministers: Er leitet die Regierung.
- Kollegialorgan: Entscheidungen werden gemeinsam getroffen.
- Solidarische Verantwortung: Die politische Verantwortung der Regierungsmitglieder ist gesamtschuldnerisch.
- Individuelle Verantwortung: Jedes Regierungsmitglied trägt zusätzlich die individuelle Verantwortung für seine Amtsführung.
Ernennung und Abberufung der Mitglieder
Die Regierungsmitglieder werden vom König auf Vorschlag des Premierministers ernannt und abberufen. Die gesamte Regierung scheidet in den folgenden drei Fällen aus dem Amt:
- Nach allgemeinen Wahlen.
- Bei Vertrauensverlust im Parlament.
- Durch Tod oder Rücktritt des Premierministers.
In allen Fällen bleibt die scheidende Regierung geschäftsführend im Amt, bis die neue Regierung ernannt ist.
Rechtlicher Status der Regierungsmitglieder
Die Mitglieder der Regierung genießen als solche keine Immunität. Ihre strafrechtliche Verantwortlichkeit kann jedoch ausschließlich vor dem Obersten Gerichtshof geltend gemacht werden.
Organisation der Ministerien
An der Spitze jedes Ministeriums steht ein Minister. Unter seiner Autorität steht in der Regel ein Staatssekretär, dem ein Technischer Generalsekretär unterstellt ist. Die administrativen Bereiche der Ministerien sind in Generaldirektionen gegliedert, die manchmal von einem Generalsekretär koordiniert werden. Der Staatssekretär ist für die politische Tätigkeit zuständig, wozu auch die Leitung einiger Generaldirektionen gehört. Alle diese Ämter werden durch Königliches Dekret des Ministerrates frei ernannt.
Das Vertrauensverhältnis zum Parlament
Nachdem der Premierminister das Vertrauen des Parlaments erhalten hat, gibt es zwei Verfahren, um zu überprüfen, ob dieses Vertrauen noch besteht:
Der Misstrauensantrag
Dies ist ein Antrag des Abgeordnetenhauses, um die Regierung zu tadeln. Wird er angenommen, bedeutet dies, dass die Regierung das Vertrauen verloren hat. Das System gemäß unserer Verfassung ist ein konstruktiver Misstrauensantrag. Das bedeutet, dass für seine Annahme gleichzeitig die Wahl eines neuen Premierministers durch die absolute Mehrheit des Kongresses erforderlich ist. Die wichtigsten Schritte sind:
- Initiative: Der Antrag muss von mindestens einem Zehntel der Abgeordneten eingebracht werden und einen Vorschlag für einen neuen Premierminister mit dessen ausdrücklicher Zustimmung enthalten.
- Reflexionsphase: Nach der Zulassung durch das Präsidium darf die Abstimmung frühestens fünf Tage nach der Einreichung stattfinden.
- Debatte: Zunächst verteidigt einer der Unterzeichner den Antrag, woraufhin die Debatte eröffnet wird.
- Abstimmung: Für die Annahme ist die absolute Mehrheit des Kongresses erforderlich.
- Auswirkungen: Wird der Antrag abgelehnt, bleibt die Regierung im Amt. Wird er angenommen, muss die Regierung ihren Rücktritt beim König einreichen. Der vorgeschlagene Kandidat gilt als mit dem Vertrauen des Hauses ausgestattet, und der König ernennt ihn zum Premierminister.
Die Vertrauensfrage
Dies ist das Instrument der Regierung, um zu überprüfen, ob sie weiterhin das Vertrauen des Parlaments genießt. Die wichtigsten Schritte sind:
- Initiative: Die Initiative liegt beim Premierminister nach Beratung im Ministerrat. Die Frage kann sich auf ein Regierungsprogramm oder eine politische Grundsatzerklärung beziehen und wird beim Präsidium des Kongresses eingereicht.
- Reflexionsphase: Es muss ein Mindestabstand von 24 Stunden zwischen der Einreichung und der Abstimmung liegen.
- Debatte: Die Debatte findet zwischen dem Premierminister und den Fraktionen statt.
- Abstimmung: Für die Annahme ist die einfache Mehrheit der Abgeordneten erforderlich.
- Auswirkungen: Wird die Vertrauensfrage angenommen, wird die Regierung im Amt bestätigt. Wird sie abgelehnt, muss die Regierung zurücktreten, und der König beginnt Konsultationen zur Nominierung eines neuen Kandidaten.