Die Romanik: Kunst, Architektur und Spiritualität im Mittelalter

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Die Romanische Kunst: Glaube und Apokalypse

Die Romanik war tief von der Religion geprägt. Im Mittelalter herrschte der Glaube, dass die Welt bald enden würde. Zunächst wurden Sakralbauten errichtet, um Gott gnädig zu stimmen, da man die zahlreichen Katastrophen, schlechten Ernten und Verfolgungen in Europa als Zeichen der Apokalypse und des Zorns Gottes interpretierte. Die Menschen begannen, Kirchen zu bauen und intensiv zu beten, überzeugt vom nahenden Weltende. Als das Jahr 1000 ohne den erwarteten Weltuntergang verstrich, änderte sich die Perspektive, aber die religiöse Intensität blieb.

Die romanische Kunst ist untrennbar mit der Religion verbunden. Sie wurde durch internationale Wallfahrten gefördert, die zur Schaffung fester Routen und zur Vereinheitlichung der Kunststile beitrugen.

Historischer und Kultureller Kontext

Die Kreuzzüge

Die Kreuzzüge stellten den Versuch dar, die heiligen Stätten, wie Bethlehem, die von den Türken besetzt waren, zurückzuerobern. Für die Christen war dies ein wichtiger Schritt, um den vermeintlichen Zorn Gottes zu besänftigen. Die Truppen, die in Europa zur Rückeroberung der heiligen Stätten aufgestellt wurden, waren so tief in den Glauben integriert, dass sogar Mönche in den Kirchen für den Kampf ausgebildet wurden.

Sponsoren und Auftraggeber

Die Sponsoren waren die wohlhabenden Menschen dieser Zeit. Sie beauftragten und finanzierten die Werke für Gott. Diese religiösen Konzepte führten dazu, dass die Kunstwerke oft anonym blieben und nicht mit dem Namen des Künstlers, sondern mit dem des Auftraggebers verbunden wurden.

Künstler und Werkstätten

Die Künstler waren in Teams organisiert und zogen schnell von einem Ort zum anderen. Sie hatten wenig persönliches künstlerisches Interesse daran, ihren Namen auf den Werken zu hinterlassen. Da die meisten Menschen kaum lesen oder schreiben konnten, waren alle Werke visuell gestaltet. Sie dienten dazu, den Menschen die Drohungen des Todes und die Verheißungen des Jenseits vor Augen zu führen.

Bei der Bau-, Mal- oder Bildhauerkunst wurde die Schönheit oft der Plastizität geopfert. Die Künstler legten keinen übermäßigen Wert auf die Mühe oder die Perfektion ihrer Arbeit, sondern auf deren didaktische Funktion.

Die Romanische Architektur

Der Begriff „Romanik“ leitet sich abfällig von der Architektur des antiken Roms ab, da die romanischen Baumeister und Bildhauer im Vergleich zu ihren antiken Vorgängern als minderwertig betrachtet wurden. Die frühe romanische Kirche fand ihren stärksten Ausdruck in Frankreich, von wo aus die Bauweise in ganz Europa Verbreitung fand.

Die Romanische Kirche: Aufbau und Merkmale

Die romanische Kirche ist ein Gefäß für alle Künste. Die Architektur zeichnet sich durch die Auflösung von Formen in eine Reihe geometrischer Grundelemente aus. Der Grundriss ist in der Regel ein lateinisches Kreuz mit einem oder mehreren Längsschiffen (1, 3 oder 5) und einem Querschiff (oder Querhaus).

Architektonische Elemente:

