Renaissance-Skulptur: Italien und Spanien im Vergleich
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Skulptur der Renaissance in Spanien
Das Hauptproblem der spanischen Skulptur ist religiöser Natur. Sie dient oft als Friedhofsplastik, ähnlich der gotischen Tradition. Die Skulptur gewinnt eine neue Bedeutung: Der Mensch versucht, seine Sterblichkeit durch sein Handeln zu überwinden, beeinflusst durch den Personenkult der italienischen Renaissance. Materialien: Bemaltes Holz und Stein.
Wichtige Werke finden sich im Chor der Kathedrale von Toledo oder in der Kirche San Marcos in León. Die Retablos (Altaraufsätze) wurden parallel zur Architektur entwickelt.
Bedeutende Friedhofsplastiken
- Domenico Fancelli: „Grab von Prinz Johann“ (Einfluss von Donatello) und „Grab der Katholischen Könige“ mit religiösen Szenen.
- Bartolomé Ordóñez: „Grabmal von Johanna der Wahnsinnigen und Philipp dem Schönen“ sowie das „Grabmal von Kardinal Cisneros“.
- Baskische Einflüsse: „Grabmal“ im Chorumgang der Kathedrale von Ávila.
Berruguete und Juan de Juni
Berruguete verfälscht die Proportionen seiner Figuren, um durch komplizierte Positionen ein Gefühl der Instabilität zu erzeugen. Seine Werke, wie die Retablos von „Olmedo“ und „San Benito“, wirken teils karikaturhaft. In der Darstellung von Abraham und Isaak zeigt sich der Einfluss von Donatello durch die Bewegung der Kleidung und Muskelverspannungen.
Juan de Juni arbeitete am Chor der Kirche San Marcos in León. Er zeigt eine große Meisterschaft in der Bearbeitung von Stein und Holz sowie ein tiefes Interesse an der Anatomie. Seine Gesichter sind von dramatischer Ausdruckskraft, wie in der „Grablegung Christi“ in Valladolid, wo er den Realismus der idealisierten Schönheit vorzieht.
Italienische Renaissance-Skulptur
Die italienische Skulptur erreichte eine vollständige Unabhängigkeit von der Architektur. Das Streben nach Schönheit, Ausgeglichenheit und anatomischer Korrektheit stand im Vordergrund. Der menschliche Körper wurde als höchstes Gut erhoben, beeinflusst durch die platonische Philosophie.
Wichtige Techniken und Merkmale
- Materialien: Marmor und Bronze (oft im Wachsausschmelzverfahren).
- Reliefkunst: Entwicklung der Schiacciato-Technik für erstaunliche perspektivische Effekte.
Quattrocento: Ghiberti und Donatello
Ghiberti ist bekannt für die „Paradiespforte“ des Baptisteriums in Florenz, die biblische Szenen mit klassischer Eleganz verbindet. Donatello gilt als bedeutendster Bildhauer seiner Zeit. Seine Werke wie der „Heilige Georg“ oder der „David“ (1440) zeigen eine intensive Auseinandersetzung mit der menschlichen Anatomie und Perspektive.
Cinquecento: Michelangelo und Manierismus
Michelangelo prägte das Cinquecento maßgeblich. Sein „David“ (1504) zeugt von perfekter anatomischer Kenntnis, während sein „Moses“ die sogenannte Terribilità (eine machtvolle, fast erschreckende Ausdruckskraft) verkörpert. Späte Werke wie die „Pietà Rondanini“ zeigen eine Abkehr von der Vollendung hin zu einer tiefen emotionalen Reduktion.
Der Manierismus wird durch Künstler wie Benvenuto Cellini („Perseus“) und Giambologna („Raub der Sabinerinnen“) repräsentiert, die durch dynamische und komplexe Kompositionen bestechen.