Die römische Geschichtsschreibung: Autoren und Epochen

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1. Einleitung: Die römische Geschichtsschreibung

Die Geschichtsschreibung ist nicht nur die Erzählung vergangener Ereignisse, sondern ein literarisches und wissenschaftliches Genre. Oftmals wurde die historische Wahrheit politischen oder nationalen Zwecken untergeordnet. Eine tiefgehende Analyse sozialer und wirtschaftlicher Probleme fehlte meist, ebenso wie eine kritische Quellenprüfung.

2. Ursprünge und Quellen

  • Gesetzestexte: Leges regiae, Senatus consulta, Zwölftafelgesetz (450 v. Chr.).
  • Religiöse Texte: Annales Pontificum.
  • Offizielle Dokumente: Laudationes funebres (Grabreden) und Imaginum.

3. Griechische Einflüsse

Die römische Historiographie wurde maßgeblich durch griechische Vorbilder geprägt: Herodot (universeller Ansatz) und Thukydides (didaktische Absicht).

4. Epochen, Autoren und Werke

4.1. Archaische Zeit (241–88 v. Chr.)

  • Die Annalisten: Chronologische Erzählung der Ereignisse von Jahr zu Jahr.
  • Epische Dichtung: Cn. Naevius (Bellum Punicum) und Q. Ennius (Annales).
  • M. Cato (234–149 v. Chr.): Origines. Widerstand gegen den Hellenismus, Verteidigung traditioneller römischer Werte.

4.2. Klassische Periode

Gaius Julius Caesar (100–44 v. Chr.)

Werke: Commentarii de bello Gallico und De bello civili.

Stil: Verwendung der 3. Person, präzise militärische Beschreibungen, Verzicht auf Archaismen oder Slang. Caesar war Politiker, Feldherr und Redner.

C. Crispus Sallust (86–35 v. Chr.)

Werke: Historiae (fragmentarisch), De coniuratione Catilinae (Verschwörung des Catilina) und Bellum Iugurthinum.

Stil: Moralische und philosophische Motive, Kritik am Werteverfall, prägnante Sprache, Verwendung von Archaismen und historischem Infinitiv.

Cornelius Nepos (100–25 v. Chr.)

Autor von De viris illustribus, einer Sammlung von Biographien in einfachem Stil.

4.3. Augusteische Zeit

Titus Livius (59 v. Chr. – 17 n. Chr.)

Autor von Ab urbe condita. Sein Werk zeichnet sich durch Respekt vor Traditionen, den Göttern und dem Schicksal aus. Er war ein Bewunderer von Cicero und Demosthenes.

4.4. Postklassische Ära

P. Cornelius Tacitus (55–120 n. Chr.)

Bekannt für seine psychologische Charakterzeichnung in den Annales und Historiae sowie die Werke Agricola und Germania. Er übte scharfe Kritik am kaiserlichen Regime.

Sueton (75–160 n. Chr.)

Autor der De vita Caesarum (Kaiserbiographien), bekannt für den Einbau von Anekdoten und Gerüchten.

4.5. Niedergang

  • Florus (2. Jh.): Zeitgenosse Suetons.
  • Eutropius (4. Jh.): Verfasser einer knappen Geschichte Roms.
  • Ammianus Marcellinus (spätes 4. Jh.): Bedeutender Historiker der Spätantike.

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