Romantik und Realismus: Ein literarischer Epochenvergleich
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Die Epoche der Romantik (ab 1815)
Die Epoche der Romantik beginnt um das Jahr 1815 mit der Niederlage Napoleons und der Wiederherstellung der absoluten Monarchie. Die Romantik ist eine breite und komplexe Strömung.
Merkmale und Mentalität der Romantik
Die romantische Mentalität basiert auf folgenden Prinzipien:
- Individualismus: Betonung der Selbstverwirklichung und des persönlichen Ausdrucks.
- Irrationalismus: Fokus auf Gefühl, Intuition und das Unterbewusste.
- Freiheit: Verteidigung der individuellen und politischen Freiheit.
- Idealismus: Die Suche nach unerreichbaren Idealen.
- Nationalismus: Wertschätzung der Merkmale und der Geschichte des eigenen Landes.
- Exotik: Faszination für das Fremde und Ferne.
- Gesellschaftskritik: Ablehnung der modernen, industrialisierten Gesellschaft.
- Rebellion: Ein rebellischer und jugendlicher Geist gegen Konventionen.
Historische Umstände der spanischen Romantik
Die Präromantik wurde durch den Unabhängigkeitskrieg und die absolutistische Herrschaft des Königs gebremst. Das romantische Gedankengut wurde von spanischen Intellektuellen aus dem französischen Exil importiert und erreichte Spanien erst nach dem Tod von Ferdinand VII. Das erste bedeutende romantische Werk ist „Die Verschwörung von Venedig“ von Francisco Martínez de la Rosa. Der Höhepunkt der spanischen Romantik dauerte nur etwa ein Jahrzehnt.
Die Epoche des Realismus (ab 1848)
Die Epoche des Realismus hat ihren Ursprung in der revolutionären Bewegung von 1848. Die Bourgeoisie gab ihren revolutionären Geist auf und strebte nach Stabilität und Mäßigung.
Historischer Kontext
In dieser Zeit kam es zu einem starken Wachstum der Industrie und des Handels. Zudem entstanden die großen Kolonialreiche in Afrika und Asien. Die bürgerliche Revolution von 1868 in Spanien scheiterte. 1874 wurde die Bourbonen-Monarchie wiederhergestellt, was den Beginn der Restaurationsepoche markierte, in der der realistische Roman aufblühte.
Fortschritte in Wissenschaft und Technologie
Die wissenschaftliche Forschung machte große Fortschritte. Charles Darwin veröffentlichte sein Werk „Über die Entstehung der Arten“. Im Bereich der Technologie revolutionierten der Telegraf und die Dampfschifffahrt die Kommunikation und den Transport.
Die Literatur des Realismus
Die Bourgeoisie gab die romantische Ideologie auf und ersetzte sie durch den Realismus, der die Mentalität der bürgerlichen Gesellschaft beschrieb.
Merkmale des Realismus
- Wissenschaftlicher Anspruch: In Anlehnung an die wissenschaftliche Methode soll das literarische Werk die Realität genau und objektiv widerspiegeln.
- Objektivität: Es gibt ein Streben nach Objektivität, das jedoch oft mit einer auktorialen Erzählperspektive (dem allwissenden Erzähler) einhergeht.
- Alltägliche Themen: Die Handlungen behandeln die alltägliche Realität und zeigen gewöhnliche Charaktere, oft aus dem Bürgertum.
- Sozialer Konflikt: Ein zentrales Thema ist der Konflikt zwischen den Bestrebungen des Einzelnen und den gesellschaftlichen Normen.
- Schlichter Stil: Der Stil ist meist einfach und klar.
- Dominanz des Romans: Der Roman ist die am häufigsten verwendete literarische Gattung.
- Fokus auf das Bürgertum: Die ausführlichen Beschreibungen konzentrieren sich auf das Bürgertum und den Mittelstand. Der Anspruch, die gesamte Gesellschaft darzustellen, wird oft nicht erfüllt, da andere soziale Schichten vernachlässigt werden.
Der Naturalismus als Weiterentwicklung
Der Naturalismus entstand in Frankreich als eine Radikalisierung des Realismus. Sein wichtigster Vertreter ist Émile Zola, der die wissenschaftliche Methode konsequent auf die Literatur anwendete. Er argumentierte, dass das Verhalten der Charaktere durch ihre genetische Veranlagung (Vererbung) und ihr soziales Umfeld (Milieu) determiniert wird. Der Schriftsteller imitiert die wissenschaftliche Methode: Beobachtung, Datensammlung und Analyse.
Merkmale des Naturalismus
- Wissenschaftliche Grundlage: Ausführliche Beschreibungen basieren auf Erkenntnissen der Medizin, Psychologie und Soziologie.
- Darstellung des Hässlichen: Bewusste Darstellung von schmutzigen, unangenehmen und abstoßenden Aspekten der Realität.
- Fokus auf Randgruppen: Thematisierung von Personen mit körperlichen oder geistigen Gebrechen, Armut und Elend.