  • Apsiden: Die Längsschiffe enden in Apsiden, meist halbkreisförmig. Das Mittelschiff ist in der Regel höher als die Seitenschiffe, was einen variierenden volumetrischen Effekt nach außen erzeugt.
  • Ambulatorium: Manchmal sind hinter der Hauptapsis Seitenapsiden, das Querhaus und radiale Kapellen an einem Umgang (Ambulatorium) angebracht, der das Kirchenschiff halbkreisförmig um die zentrale Apsis führt.
  • Empore/Galerie: Im zweiten Stockwerk befindet sich oft eine Galerie, die zum Kirchenschiff hin offen ist.
  • Obergaden: Die Fensterreihe der Galerie wird als Obergaden bezeichnet.
  • Vierung und Kuppel: An der Stelle, wo das Längsschiff auf das Querhaus trifft (Vierung), erhebt sich meist eine halbkugelförmige Kuppel über Pendentifs oder Trompen. Die zentrale Kuppel bedeckt das Quadrat der Vierung und wird außen von einem Turm, dem sogenannten Vierungsturm, überragt.
  • Gewölbe: Die Gewölbe sind oft mit Gurtbögen verstärkt, die auf die Säulen treffen. Häufig wurde das Kreuzgratgewölbe verwendet, das durch die Kreuzung zweier Tonnengewölbe entsteht. In einigen Regionen (z. B. Spanien) findet man auch flache Holzdecken, die typisch für frühchristliche Basiliken sind oder muslimische Einflüsse zeigen.
  • Stützen: Im Inneren des Tempels sind zylindrische Säulen üblich, aber häufiger sind dicke, rechteckige Pfeiler. Diese Pfeiler sind oft kompliziert mit dünnen Säulen oder Halbsäulen (Diensten) verkleidet, die die Bögen des Gewölbes tragen.
  • Strebepfeiler: Bei kleineren Kirchen stützt die dicke Mauerwerkswand, verstärkt durch äußere Strebepfeiler, direkt das steinerne Dach, oft ohne Bögen und Säulen.

Wallfahrtskirchen und Klöster

Die Wallfahrtskirche

Die Wallfahrten waren ein Schlüsselfaktor für die Konsolidierung, Standardisierung und Verbreitung der Romanik. Der Kult der Reliquien machte die Wallfahrtsrouten essenziell. Entlang dieser Routen flossen Menschen, Ideen, technische Innovationen und ästhetische Konzepte. Die Wallfahrt war somit ein wichtiger Faktor für die europäische Globalisierung der Romanik.

Das Kloster und der Orden von Cluny

Die Mönchsorden, insbesondere der Orden von Cluny, verbreiteten sich in ganz Europa und waren unverzichtbare Akteure bei der Vereinheitlichung der Bauformen und der Verbreitung der Romanik. Klöster waren wichtige kulturelle Zentren, oft ausgestattet mit Bibliotheken und Werkstätten, in denen antike Bücher kopiert und mit Miniaturen illustriert wurden.

Romanische Klöster folgten oft dem Modell der Abtei von Cluny und bestanden aus folgenden Teilen:

  • Kreuzgang (Claustrum): Ein viereckiger Hof mit Galerien auf allen vier Seiten, gestützt von Säulen.
  • Kirche: Oft neben dem Nordflügel des Kreuzgangs errichtet.
  • Kapitelsaal: Im östlichen Teil des Kreuzgangs gebaut und von dort aus zugänglich.
  • Refektorium: Der Speisesaal der Mönche.
  • Dormitorium (Schlafsaal): Hier schliefen alle Mönche gemeinsam, gemäß der Regel.
  • Skriptorium/Bibliothek: Der Arbeitsplatz der Kopistenmönche, die Manuskripte kopierten und illuminierten.

Romanische Architektur in Europa

Obwohl die Kunst Westeuropas zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert gemeinsame Merkmale aufweist, entwickelten sich regionale Schulen, die die historischen und kulturellen Besonderheiten der jeweiligen Gebiete widerspiegelten.

Frankreich

Das Gebiet mit dem größten Wachstum war Burgund. Hierzu gehört die Abteikirche von Cluny (zwischen 1080 und 1108 umgebaut) und die Kirche Sainte-Marie-Madeleine in Vézelay. Eine weitere bedeutende romanische Kirche der Region ist Santa Maria. Ihr großes Mittelschiff ist mit einem Tonnengewölbe bedeckt, das mit zweifarbigen Gurtbögen verstärkt ist, was an die alternierenden Segmente der Moschee von Córdoba erinnert. Besonders beeindruckend ist die Gestaltung der Fassade.

