Ressentiment, Sklavenmoral und Priesterkaste – Nietzsches Analyse
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Krieger- und Priesterkaste
Ein Weg, um die gegensätzlichen Bewertungen verschiedener Kasten zu beurteilen: die Kaste der Krieger und die der Priester.
Die ritterlich-aristokratischen Werte beruhen auf einer starken Konstitution und auf einem Lebensstil, der Krieg, Abenteuer, Jagd und Kampf ermöglicht. Andere Maßstäbe prägen jedoch die Bewertung der Priesterkaste: Für sie erscheinen die Dinge schlecht, sobald der Krieg naht.
Die Konfrontation zwischen den beiden Kasten führt dazu, dass die Priester ihre Ohnmacht und ihren Hass, angetrieben vom Ressentiment, in Rachepläne und in eine Umwertung der Werte umsetzen. Mit den Juden begann der Aufstand der Sklaven, die Umwertung der Werte: vererbt durch das Christentum und bis heute siegreich. Frage: Wie konnte das Priestertum Macht über die Werte etablieren?
Jüdische Priesterkaste und Jesus
Die jüdische priesterliche Kaste, geboren aus Armut und Schwäche, wurde zum Ziel von Hass und Rache; sie fand in Jesus ein Instrument ihrer Rache und den passenden Köder zur Verallgemeinerung ihrer Moral.
Täuschung und Sklavenmoral
Die Sklavenmoral hat gesiegt: Heute ist vieles jüdisch-christlich und plebejisch. Das Gift läuft unkontrolliert durch das Blut der Menschheit, und nur die Kirche bremst diese Entwicklung mit ihrem rauen und rohen Verhalten, weil sie Ekel erzeugt — doch wir lieben ihr Gift.
Der Sklavenaufstand in der Moral
Der Sklavenaufstand in der Moral beginnt damit, dass das Ressentiment selbst schöpferisch wird und neue Werte gebiert. Unfähig zur direkten Reaktion — die Klage ist ihre Form — führt der Groll zur Rache in der Vorstellung. Die edle Moral ist die Bejahung der Selbstbestimmung und der Freiheit; die Sklavenmoral hingegen ist aus Ressentiment geboren, als Verneinung des Fremden.
Der edle Mensch ist ehrlich, naiv, aufrichtig und wahrhaftig; er begeht keine Hassakte gegen andere, empfindet jedoch eine unvorsichtige Verachtung und Missachtung gegenüber anderen, ohne Rücksicht auf den Feind. Der Mensch des Ressentiments ist das Gegenteil: Er verehrt Klugheit, verspottet das Andere, begreift es als Feind und definiert es als das Böse, um so seine Antithese zu bilden. Nietzsche spielt mit dem christlichen Ausdruck, wenn er sagt, dass nur der Edle seine Feinde liebt, weil dieser Unterschied aus ihm hervorgeht.
Folgen des Sieges der Sklavenmoral
Nietzsche bestreitet nicht, dass die edlen Männer — gekennzeichnet durch Sanftmut, Loyalität, Stolz, Freundschaft und Respekt — außerhalb ihres Kreises wie Raubtiere handeln können. Dennoch ist der Sieg der Sklavenmoral ein Rückschritt für die Menschheit. Es ist besser, gefürchtet und bewundert zu werden, als in Gleichgültigkeit und Mittelmäßigkeit zu versinken. Der Mensch von heute erscheint sanftmütig, mittelmäßig und vergiftet; das Edle im Menschen geht dadurch verloren.