Römische Geschichtsschreibung: Definition, Ursprünge und Hauptvertreter
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Römische Geschichtsschreibung: Definition und Ursprünge
Geschichte als literarisches Genre: Griechische vs. Römische Sicht
Das griechische Wort für „Geschichte“ (*historia*) bedeutet ursprünglich „Untersuchung der Tatsachen“. Die Griechen interpretierten die Geschichte als wahre Erzählung (*verdaderos*). In der frühen römischen Geschichtsschreibung jedoch verhinderte ein hohes Maß an Patriotismus, dass sich die Historiker strikt an die Fakten hielten.
Die römische Geschichtsschreibung hatte einen stark moralisierenden Charakter. Sie diente der Verherrlichung der *Mores Maiorum* (Sitten der Vorfahren). Cicero erbte die Auffassung, dass Geschichte die *Historia Magistra Vitae* (Lehrmeisterin des Lebens) sei. Nach Ciceros Meinung war die Geschichtsschreibung das *Oratorium Maxime Opus*, der höchste Ausdruck rhetorischer Kunstfertigkeit.
Die Ursprünge der römischen Geschichtsschreibung
Die frühesten Formen der Geschichtsaufzeichnung waren die *Annales Pontificum*. Dies waren Notizen des *Pontifex Maximus*, die auf einer weißen Tafel (*Album*) festgehalten wurden und der Erinnerung würdige Ereignisse enthielten.
Später unterschied man zwischen zwei Hauptformen:
- *Annales*: Die Darstellung von Ereignissen, die vor der Zeit des Historikers lagen.
- *Historiae*: Die Beschreibung zeitgenössischer Tatsachen, die der Autor selbst erlebte.
Der erste Autor der *Annales* war Quintus Fabius Pictor. Als eigentlicher Begründer der römischen Geschichtsschreibung gilt jedoch Cato der Ältere, der mit den *Origines* das erste Geschichtswerk in lateinischer Sprache verfasste.
Wichtige Vertreter der republikanischen Geschichtsschreibung
Gaius Iulius Caesar (100–44 v. Chr.)
Caesar wurde in Rom im Herzen der vornehmen Familie der Iulier geboren und widmete sich schon in jungen Jahren der Politik. Im Jahr 60 v. Chr. gründete er zusammen mit Pompeius und Crassus das Erste Triumvirat, das die Macht in Rom innehatte.
Als Konsul begann er eine Reihe glänzender Feldzüge, die zur Eroberung ganz Galliens bis zum Rhein führten. Im Jahr 49 v. Chr. marschierte er, in Feindschaft mit Pompeius, mit seiner Armee nach Italien (Bürgerkrieg). Nach dem Sieg über Pompeius wurde Caesar zum Diktator auf Lebenszeit ernannt. Diese Situation löste bei den republikanischen Kreisen Roms Alarm aus, was am Tag der Iden des März im Jahr 44 v. Chr. mit seiner Ermordung endete.
Caesars Werke zeichnen sich durch die Reinheit, Einfachheit und Eleganz der lateinischen Sprache aus.
Sallust (Gaius Sallustius Crispus)
Von Sallust sind nur zwei vollständige Werke erhalten:
- *Bellum Catilinae* (Der Krieg gegen Catilina)
- *Bellum Iugurthinum* (Der Krieg gegen Iugurtha)
Zudem existieren fragmentarische *Historiae*. Sallust gilt als Meister der Charakterisierung und der dramatisch-psychologischen Darstellung seiner Figuren. Sein Prosastil zeichnet sich durch eine Tendenz zur *Breuitas* (Kürze) aus. Er verwendete morphologische und klangliche Archaismen und hatte eine Vorliebe für prägnante, lapidare Sätze (*Sententiae*).
Cornelius Nepos
Nepos widmete sein gesamtes Leben der Literatur. Er schrieb eine Universalgeschichte mit dem Titel *Chronica*. Sein wichtigstes Werk ist jedoch *De Viris Illustribus* (Über berühmte Männer). Seine Geschichtsschreibung hat einen eher rhetorischen und beispielhaften Charakter, der weniger auf historische Genauigkeit als auf moralische Belehrung abzielt.