René Descartes: Schlüsselbegriffe der Kartesischen Philosophie

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Seele (Alma): Geistige Substanz und Unsterblichkeit

Die Seele ist eine geistige Substanz, die keinen Anfang und kein Ende hat (unendlich). Sie ist einfach, da sie nicht in Teile zerlegt werden kann und somit unsterblich ist. Als Substanz ist sie unabhängig vom Körper und benötigt diesen nicht, um zu existieren. Sie ist das Prinzip des Bewusstseins, das heißt, das, wodurch ich mir meiner selbst bewusst bin.

Gewissheit: Die Grundlage der Evidenz

Gewissheit ist der Akt der perfekten Erkenntnis, die durch Klarheit und Unterscheidung gekennzeichnet ist und zur Überzeugung der Wahrheit führt. Sie ist die Sicherheit, die der Wahrheit unterliegt und die Grundlage der Beweise bildet. Sie bezieht sich auf den Nachweis, dass etwas wahr ist. Es ist jedoch zu beachten, dass auch falsche Sicherheit existieren kann (sicher zu sein, dass etwas falsch ist).

Klarheit und Unterscheidung: Kartesische Evidenz

Diese sind die wesentlichen Merkmale der Evidenz und gehören zur ersten Regel der kartesischen Methode.

  • Klarheit (Claro): Eine Vorstellung ist transparent, eindeutig und sichtbar für die Vernunft.
  • Unterscheidung (Distinto): Klare Vorstellungen müssen differenziert werden, sodass sie unverwechselbar sind.
Der Körper: Materielle und ausgedehnte Substanz

Der Körper ist eine ausgedehnte, materielle Substanz, die durch Form begrenzt ist und Raum einnimmt. Er kann gewogen und gemessen werden. Seine Funktionsweise gleicht einer Maschine, wobei die Bewegung der Teile das Ganze bewegt. Der Körper ist endlich, begrenzt und sterblich.

Gott: Die unendliche Substanz und Quelle der Wahrheit

Gott ist die unendliche Substanz (Ser Infinito). Er hat die Idee der Unendlichkeit in meinen Geist gesetzt, und seine Präsenz beweist seine Existenz. Gott besitzt alle Vollkommenheiten, die für die perfekte Existenz notwendig sind. Er ist allmächtig und gut. Ein fundamentales Attribut Gottes ist die Wahrheit.

Der Kartesische Zweifel: Methodischer Ausgangspunkt

Der Zweifel ist der kartesische Ausgangspunkt. Es ist eine Erkenntnishaltung, die den Geist dazu anregt, alles in Frage zu stellen, was theoretisch unbekannt ist. Dieser Zweifel ist methodisch, nicht skeptisch, und führt zur universellen Wahrheit (Verdad Universal). Er erstreckt sich auf:

  1. Die Sinne
  2. Träume
  3. Den bösen Genius (Deus Deceptor)

Er wird jedoch nicht auf den Glauben angewandt.

Ausdehnung (Extensio): Die Eigenschaft der Materie

Ausdehnung ist die wesentliche Eigenschaft der gesamten materiellen oder körperlichen Welt (Breite, Höhe und Tiefe). Alles, was nicht denkt, ist ausgedehnt und mathematisierbar. Diese ausgedehnte Substanz kann im Raum berechnet, gemessen und durch begrenzte kartesische Koordinaten gerahmt werden. Sie ist endlich und stirbt.

Der Mensch: Union von Denken und Ausdehnung (Dualismus)

Der Mensch ist die zufällige Vereinigung von zwei Substanzen: der denkenden Substanz (Seele) und der ausgedehnten Substanz (Körper). Seele und Körper sind getrennte Substanzen, aber durch die Zirbeldrüse miteinander verbunden (kartesischer Dualismus). Der Mensch kann als eine denkende Maschine betrachtet werden.

Die Idee: Objekte des Denkens

Die Idee ist jedes Objekt des Denkens. Es gibt drei Arten von Ideen:

  1. Zufällige Ideen (Adventitias): Vorübergehend, kommen von außen (Sinneswahrnehmung).
  2. Künstliche Ideen (Fictitias): Kommen aus der eigenen Fantasie.
  3. Angeborene Ideen (Innatas): Sind immer im Geist vorhanden (z. B. Gott, Ich, Substanz).
Die Kartesische Methode: Der Weg zur Wahrheit

Die Methode ist eine Reihe geordneter und sicherer Regeln, um Fehler zu vermeiden und wahre Erkenntnis zu erlangen. Sie ist das Werkzeug, um den Weg zur Wahrheit zu finden und neue Wahrheiten zu entdecken. Die Methode besteht aus vier Regeln:

  1. Evidenz (Beweis)
  2. Analyse
  3. Synthese
  4. Enumeration (Vollständigkeit)
Die Welt: Materielle, endliche und mathematisierbare Realität

Die Welt ist eine ausgedehnte Substanz, eine materielle und endliche Realität. Sie ist eine gedankenlose, körperliche und geometrische Ausdehnung, die mathematisierbar ist. Die Welt wird als eine große Maschine betrachtet, die aus kleineren Maschinen besteht. Sie existiert, weil Gott wahrhaftig ist und nicht täuscht. Die Idee der Welt ist eine angeborene Idee.

Denken (Cogito): Der Akt des Bewusstseins

Denken ist ein Akt des Bewusstseins, das heißt, alles, dessen wir uns bewusst sind (Verstehen, Zweifeln, Vorstellen, Wollen). Der Gedanke ist in der denkenden Substanz (Seele) verankert. Es gibt nichts im Denken, das nicht von dort stammt.

Die Vernunft (Ratio): Grundlage des Rationalismus

Die Vernunft ist die Fähigkeit, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Sie ist die vorrangige menschliche Fähigkeit, die den guten Gebrauch des natürlichen Lichts ermöglicht. Sie bildet die Grundlage des Rationalismus, wobei Wissen primär auf die Vernunft bezogen wird. Daher besteht Misstrauen gegenüber den Sinnen.

Substanz: Das, was zur Existenz nichts benötigt

Substanz ist das, was nichts anderes als Basis oder Unterstützung benötigt, um zu existieren. Es gibt drei Arten von Substanzen, die sich in ihren Eigenschaften und Qualitäten unterscheiden:

  • Die denkende Substanz (Seele)
  • Die unendliche Substanz (Gott)
  • Die ausgedehnte Substanz (Körper/Welt)
Die Wahrheit: Ziel der kartesischen Philosophie

Die Wahrheit ist das Ziel der kartesischen Methode und Philosophie. Wahrheit wird als Gewissheit und als Beweis für ein wahres Urteil verstanden. Sie beinhaltet das Verstehen und die Entdeckung des Willens. Descartes lehnt den Skeptizismus ab, um die Wahrheit zu finden.

Das Ich (Ego): Die erste angeborene Idee

Das Ich ist die erste angeborene Idee, die nach Descartes klar und deutlich ist. Es ist der Beweis und das Subjekt meiner Gedanken. Es setzt die Entdeckung des Denkens selbst voraus (Cogito ergo sum – Ich denke, also bin ich).

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