Italien

Die Romanik in Italien konzentrierte sich hauptsächlich auf den Norden (Lombardei) und die Mitte. Sie unterscheidet sich stark von der europäischen Romanik, da sie authentische klassische römische Überreste integrierte. Die großartigste italienische Romanik findet sich in Pisa, einer mittelalterlichen Handelsrepublik, die im 11. Jahrhundert florierte.

Das Ensemble von Pisa

Das Pisaner Ensemble besteht aus dem Dom, dem Baptisterium und dem freistehenden Glockenturm (dem Schiefen Turm). Die drei Gebäude stehen getrennt voneinander auf einem offenen Platz.

  • Kathedrale: Sie hat fünf Schiffe und drei Querschiffe. In der Mitte befindet sich eine riesige ovale Kuppel. Die Seitenschiffe sind gewölbt, während das Zentrum ein flaches Holzdach aufweist (frühchristlicher Einfluss).
  • Fassade: Das Äußere ist mit horizontal abwechselnden weißen und dunklen Marmorplatten verkleidet. Die Fassade weist mehrere Etagen mit Reihen von Blendbögen auf. Die Helligkeit, der Reichtum der Dekoration und die Farbe unterscheiden sich stark von der nordeuropäischen Romanik.
  • Der Schiefe Turm: Der Turm steht abseits der Kathedrale. Er ist zylindrisch, sehr dick und besteht hauptsächlich aus weißem Marmor, passend zu den Merkmalen der Kathedrale. Er ist außen mit Arkaden und Blendbögen verziert. Der Bau begann im 12. Jahrhundert durch Bonanno Pisano. Seine Neigung begann bereits während der Bauzeit, konnte aber durch einen gegossenen Betonsockel gestoppt werden.

Spanien

Als die Romanik im 11. Jahrhundert in Spanien Einzug hielt, überschritt sie den bloßen Stilbegriff und installierte sich als Ausdruck der gesamten westeuropäischen Feudalzivilisation. Im Kontakt mit der muslimischen Kultur war die Romanik nicht überall identisch.

Man muss im Wesentlichen zwei Tendenzen unterscheiden:

  1. Die ältere, lombardische Strömung: Entwickelte sich im 11. und 12. Jahrhundert in den aragonesischen Pyrenäen und in Katalonien, basierend auf Einflüssen aus Norditalien (Lombardei) und Südfrankreich.
  2. Die cluniazensische Strömung: Kam aus dem französischen Kernland (Burgund) und infiltrierte die Halbinsel ab dem 11. Jahrhundert über den Jakobsweg (Camino de Santiago). Sie prägte Teile von Aragon (Westen), La Rioja, Kastilien und Galicien und stellte eine weiterentwickelte und finanziell besser ausgestattete Form der Romanik dar.

Die Romanische Skulptur

Die romanische Skulptur ist vollständig in die mittelalterliche Kultur integriert und spiegelt die Idee eines allmächtigen und allgegenwärtigen Gottes wider. Sie dient dazu, die Religion als ein Mysterium zu vermitteln, das die Menschen vor der dunklen, unbekannten Welt bewahren soll.

Funktion und Stil

Die Skulptur strebt nicht nach naturalistischen Objekten oder einer getreuen Darstellung der sinnlich wahrgenommenen Welt. Stattdessen dominieren Allegorie und Symbolik. Ziel ist es, Ideen und Erfahrungen darzustellen. Die Figur soll aus einem ideologischen Hintergrund entstehen und ethische Schönheit vermitteln, nicht nur kosmetische Erscheinung. Natürliche Elemente wie Tiere, Menschen oder Pflanzen werden als Symbole verwendet, um ein Ideal auszudrücken. Um diese symbolische Funktion zu erfüllen, zögerten die Künstler nicht, die Figuren systematisch zu verzerren.

