Die Renaissance: Geburt der modernen Welt

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Die Geburt der modernen Welt (Ende des 15. bis zum frühen 16. Jahrhundert) war die Folge von Ereignissen verschiedenster Art. Dazu gehörten vor allem geografische Entdeckungen (wie die Entdeckung Amerikas), aber auch ideologische Phänomene wie die Überwindung der mittelalterlichen Weltanschauung. Dabei rückte die Religion aus dem Fokus, und eine neue Mentalität entstand.

Begriffsgeschichte und Säkularisierung

Der Begriff Renaissance wurde im 19. Jahrhundert von Jules Michelet und Jacob Burckhardt geprägt, der 1860 das Werk „Die Kultur der Renaissance in Italien“ veröffentlichte. Die Bedeutung des Wortes Renaissance im Verhältnis zum Mittelalter ist umstritten. Das wichtigste Merkmal war die Säkularisierung: Während der mittelalterliche Mensch primär um die Religion besorgt war, emanzipierte sich der Mensch der Renaissance und wurde zum Zentrum des Denkens. Diese Ideen spiegelten sich auch in der Politik wider, da sie ein Modell entwarfen, das die mittelalterliche Vorstellung vom Gottesreich übertraf. Es entstand eine säkulare politische Form, die in Italien als „Staat“ bezeichnet wurde. In diesem Sinne zeichnet sich der Renaissance-Mensch durch seine Individualität, seine Liebe zur Kunst und Literatur sowie durch ein verfeinertes höfisches und gesellschaftliches Leben aus – im Gegensatz zum alten monastischen Ideal. All dies geschah mit Bezug auf die Antike, wobei griechische und römische Modelle als Vorbild dienten.

Kontinuität und Wandel

Die Vorstellung eines scharfen Bruchs mit der Vergangenheit wurde später teilweise verworfen, da eine gewisse Kontinuität besteht. Diese Übergangszeit wird von Johan Huizinga auch als der „Herbst des Mittelalters“ bezeichnet. Mediävisten versuchen seit Jahren, das negative Image dieses fast 1000-jährigen Zeitraums zu korrigieren, indem sie die Bedeutung der Kathedralen und der damaligen Autoren hervorheben.

Die Entstehung des modernen Staates

Die wesentliche Neuerung der Renaissance war die Entstehung des Staates. Dieser wurde um 1500 geboren, etwas später als die Kunst der Renaissance. Er entstand durch die Überwindung des Feudalismus als politisches System. Zuvor basierte die Macht auf zwei universellen Kräften – dem Papsttum und dem Imperium – sowie auf lokalen Autoritäten. Ihnen gegenüber gewannen im 13., 14. und 15. Jahrhundert die Königreiche an Bedeutung, also landbasierte Monarchien, die weder rein universell noch rein lokal waren. Die politische Macht der Könige wuchs stetig, und der Staat übernahm zunehmend Hoheitsrechte wie das Münzwesen oder das Militär.

Soziale und akademische Grundlagen

Diese Monarchien fanden soziale Unterstützung in der städtischen Bourgeoisie, die durch den starken Warenhandel erstarkte. Dadurch verlor die alte sozioökonomische Aristokratie, deren Macht auf feudalem Grundbesitz beruhte, an politischem Einfluss. Der Aufstieg der Universitäten in den Städten wurde von den Königen gefördert. Dort bildete sich eine Generation von Bürokraten und Juristen heraus, in deren Ausbildung zwei Elemente der Antike entscheidend waren: die griechische Philosophie (Aristoteles) und das römische Recht.

Regionale Ausprägungen in Europa

In Universitäten wie der Sorbonne, in Salamanca oder Bologna entwickelte sich das geistige Klima, das in der Überwindung des mittelalterlichen Weltbildes und der Entstehung der Moderne gipfelte. Die Voraussetzungen für den modernen Staat festigten sich zuerst in Italien durch die Signoria, die oft auf eine tyrannische, aber effiziente Weise regierte, ungeachtet von Legitimität oder Ethik. Obwohl dieser Prozess im 14. Jahrhundert in Nord- und Mittelitalien begann, festigte er sich auf nationaler Ebene erst im 19. Jahrhundert. Ähnlich verhielt es sich in Deutschland, wo unter der symbolischen Macht des Kaisers die Freiheit der Städte und kleinen Fürstentümer erhalten blieb.

Die Entwicklung zum modernen Staat verlief in anderen Ländern wie folgt:

  • Frankreich: Im 16. Jahrhundert entwickelte sich die Monarchie zum Prototyp des Absolutismus.
  • England: Hier hielt sich das Gleichgewicht zwischen dem König, der Aristokratie und der Bourgeoisie.
  • Spanien: Es entstand ein weniger starrer Absolutismus, der zur sogenannten Hispanischen Monarchie führte – ein flexiblerer Staat zwischen den mittelalterlichen Königreichen, der aus der Vereinigung durch die Katholischen Könige hervorging und regionale Eigenheiten bewahrte.

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