Rousseau: Freiheit, Gleichheit und der Gesellschaftsvertrag
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Rousseau: Kontext und Kernthesen
Standort: Rousseau in der Aufklärung
Rousseau ist ein Autor der modernen Philosophie, genauer gesagt der französischen Aufklärung. Er gilt jedoch als Außenseiter dieser Bewegung, da er die Idee des Fortschritts, die seine Kollegen teilten, nicht übernahm. Im Gegensatz zur pessimistischen Diagnose der Gesellschaft seiner Zeit schlug er einen neuen zivilen Staat vor, der auf der Grundlage eines Gesellschaftsvertrages basiert.
Thema: Ziele der Rechtsordnung
Das Ziel jeder Rechtsordnung ist der Schutz der Freiheit und der Gleichheit der menschlichen Wesen.
Kernideen Rousseaus
- Das Ziel des Rechtssystems ist der zweifache Schutz von Gleichheit und Freiheit.
- Wir müssen die Freiheit bewahren, denn wenn sie eingeschränkt oder entfernt wird, schwächt dies auch die Kräfte des Staates.
- Gleichheit muss geschützt werden, denn ohne sie gibt es keine Freiheit.
- Hinsichtlich der Gleichheit sollte Reichtum nicht als gleiches Maß an Macht verstanden werden.
- Macht darf nicht durch Gewalt ausgeübt werden, sondern kraft des Ranges und des Gesetzes.
- Bezüglich der Gleichheit des Reichtums ist diese garantiert, wenn niemand gezwungen wird, andere zu kaufen oder zu verkaufen.
Beziehung zwischen den Thesen
Die Hauptthese des Textes wird in der ersten Idee deutlich, indem sie Freiheit und Gleichheit als Ziele der Rechtsordnung verteidigt. Die restlichen Ideen dienen als fundamentale Argumente zur Unterstützung dieser These. Die zweite Idee erklärt, warum Freiheit ein Ziel ist, ebenso wie die dritte Idee für die Gleichheit. In den letzten drei Gedanken konzentriert sich Rousseau auf die Gleichheit, klärt in der vierten Idee, dass Gleichheit nicht gleicher Wohlstand oder gleiche Macht bedeutet, und liefert in den letzten beiden Ideen Argumente zur Präzisierung dieser Unterscheidung.
Erläuterung und Analyse der Philosophie Rousseaus
Rousseau als Kritiker des Fortschritts
Wie bereits im Abschnitt „Standort“ festgestellt, ist Rousseau ein loses Glied in der Kette der aufgeklärten Denker. Alle seine Zeitgenossen teilten den Glauben an den Fortschritt. Für sie war die Geschichte nicht als Bühne des Heils, sondern als Stufe der menschlichen Entwicklung konzipiert. Sie vertrauten blind auf den Triumph der Vernunft über Vorurteile, Aberglauben und Dogmatismus und dachten, dass die mögliche Welt zu einer außerordentlichen Entwicklung von Wissenschaft und Künsten führen würde, was den Fortschritt der Menschheit bedeute: „Das Beste kommt noch.“
Rousseau war der erste prominente Kritiker dieser Ansicht. Für ihn hatten die Künste und Wissenschaften den Menschen nicht verbessert, sondern zu seiner Verderbnis beigetragen. Der wissenschaftliche Fortschritt erzeugte künstliche Gesellschaften, in denen Ungleichheit herrschte, weit entfernt von wahrem Fortschritt.
Vielleicht ist es nicht verwunderlich, dass dieser Text die Verteidigung zweier Werte darstellt, die Rousseau in der Gesellschaft als verloren ansah: Freiheit und Gleichheit.
Naturzustand und Ungleichheit
Als guter Vertragstheoretiker ging Rousseau vom Naturzustand aus, in dem der Mensch allein durch sein Dasein eine Reihe von Rechten besaß. Dieses Szenario dient als Maßstab, um die aktuelle menschliche Gesellschaft zu beurteilen und geeignete Reformen vorzuschlagen. Rousseau versucht, das Wesen des Menschen zu ergründen und es von allen gesellschaftlichen Einflüssen und „Ornamenten“ zu befreien.
Für Rousseau besitzt der Mensch von Natur aus Freiheit und Gleichheit. Er unterscheidet zwischen natürlicher oder physischer Ungleichheit (kaum wesentliche Unterschiede zwischen Individuen) und moralischer und politischer Ungleichheit, die das Produkt menschlicher Konventionen ist und Ungleichheit in Bezug auf Reichtum, sozialen Status, Rang usw. impliziert. Rousseaus Vorschlag ist eine politische Organisation, die die Vorteile des gesellschaftlichen Lebens bietet, aber im Einklang mit der menschlichen Natur steht. Daher bekräftigt der Text, dass der Zweck des Rechtssystems die Bewahrung von Freiheit und Gleichheit sein sollte.
Der Gesellschaftsvertrag und der Allgemeine Wille
Die zweite Idee des Textes argumentiert, dass Freiheit zu den Zielen gehört, indem sie besagt, dass ihre Beseitigung auch die Stärke des Staates schwächen würde. Rousseau gründet die neue Gesellschaft in einem Gesellschaftsvertrag, der auf der Ausübung eines Allgemeinen Willens basiert, wobei das Individuum dem Gesetz unterliegt, ohne seine Freiheit zu verlieren.
Der Allgemeine Wille fördert die gute Integration der Menschen in den sozialen Körper und das Gemeinwohl. Dies erfordert das Zusammenwirken unterschiedlicher Interessen zum Nutzen der Gemeinschaft.
Bürgerliche Freiheit und Eigentum
Beim Eintritt in die neue Gesellschaft werden die natürlichen Rechte durch den Erwerb bürgerlicher Freiheit, moralischer Gleichheit und des Rechts auf Privateigentum ersetzt. Aber, wie der Text sagt, ist die Gleichheit nicht Gleichheit von Macht oder Reichtum. Macht sollte ohne Gewalt und in Übereinstimmung mit Gesetzen und Rang ausgeübt werden. Reichtum soll nicht gleichmäßig verteilt werden, aber es dürfen bestimmte Grenzen nicht überschritten werden, um die Menschenwürde nicht zu verletzen.
Fazit
Schließlich können wir sagen, dass Rousseau der erste theoretische Verteidiger der Demokratie ist, mit dem Manko, dass er bei all seinen intellektuellen Bemühungen zur Verteidigung und Rechtfertigung der Gleichheit der Männer die Frauen vergaß.