Die Romantik in Spanien: Musik und Zarzuela (1830–1850)
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Die Romantik in den 1830er Jahren
Instabile politische Lage: Als Maria Cristina (1833–1844) aus dem Exil nach Spanien zurückkehrte, brachte sie die Romantik mit, die sich bereits in Italien und Frankreich etabliert hatte. Die musikalische Situation war jedoch dekadent und von folgenden Problemen geprägt:
- Fehlende Strukturen: Das Musikstudium an den Universitäten war aufgegeben worden (1830 Eröffnung des Konservatoriums für Musik und Deklamation durch Maria Cristina in Madrid).
- Mangelnde Anerkennung: Komponisten und Musiker genossen kaum gesellschaftliches Ansehen.
- Fehlende Debatten: Es gab kaum künstlerische, philosophische oder ästhetische Auseinandersetzungen.
- Desamortisation: Die Enteignungen ab 1835 leiteten einen Prozess des musikalischen Abbaus ein.
- Mangel an qualifizierten Interpreten.
Mit der Ankunft der Verbannten entstanden Kontroversen über die Einrichtung einer nationalen Oper. Besonders in der Literatur wurde die kastilische Sprache gefördert (z. B. durch die Zeitschrift El Artista von Masarnau, 1835). In der Zwischenzeit brachten Musiker wie Carnicer oder Basili Opern von Rossini, Bellini und Donizetti in die große Tradition ein oder komponierten selbst:
- Adela de Lusignan (1819), Carnicer, Barcelona
- Il Carrozzina da vendere (1839), Opera buffa, Basili
- Werke in kastilischer Sprache wie El rapto (1835) wurden oft auf zweitrangige Genres verbannt.
Zarzuela: Begriffsverwirrung
Ab 1830, mit der Eröffnung des Konservatoriums von Madrid, entstanden Faktoren, die zur Wiederbelebung der Zarzuela führten. Trotz italienischer und französischer Einflüsse (Opéra comique) flossen populäre Elemente wie Humor, Tanzmusik, Polos, Tiranas, andalusische Gesänge, Boleros und Fandangos ein. Diese romantische Operette prägte das Genre maßgeblich.
Merkmale der Zarzuela
- Form: 5 bis 8 Musikstücke, abwechselnd gesprochener Dialog und musikalische Nummern.
- Struktur: Präsentation (Chor), Knotenpunkt (dramatischer Höhepunkt, Duette/Trios) und Ergebnis (Tutti-Chor).
- Dramaturgie: Abkehr von der französischen Nachahmung.
- Besetzung: Italienisches Modell mit 3 Hauptfiguren (Sopran und Bariton).
- Sprache: Populistische musikalische Sprache.
- Ressourcen: Nutzung andalusischer Lieder, Seguidillas, Boleros, Fandangos, Tiranas und Polos.
- Charakterisierung: Musikalische Identifikation der Figuren.
- Klassifikation: Manichäische Charakterzeichnung, die das Publikum zur Positionierung zwingt.
- Werte: Verteidigung traditioneller Werte gegen fremde Einflüsse (napoleonische Invasion, italienische Musik).
Beispiele:
- Melodrama Lirico, 1832: "Las sutilezas de una curiosa"
- Opera española, 1835: "El rapto"
- Comedia española, 1839: "El novio y el concierto"
- Nueva Zarzuela, 1841: "La tienda de los rizos"
- Tonadilla española, 1843: "Jerónimo el de la raza"
- Zarzuela-Parodie, 1846: "La venganza de Alifonso" (Parodie auf Lucrezia Borgia)
Die andalusische Zarzuela
Der Begriff wurde ab den 1840er Jahren für Pastiches und Fragmente von Opern verwendet. Diese Werke wurden an Theatern wie dem Teatro de la Cruz, dem Príncipe oder dem Circo aufgeführt. Ab 1848 etablierte sich das Genre formell, etwa durch "El bastón de mando" (Hernando, 1849) oder "Misterios de bastidores" (Oudrid, 1849).
Spanische Ouvertüre
Die spanische Ouvertüre behielt das zweisätzige Schema bei: Andante-Allegro. Sie zeichnete sich durch eine bitematische, plurisektionale Struktur mit Kontrasten, tonaler Symmetrie und klarer Phrasierung aus. Das Orchester folgte dem Modell von Rossini. Es gab kaum deskriptive Einflüsse aus Deutschland oder Frankreich.
Komponisten
Wichtige Vertreter waren Carnicer, Gomis und Saldoni. Carnicer schuf eine paneuropäische musikalische Sprache, die auf den italienischen Opernproduktionen des frühen 19. Jahrhunderts basierte. Sein Werk umfasst Instrumentalmusik, Kammermusik, Musiktheater und Kirchenmusik. Da es bis 1866 an stabilen Orchestern mangelte, konzentrierte sich Carnicer vor allem auf Bühnenmusik, Ouvertüren und Gelegenheitswerke, was zu einem Mangel an reiner absoluter Musik führte.