Die Romanautoren der Generación del 98: Unamuno, Baroja, Azorín

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Merkmale der Romanciers der Generación del 98

Der deutliche Wille zur Erneuerung und Verbesserung der Techniken des Realismus prägt die Romanciers dieses Jahrhunderts. Wichtige Merkmale sind:

  • Subjektivität: Der Roman wird zu einem Instrument zur Erkenntnis der Wirklichkeit und zu einem Mittel, die Gedanken und Gefühle des Autors auszudrücken (Unamuno).
  • Interesse an Bild und Ausdruck (Valle-Inclán).
  • Verlust der Bedeutung des Arguments: Die Handlung gliedert sich in Szenen (Azorín).
  • Die Landschaft wird von einem bloßen Rahmen zu einem Symbol (Azorín).

Miguel de Unamuno: Existenzielle Dramen und die Nivola

Unamunos widersprüchlicher und unorthodoxer Geist spiegelt sich in seinen Werken wider, mit denen er das Gewissen seiner Landsleute wecken wollte. Seine Erzählungen konzentrieren sich auf die Probleme der menschlichen Existenz.

Die Nivola – Unamunos Erzählmodell

Er erneuerte das Roman-Genre und erfand das Wort Nivola, um sein expressives Erzählmodell zu beschreiben. Charakteristika der Nivola sind:

  • Nacktheit: Keine Beschreibungen oder Sittenbilder.
  • Fokus auf intime Dramen.
  • Wichtigkeit des Dialogs.
  • Ein einzelner, agonistischer Charakter, der gegen die Idee des Todes kämpft.
  • Vermischung von realen Charakteren mit Fiktion.
  • Offene Architektur und innerer Monolog.

Wichtige Werke Unamunos

  • Frieden im Krieg (Paz en la guerra): Berichtet über die Karlistenkriege und hat einen autobiografischen Hintergrund.
  • Liebe und Pädagogik (Amor y pedagogía): Erzählt die Geschichte von Don Avito Carrascal, der scheitert, sein Kind nach modernen pädagogischen Theorien zu erziehen, und versucht, Selbstmord zu begehen.
  • Nebel (Niebla): Behandelt die existenziellen Probleme von Augusto Pérez, der seine fiktive Realität entdeckt und seinen Schöpfer (Unamuno, der als Figur auftritt) bittet, ihn nicht zu töten.
  • Abel Sánchez: Über den kainistischen Neid.
  • Tante Tula (La tía Tula): Über frustrierte Mutterschaft.
  • San Manuel Bueno, Märtyrer: Das Leben des Dorfpfarrers Don Manuel Bueno, der seinen Glauben verloren hat, dies aber zum Wohle seiner Gemeinde wahrt.

Azorín (José Martínez Ruiz): Stil und Thematik

José Martínez Ruiz, bekannt als Azorín, wurde in Monóvar (Alicante) geboren. Er begann mit autobiografischen Romanen, in denen er als Figur Antonio Azorín auftrat:

  • Der Wille (La voluntad)
  • Antonio Azorín
  • Bekenntnisse eines kleinen Philosophen (Confesiones de un pequeño filósofo)

Später schrieb er Romane, in denen er die Anliegen der Autoren von '98 (Objektivität, Zeit, Schicksal) behandelte und innovative Erzähltechniken anwandte (z. B. in Doña Inés oder Pueblo).

Stilistische Merkmale Azoríns

Sein Stil ist nüchtern, präzise, gekennzeichnet durch kurze Sätze und einen sehr umfangreichen Wortschatz. Hervorzuheben sind die detaillierte Charakterisierung von Umgebungen und Figuren sowie das langsame, meditative Tempo.

Pío Baroja: Pessimismus und die offene Romanform

Pío Baroja, geboren in San Sebastián, gilt als einer der größten Romanciers seiner Zeit. Er arbeitete zunächst als Arzt, widmete sich aber bald der Literatur. Er war einzelgängerisch und mürrisch, pflegte jedoch einen radikalen Pessimismus in Bezug auf Natur und Menschheit.

Die drei Phasen (nach Eugenio de Nora)

  1. Erste Phase (1900–1910): Romane, die den Geist der Generación del 98 und die Krise des Jahrhunderts am deutlichsten ausdrücken.
    • Der Weg zur Vollkommenheit (El camino de perfección)
    • Die Trilogie Der Kampf ums Leben (La lucha por la vida): Die Suche (La busca), Schlechtes Kraut (Mala hierba) und Rote Morgenröte (Aurora roja)
    • Der Baum der Erkenntnis (El árbol de la ciencia)
    • Zalacaín der Abenteurer oder Die Sorgen des Shanti Andía (Inquietudes de Shanti Andía)

    Die Charaktere suchen nach dem Sinn ihrer Existenz; sie sind Außenseiter, die mit sich selbst und der Umwelt in Konflikt stehen oder Männer der Tat, die von Freiheit träumen.

  2. Zweite Phase (1913–1936): Das kreative Potenzial lässt nach. Baroja wiederholt frühere Formen und überfrachtet seine Geschichten mit ideologischen Abschweifungen (z. B. in Erinnerungen an einen Mann der Tat).
  3. Dritte Phase (1937–1956): Seine Memoiren stechen hervor, insbesondere Aus der letzten Runde des Weges (Desde la última vuelta del camino).

Barojas Roman-Theorie und Stil

Baroja verteidigte eine „zurückhaltende Rhetorik“ (kurze Absätze, kurze Sätze, gebräuchlicher Wortschatz, fehlende komplexe syntaktische Verknüpfungen). Obwohl er oft wegen einer gewissen Nachlässigkeit im Schreiben kritisiert wurde, betrachtet die aktuelle Kritik seinen Stil im Lichte seiner Ideen über den Roman:

  • Der Roman ist eine offene Form.
  • Er verteidigt die absolute Freiheit des Romanciers.
  • Wichtige Eigenschaften sind Natürlichkeit, Bequemlichkeit und die dynamische Darstellung der Umgebung.
  • Es gibt keine genaue Struktur, keinen klaren Handlungsverlauf oder ein eindeutiges Ergebnis.

Er komponiert seine Erzählungen aus verstreuten Episoden, die durch die zentrale Figur verbunden sind. Die Charaktere sind Außenseiter, die ihre Ideen über die Welt und ihren Mangel an Glauben an die Menschen projizieren. Sie leben gegen das soziale Umfeld, besitzen aber nicht die nötige Energie, um ihren Kampf durchzuführen. Sein Tempo ist schnell und wendig.

Baroja vereint die Verzweiflung und Angst der Romantik, die Komposition der Moderne, die deterministische Weltsicht des Realismus und moderne Formen, die sich in deskriptivem Impressionismus, psychologischer Milieudarstellung und nostalgischer Tendenz zeigen.

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