Romanische Skulptur: Merkmale und Ikonographie

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Skulptur

Merkmale

Der Vorläufer der romanischen Bildhauerei ist in der preromanischen Skulptur des Ostens zu finden.
In der romanischen Skulptur entwickelte sich wenig naturalistisches Wachstum, da die beiden alten skulpturalen Traditionen weitgehend in Vergessenheit gerieten. Man bevorzugte eher kleine Abmessungen, wie etwa Elfenbeinschnitzereien.
Das Interesse der Bildhauer galt dem intellektuellen Aspekt, der Botschaft, nicht dem Naturalismus.
Die Figuren sind einfach, in sehr flachem Relief, mit enger Kleidung und Körpern mit einfachen, parallelen Falten, unverhältnismäßig, ohne Volumen, ohne Atmosphäre oder Hintergrund, ausdruckslos, hieratisch und ohne Bewegung.
In der romanischen Skulptur des 11. Jahrhunderts tauchen die ersten Exemplare in Elfenbein, Metall, Textilien und Miniaturen auf.
Im 12. Jahrhundert wurden die Figuren stärker gestaltet und in Beziehung zu ihrer architektonischen Umgebung entworfen; dies führte zu einer Stiländerung mit längeren Proportionen und mehr Bewegung.
Die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts ist durch einen Reichtum an Bewegung und Kostümen, viele Falten, größere Massen und natürliche Ausdrücke gekennzeichnet; die architektonische Funktion tritt dabei oft in den Hintergrund.
Die Rolle der romanischen Skulptur ist es, die Kirchen zu schmücken. In dieser Hinsicht passt sie sich der rahmenden Funktion an, um die Figuren an die architektonische Struktur anzupassen.
Ihre Absicht ist es, eine Botschaft zu vermitteln; man muss zwischen der Skulptur als Botschaft an das ungebildete, analphabetische Volk und der Kunst in den Kreuzgängen der Klöster unterscheiden, die von den Mönchen geschaffen wurde.
Die wichtigsten Bereiche, in denen sich die romanische Bildhauerkunst zeigt, sind:

  • Außenbereiche (Äußeres), in denen Themen wie Sünde behandelt werden.
  • Kapitelle der Säulen im Inneren, mit Szenen, in denen Menschen von der Sünde betroffen oder besiegt werden.
  • In den Kreuzgängen der Klöster sind die Themen oft intellektuell geprägt.

Ikonographische Themen

A) Das Tympanon der Portale

Obwohl sich vielerlei Motive finden, gehören zwei Themen zu den am häufigsten wiederholten und charakteristischen für den Stil:

  • Der Pantokrator (der Allmächtige): Christus als König, wie in der Apokalypse dargestellt, mit den Symbolen der vier Evangelisten und den 24 Ältesten der Offenbarung.
  • Das Jüngste Gericht: Der Pantokrator mit Evangelistensymbolen, in der Regel umgeben von den Ältesten der Apokalypse, den zwölf Aposteln und der Jungfrau Maria; die Gerechten befinden sich gewöhnlich auf der rechten, die Verdammten auf der linken Seite. Der Teufel wird nun anthropomorph dargestellt, erscheint aber manchmal als Tier oder Monster.

B) Kapitelle in den Klöstern

Auf den Kapitellen findet man vor allem pflanzliche Motive und Tiere, sowohl reale als auch fantastische. Unter den letzteren lassen sich mehrere Arten unterscheiden:

  • Allegorische Dekorationen, die auf die Sünde in geistiger Form verweisen.
  • Geschichtsträchtige Kapitelle, die Szenen religiöser Natur erzählen.
  • Kapitelle, die das Leben der Heiligen und Märtyrer sowie biblische Geschichten darstellen.

Die freistehende Skulptur

Die romanische Skulptur, mit Ausnahme der Deposition des Hl. Johannes des Abbesses, beschränkt sich häufig auf Darstellungen der Kreuzigung und der Jungfrau mit dem Kind.
Der Gekreuzigte: Wie in der byzantinischen Welt wird er oft mit vier Nägeln dargestellt, die Füße separat genagelt. Er wirkt teilnahmslos gegenüber den Schmerzen, steif, hieratisch, mit einem feierlichen Ausdruck; der Körper ist gerade und die Arme sind horizontal.
Es gibt zwei Darstellungsarten:

  • Christus in Majestät: Er trägt eine langärmelige Tunika und eine Krone.
  • Christus nackt: Er ist nur von der Taille bis zu den Knien mit einem Lendentuch (faldilla) bedeckt.

Die Jungfrau mit dem Kind: Die Jungfrau Maria wird sitzend, frontal und hieratisch dargestellt; das Kind sitzt auf dem Schoß, frontal und statisch, segnend, mit einem Buch oder der Weltkugel in der Hand. Zwischen den beiden Figuren besteht in der Regel keine Beziehung.

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