Römische Lyrik: Catull, Horaz, Tibull, Properz und Martial

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Die Lyrik: Ursprung und Entwicklung

Der Name „Lyrik“ leitet sich vom griechischen Wort „lyra“ ab, einem Saiteninstrument, das die Dichter zur Begleitung ihrer Vorträge nutzten. In diesem Genre werden alle poetischen Kompositionen zusammengefasst, die dazu dienen, Gefühle und Emotionen auszudrücken. Ursprünglich entstanden Lyrikformen im Einklang mit Melodien und Tänzen, entwickelten sich jedoch im Laufe der Zeit zu immer komplexeren und intensiveren Ausdrucksformen. Die musikalische Perfektion kompensierte dabei die Kürze der Worte.

Viele poetische Kompositionen erinnern noch heute durch ihre Namen an ihre musikalischen Wurzeln:

  • Ballade: von ballare (tanzen)
  • Sonett: von sonitus (Ton, Musiknote)
  • Ode: von ode (Lied)
  • Psalm: von psalmus (Harfenmusik)

Catull: Leidenschaftliche Liebeslyrik

Catull gehörte zur Generation vor Horaz und lebte ein kurzes, leidenschaftliches Leben, das sich in der Vitalität seiner Kompositionen widerspiegelt. Er hinterließ eine Reihe von Liebesgedichten, die zu Vorbildern für die moderne Literatur wurden. Von seinen 116 erhaltenen Gedichten, den Carmina, beschäftigen sich viele mit unterschiedlichen Themen:

  • Nugae: Kleine Schmuckstücke, oft Alltagsbeobachtungen, die sich durch starke Gefühle und hohe Inspiration auszeichnen.
  • Gedichte für Gelehrte und Wissenschaftler: Themen, inspiriert von Alexandria und der Mythologie.
  • Epigrammatische Gedichte: Kurze, oft spöttische Verse über das echte Leben.

Horaz: Der Meister der Oden

Horaz lebte im erschöpften und kriegsmüden Rom, das nach Ruhe und Frieden suchte. Geboren in Süditalien in einer Familie von Freigelassenen, erhielt er dennoch eine exzellente Ausbildung in Rom und Athen. Sein Gönner Maecenas ermöglichte es ihm, sich ganz der Poesie zu widmen. Sein Werk zeichnet sich durch verschiedene Formen aus, darunter die Epoden (siebzehn Stücke), lyrische Gedichte, die von der griechischen Dichtung inspiriert sind.

Besonders hervorzuheben sind seine Oden, die als Höhepunkt der lateinischen Lyrik gelten. Seine 104 Kompositionen sind in vier Büchern zusammengefasst und behandeln eine Vielzahl von Themen: persönliche Gefühle, Szenen des täglichen Lebens und patriotische Begeisterung. Das Leben, wie es Fray Luis de León in seiner Übersetzung von „Beatus ille“ beschrieb und später in seiner Ode nachahmte, fand hier seinen Ausdruck.

Die Elegie: Klage und Liebe

Die Elegie ist ein Subgenre der Lyrik, das ursprünglich Klagen bei Beerdigungen, Lobpreisungen oder patriotische Begeisterung ausdrückte. Im ersten Jahrhundert v. Chr. wurden Elegien jedoch zunehmend zu persönlichen Liebesgedichten. Später entwickelte sich die schmerzliche Poesie Ovids zur elegischen Dichtung, wie wir sie heute verstehen.

  • Tibull: Verfasste das Tibullianum Corpus, vier Bücher Elegien im Geiste der Liebe und Natur, mit dem Wunsch, ein einfaches Leben auf dem Land mit einer geliebten Person zu führen, fernab vom Krieg.
  • Properz: Schrieb die Elegiae, vier Bücher Elegien zu verschiedenen Themen: Liebesgefühle, Trauerklagen, Lobpreisungen und mythologische Legenden.

Das Epigramm: Römische Lebensweisheit

Das Epigramm wurde aus Griechenland übernommen und hatte ursprünglich einen traurigen Ton. Allmählich wandelte sich der Ton jedoch zu einem frivolen, fröhlichen und bewegenden Stil. Martial ist der unbestrittene Meister dieser Form, der mit großem Witz und Ironie alle Arten von Informationen über das römische Leben seiner Zeit beschrieb.

Martial, geboren in Bilbilis in Tarraconensis, beendete seine Studien in Rom. Er war ein Freund von Quintilian und Plinius dem Jüngeren. Nach dreißig Jahren in Rom kehrte er nach Spanien zurück und zog sich auf einen von ihm gestifteten Bauernhof zurück, sehnte sich aber stets nach dem Leben in Rom. Ihm werden 1500 Epigramme in fünfzehn Büchern zugeschrieben. Er verachtete mythologische Themen und widmete sich besonders der Beschreibung der Schwächen und Stärken von Männern und Frauen der Römer. Seine Arbeit ist somit ein Porträt der sozialen Klassen, der Leidenschaften der Menschen, der Laster und Gewohnheiten ihrer Bewohner. Das Epigramm entwickelte sich schnell zu einer kühnen Poesieform.

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