Architektonische Integration

Die Skulptur ist untrennbar mit der Architektur verbunden und schmückt vor allem die Portale:

  • Archivolten: Sind mit geometrischen oder menschlichen Figuren verziert.
  • Tympanon (Giebelfeld): Erhält die wichtigste Szene des Evangeliums. Typischerweise wird der Pantokrator (Christus in Majestät) dargestellt, sitzend und segnend, umgeben von den vier Evangelisten, die durch ihre symbolischen Tiere repräsentiert werden (Stier, Löwe, Adler und Mensch) – das sogenannte Tetramorph.
  • Jüngstes Gericht: Eine weitere typische Tympanon-Szene, zu deren Füßen die 24 Ältesten der Offenbarung erscheinen.
  • Crismón: Ein weiteres wichtiges Symbol ist das Christusmonogramm (Crismón), ein Kreis mit zwei senkrechten Linien und den griechischen Buchstaben Alpha und Omega, die den Anfang und das Ende von allem bedeuten.

Der Pórtico de la Gloria (Santiago de Compostela)

Der Pórtico de la Gloria besteht aus drei Bögen, die Zugang zu den drei Schiffen bieten, und umfasst das Tympanon, den Mittelpfeiler (Trumeau) und die Archivolten, auf denen über zweihundert Figuren angeordnet sind. Die Zartheit dieser Arbeit zeigt sich in jeder Figur und jeder Falte. Die Gesichter sind stärker individualisiert, die Züge weicher, und einige Figuren zeigen eine offensichtliche Freundlichkeit oder lächeln.

Santo Domingo de Silos

Zu den wichtigsten nationalen Werken gehören die Reliefs im Kreuzgang des Klosters Santo Domingo de Silos. In einem der vier Eckreliefs wird die Ungläubigkeit des Heiligen Thomas dargestellt. Die Tatsache, dass der (anonyme) Bildhauer den größeren Raum der Platten den Kapitellen der Szenen vorzog, zeigt seine Fähigkeit, große Kompositionen zu bewältigen. In dieser malerischen Szene wird die Komposition durch die Überlappung der Friese gelöst, um die Figuren zu gruppieren. Die Gesichter, Positionen und Größen aller Figuren (die zwölf Apostel und Jesus) sind wiederholt, mit Ausnahme der Figur Christi, die größer ist, und des Heiligen Thomas, der die Wunde prüft.

Die Romanische Malerei

Die Romanik ist auch eine Epoche der dekorativen Malerei. Die Kunst wurde nicht als autonom betrachtet, sondern als Verzierung der Wände im Inneren des Tempels. Sie leitet sich direkt von den byzantinischen Miniaturen und den präromanischen Anfängen ab. Die Maler übernahmen Themen und Techniken aus den illuminierten Handschriften und übertrugen die Grenzen der Miniatur auf die Fresken, um die romanischen Kirchen auszumalen.

Platzierung und Technik

Die romanische Malerei nimmt, wie die Skulptur, ihre festen Plätze innerhalb des Tempels ein. Sie findet sich vor allem in der Apsis und manchmal an den Seitenwänden. Auch bemalte Schreine waren üblich.

In der Apsis wird typischerweise der Pantokrator dargestellt, umgeben von den vier Evangelisten und Engeln. Die am weitesten verbreitete Technik ist das Fresko:

Die Wand wurde mit Sand und Kalk bedeckt. Bevor der Kalk trocknete, musste das Wandbild gemalt werden. Auf diese Weise trocknete die Farbe zusammen mit der Kalkschicht, verband sich mit ihr und erreichte eine außerordentliche Beständigkeit. Dies stellte die Künstler jedoch vor Herausforderungen, da sie nur etwa sieben Stunden Zeit hatten, bevor der Kalk trocken war.

Stilistische Merkmale

Der romanische Maler kannte die römische Perspektive nicht. Seine Werke sind in der Ausführung und Farbgebung flächig. Er hatte kaum Verständnis für die Komposition und löste Gruppierungsprobleme auf einfache, lineare Weise, indem er die Figuren Seite an Seite und alle auf derselben Ebene anordnete. Wenn die Bedeutung einer Figur hervorgehoben werden sollte, wurde ihre Größe im Verhältnis zu den anderen unverhältnismäßig erhöht, unabhängig von der Perspektive.

Wie in der Skulptur dominiert das Frontalitätsprinzip, insbesondere bei wichtigen Figuren wie Christus, der Jungfrau, einem Kaiser, König oder Heiligen. Ziel war es, ein Bild zu malen, das so klar und einfach wie möglich war.

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